Meine erste koreanische Erfahrung | Von Schönheitsidealen und Lippenstiften

Es ist 23.14 Uhr. Die Meute schläft, ist völlig erschlagen von all den vielen Eindrücken und ich nutze die Zeit und versuche die letzten zwei Tage Revue passieren zu lassen. 

Meine erste koreanische Erfahrung 
Unsere erste koreanische Erfahrung machten wir nicht erst in Korea, sondern irgendwo über Russland. Wir flogen von München nach Rom, um dort in den Flieger nach Seoul umzusteigen. Laut meiner Schätzung waren etwa 95% der Reisenden Koreaner, die übrigen 5% Europäer. Schon beim Check In fühlten wir uns wie kleine Paradiesvögelchen. Alle lächelten uns lieb zu und versuchten uns mit Händen und Füßen zu sagen, dass sie die Kinder süß finden würden. Auch im Flieger war alles prima. Jeder nahm seinen Sitz ein, bekam zu trinken, zu essen, jedermann schaute Filme oder beschäftigte sich sonst wie. Fliegen eben. Links neben mir saß ein Typ, den die Flugangst plagte. Er war Italiener. Regelmäßig klammerte er sich am Sitz fest und vergrub sein Gesicht tief in seinem Pullover. Rechts von uns saßen zwei Koreanerinnen. Mitte 20 waren sie etwa und beide sahen ziemlich schön aus, nach meinem Ermessen. So weit, so gut.

Unser Flug startete zwar am Nachmittag europäischer Zeit, wir flogen jedoch der Nacht entgegen und hatten davon mal abgesehen, einen 11 Stunden Flug vor uns. Angesichts dieser langen Flugzeit, war es mehr als verständlich, dass nach etwa 6 Stunden Flug, so gut wie alle Fluggäste schliefen. Nur wenige blieben wach, um sich die Zeit mit Filmen oder dem Handy zu vertreiben. 
Auch wir schliefen. Immer wieder mal mit Unterbrechungen, weil die Kinder nicht bequem lagen oder etwas trinken wollten, aber die meiste Zeit schliefen wir. Irgendwann wurde der Kleine unruhig, Moritz und ich wurden wach und ich legte ihn an. Da merkte ich, wie eine der beiden Koreanerinnen wach wurde. Mich plagte kurz ein schlechtes Gewissen, dachte ich doch, sie sei unseretwegen wach geworden. Ich suchte den Blickkontakt, um ihr zu signalisieren, dass es mir leid täte. Und als ich so zu ihr sah, beobachtete ich, wie sie ganz verdutzt das Licht ein schaltete, panisch in ihrer Tasche umher kramte, etwas glänzendes hervor holte, ihren Spiegel zückte und sich Lippenstift auftrug. 
Koreanerin Nummer 2 wurde daraufhin ebenfalls wach, schaute ihre Freundin verschlafen an und war in Windeseile ebenfalls wach. Auch sie kramte in ihrer Tasche, holte ihren Lippenstift heraus und schminkte sich. Beide trugen noch ein wenig Puder auf, schauten sich abschließend einmal an, nickten einander zu - so nach dem Motto: puh, gut, dass wir das noch gemacht haben - schalteten das Licht wieder aus und schliefen weiter. Als wäre nichts gewesen. Ich saß da und fragte Moritz, ob er das auch beobachtet hat. 
Haben die sich etwa geschminkt, um ruhigen Gewissens weiter zu schlafen? Fragte Moritz. 
Ja, ganz genau das haben sie getan. 

Ich war verdutzt und amüsiert zugleich. Ich meine: kann man zwar machen, muss man aber nicht. Schon gar nicht wenn man schläft. Aber ich wusste vorab schon, dass Koreanerinnen großen Wert auf Äußerlichkeiten legen. Dass sie viel in und für sich investieren. Dass sie SO viel Wert darauf legten, war mir dennoch nicht bewusst. 
Auch wenn es irgendwie amüsant war, fing ich plötzlich an, mich schlecht zu fühlen. Ich komme manchmal nicht zum Rasieren meiner Beine, wie soll ich da nur mithalten können? Werden die KoreanerInnen mich für ungepflegt halten, wo ich doch keine gemachten Wimpern oder Nägel habe? 
Die Gedanken nahmen so ihren Lauf und ich kam zu dem Entschluss, dass ich da gar nicht mithalten muss. Jeder hat eben andere Prioritäten. 

