Halte durch | Von mangelnder Zeit für die Partnerschaft durch das Elternsein


Habt ihr Kinder? wenn ja, dann werdet ihr folgende Zeilen vielleicht an der ein oder anderen Stelle nachvollziehen können. 


Ich scrolle durch das Fotoalbum meines Handys und sehe so viele Bilder. So viele Erinnerungen. Ich sehe unsere Kinder, wie sie lachen, wie sie spielen, wie sie glücklich sind. Und das macht auch mich glücklich, das macht uns glücklich. Aber weißt du, was ich nicht sehe? Was ich nicht finden kann? 
Ein Bild von uns. Von uns beiden als Paar. 

Denn wenn eines hinten ansteht, dann sind wir es. Zwischen Windeln wechseln, Essen warm machen, nochmal hoch laufen, um etwas zu holen, was wir vergessen haben, zwischen Tränentrocknen und Superheld sein, zwischen fangen spielen und Büchern vorlesen, zwischen all dem Baby- und Kinderkram kommt eines doch immer zu kurz. Wir. Wir kommen zu kurz. 

Ich liege mit unserem Sohn im Bett, stille ihn, tröste ihn, gebe ihm Nähe. Er ist fast eingeschlafen, ein Befreiungsversuch meinerseits und ich scheitere. Ich falle zurück ins Bett und widme mich wieder dem Kind. Meistens tue ich das gerne, aber manchmal liegen die Nerven blank. Immer dann, wenn ich eigentlich mal etwas Zeit für mich bräuchte. Für uns. Du schaust mich an und gibst mir zu verstehen: mach dir keinen Stress. Nimm dir die Zeit. Sei für ihn da, unsere Zeit kommt schon noch. 

Manchmal vergehen Stunden die wir zusammen verbringen, doch so gar nicht miteinander reden können. Weil da immer jemand anderes ist. Immer ein Mini-Lieblings-Mensch von uns, der etwas möchte. Der etwas erzählt, Aufmerksamkeit einfordert. Der uns braucht. Der auf uns zählt. 
Heute Abend, wenn sie schlafen
sagen wir und versprechen uns, durchzuhalten. Heute Abend sind wir dran. Doch bis zum Abend sind wir so oft die Rutsche rauf und runter, haben so oft Tränen getrocknet, so oft auf die Toilette geholfen oder die Windel gewechselt, dass einer von uns beiden einschläft. Weil wir erschöpft sind. Weil es eben echt anstrengend ist, 24/7 für zwei Menschen da zu sein. Das schlaucht. Auch in einer Beziehung. 

Und ja, seitdem wir Eltern sind hat es deswegen schon die ein oder andere schwere Krise gegeben. Zeiten, in denen wir wenig Worte füreinander über hatten. In denen wir nicht vorbildlich miteinander umgegangen sind. Zeiten, in denen wir beide wenig Hoffnung hatten. Wenig Hoffnung für uns. Zeiten, in denen wir das nicht nur gedacht, sondern auch gesagt haben. 

Und uns vielleicht sogar vorgestellt haben, wie es so wäre, ohne einander. Wie es so wäre, wenn man wieder einmal nur Zeit für sich hätte. Sich die Zeit mit den Kindern teilt und so auch mal wieder seinen Kaffee in Ruhe trinken könnte. Oder eben Zeit hätte für eine neue Liebe. Denn dann wäre wieder Zeit dafür da. So richtig und nicht nur so ein hundertstel. 
Aber jede Medaille hat zwei Seiten und so versuche ich mir vor Augen zu halten, was das mit sich bringen würde. Dich zu sehen, mit wem anders. Unsere Kinder zu dir zu bringen und zu sehen, wie sie vielleicht auch diese neue Frau umarmen und herzlich begrüßen. Und ich stehe in der Ferne und es schmerzt. Selbst die Vorstellung dessen schmerzt so sehr, dass wir beide uns schon so oft gesagt haben: das wollen wir nicht. Nicht für uns. Nicht für die Kinder. Nicht für einander. 

Deswegen: halte durch. Wir halten durch. Wir raufen uns zusammen, genießen die vielen kleinen Glücksmomente des Alltages, auch wenn sie uns so vieles abfordern. Wir necken uns zwischen dem Hast du an die Wickeltasche gedacht? und küssen uns, wenn die Kinder mit Glück beide gleichzeitig schlafen. Du kochst mir das Essen, ich mache dir den Kaffee. Wir umarmen uns und merken, wie lange wir das nicht mehr gemacht haben. Und wir merken, wie mindestens ein Kind angerannt oder angekrabbelt kommt und uns ebenfalls umarmen möchte. Viersamkeit als Familie, anstatt Zweisamkeit als Paar. 
Aber wir genießen die innigen Momente, wenn sie da sind. Und halten durch, bis wieder Zeit für uns ist. Denn noch brauchen sie uns so sehr.

Und Gewiss, das ist eine Herausforderung. Ganz ehrlich wahr, eine richtige Herausforderung. 
Aber ich weiß, wenn wir durchhalten, werden wir in wenigen Jahren Geschichten erzählen, die nicht nur Bücher füllen, sondern unsere Herzen erfüllen. 
Geschichten aus unserem Leben, mit unseren Kindern. 
Und wenn wir noch ein wenig durchhalten, dann sind auch wieder wir dran. 
Versprochen. 

xxx, B. 





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