Der erste Eindruck von Korea
Ich war noch keine 24 Stunden in Korea, da fragte eine sehr gute Freundin, wie denn mein erster Eindruck von Korea und den Menschen sei. Ich überlegte lange und fand keine Antwort, die das beantworten würde. Ich habe mich unglaublich auf diese Erfahrung gefreut. Wochenlang alles dafür vorbereitet, damit wir einen stressfreien Aufenthalt in Korea haben. Nach einer suuuper langen Anreise mit zwei Kindern und viel zu vielem Gepäck, sind wir also in Korea angekommen. Lächelnde Gesichter. Uns zunickende Köpfe. Zuversicht meinerseits. 
Doch schnell stelle ich fest: hier ist alles so groß. So wuselig. So anders. So viele Eindrücke prasseln auf mich, auf uns ein. So viele, dass ich mit dem Verarbeiten der Eindrücke gar nicht hinterher komme. So müssen sich Babys fühlen, wenn sie neuen Eindrücken ausgesetzt sind und weinen, denke ich mir. Denn zwischenzeitlich, da wollte ich genau das tun. Weinen und mich in meinem Bett verkriechen. Ich bin krank, angeschlagen, habe mich die halbe Nacht übergeben. Das ist in einem anderen Land, wo noch so viele Unsicherheiten herrschen, echt unangenehm.

Oft fühle ich mich unwohl, weil ich Angst habe, jemandem mit dem Verhalten unserer Kinder oder dem unseren auf den Schlips zu treten. Hier herrschen teilweise eben noch sehr alte Verhaltensmuster, vieles ist sehr konservativ. Und da komme ich um die Ecke gebogen, mit meinen Kindern, die eben auch mal laut sind, Pauli die ganz aus dem Häuschen ist, wenn sie das viele, bunte und glitzerne Spielzeug sieht und Mika den ich stille. Ob das jemanden stört? Ich weiß es (noch) nicht.

Draußen auf der Straße riecht man abwechselnd den Gestank, der sich durch die Gullideckel seinen Weg nach oben bahnt, Frittierfett und Fisch.
Und dann wird es dunkel. Pauline staunt über die Lichter. Es ist, als hätte sich die Stadt verwandelt. Alles leuchtet, alles bewegt sich, das Leben geht los. Und wir tummeln uns mittendrin. 

Also, mein erster Eindruck? Ich kann es nicht auf den Punkt bringen. Es ist wuselig und groß, die Koreaner sind sehr nett und auch sehr bemüht, uns weiterzuhelfen. An einigen Stellen der Stadt ist es furchtbar dreckig, an anderen kann man vom Boden essen. Vieles läuft viel gesitteter und organisierter ab als bei uns. Bahn- und Busfahren zum Beispiel. Und auch das Fliegen war beeindruckend: der riiiiesige Flieger voll mit Koreanern war nach der Landung schneller leer, als der Malle Flieger, der nichtmal halb so groß war.

Die Schüler sehen in ihren Uniformen toll aus und vieles entspricht irgendwie dem asiatischen Klischee. Hat jemand von euch mal die Serie Sailor Moon gesehen? Die Serie hat ihren Ursprung zwar in Japan, doch es lassen sich viele Parallelen finden. Beim essen, den Verhaltensweisen, bei der Gestik und Mimik. 
Ich weiß noch nicht, ob ich die Stadt lieben werde. Aber eines weiß ich gewiss: wir werden viele Erfahrungen machen und für's Leben lernen. 

Ich bin noch dabei, mich an alles zu gewöhnen. Die Menschen, die andere Kultur, das Essen. Ich schätze, dass das wohl ganz normal ist, wenn man zum ersten Mal am anderen Ende der Welt ist.

xxx, B.







1 Kommentar:

  1. Liebste Bini,

    ich freu mich so auf all eure Eindrücke und deine Geschichten, bei denen es sich anfühlt als wäre man dabei gewesen.❤

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