Wenn ich nicht mehr bin | Die Sache mit dem Tod und wie ich darüber denke



In diesem Jahr wurde ich nicht nur erstmals, sondern auch gleich mehrmals mit dem wohl schlimmsten Thema überhaupt konfrontiert: dem Tod. Abgesehen von dem Schmerz, den er verursachte und dem Verlust, den es zu akzeptieren galt, regte mich das Thema zum Nachdenken an. Was, wenn es mich trifft? 

Wir beschäftigen uns so gut wie nie mit dem Thema, obwohl er unweigerlich Teil unseres Lebens sein wird. Obwohl er uns alle eines Tages einholen wird. Die einen früher, die anderen später.
Der Tod. 
Ganz gleich ob dick oder dünn, ob extrovertiert oder introvertiert, ganz gleich ob reich oder arm, krank oder gesund, ganz gleich welche Extreme und Gegensätze uns unterscheiden, eines haben wir alle gemein. Der Tod wird kommen. Das ist mehr als Gewiss. 
Und wenn er dann da ist, sich genommen hat, was ihm vermeintlich zusteht, dann bleibt eine endlose Leere und ein fürchterlicher Schmerz zurück. Nicht für den Verstorbenen, sondern für die Geliebten. Die Hinterbliebenen. Diejenigen, die ihr Leben neu sortieren und neu bewältigen müssen. Ohne den Partner. Oder den Vater. Den Bruder, die Schwester, die Mutter, die Freundin. 
Ein wichtig(st)er Mensch weniger im Leben. 

Woran glaube ich eigentlich? 
Woran glaube ich eigentlich? Diese Frage ist nicht primär religiös gestellt. Unabhängig von Religion, unabhängig von dem, was alle um einen herum sagen oder denken mögen:
woran glaubst Du eigentlich? 
Gibt es ein Leben nach dem Tod? Gibt es ein höheres Gericht, welches über mein Leben, meine Taten urteilen wird? Oder ist da einfach nichts? 

Ich habe für mich eine ziemlich ernüchternde Antwort. Für viele mag sie hoffnungslos klingen, zu unromantisch, zu endgültig. Aber ich glaube, dass nach dem Tod nichts folgt. Ich glaube weder an ein Leben vor dem jetzigen Leben, noch an eines danach. Ich glaube nicht, dass jemand über uns richten wird oder darüber entscheiden wird, wo wir unsere Zeit nach dem Leben verbringen dürfen. 
Nein. 
Meiner Meinung nach sind wir alle Teil des Hier und Jetzt's. Nur dieses eine Mal. Nur in der Gegenwart. YOLO. 
Und ich glaube, dass die einzige Person, die über alles urteilen wird, wir selber sein werden. Wir selbst werden unsere größten Kritiker sein, auch wenn es um unser Leben geht. Auf dem Sterbebett werden wir ganz sicher wissen, was wir für Fehler begangen haben und was wir Gutes hinterlassen. Wir werden wissen, wie wir den Menschen aus unserem Leben in Erinnerung bleiben werden.  Wir werden wissen, was wir hätten tun und was wir hätten sein lassen sollen.
Wir werden eine Antwort auf all unsere Fragen haben, auch wenn wir sie zu Lebzeiten scheinbar vergeblichst gesucht haben.  Eine ziemlich Deutliche sogar. 
Wir werden wissen, ob wir als guter oder als schlechter Mensch gehen. Und wenn es uns in diesem Moment überhaupt noch möglich sein wird, dann werden wir entweder Glückseligkeit oder Reue verspüren. Meine Interpretation vom sogenannten Himmel oder der sogenannten Hölle. 
Das letzte Empfinden über uns selbst. 
Die letzte Reflexion, die für uns zählt. 
Die nicht korrigiert werden kann. 
Die nicht begradigt werden kann. 
Keine weitere Chancen. 
Der letzte reflektierte Gedanke, die letzte Emotion, die für uns für immer bestand haben wird. 

Hast du Angst vor dem Tod? 
In den letzten Jahren habe ich so gut wie gar nicht über den Tod nachdenken müssen. Wieso auch? Mir wurde niemand genommen und ich bin gesund. Doch in diesem Jahr musste ich den Verlust meines einzigen Großvaters verkraften. Verkraften. Bei dem Wort muss ich den Kopf schütteln, denn schon beim Tippen dieser Zeilen, erkenne ich kaum ein Wort auf dem Display meines Laptops. Tränen im Überfluss. Der Schmerz erfasst mich, mal wieder. 
Verkraftet hab ich also nichts. Aber es so hinnehmen müssen, wie es kam. Und mit ihm auch die Wellen der Trauer, die mich auch jetzt noch überkommen und in Zukunft überkommen werden. 
Mit dem Verlust kamen ziemlich viele Gedanken. Was, wenn ich nicht mehr bin? Wie geht es dann weiter? Wie denke ich über meinen eigenen Tod?
Kürzlich habe ich ein Buch gelesen, wo ich mit der Frage 'Hast du Angst vor dem Tod?' konfrontiert wurde. Eine Frage, die mich seitdem ziemlich beschäftigt. 

Denn früher, ja früher da hätte ich eine solche Frage sofort bejaht. Aber heute, heute ist das irgendwie anders. Denn ich weiß für mich: wenn ich tot bin, dann spielt das für mich keine Rolle mehr. Dann fühle ich nicht mehr. Dann denke ich nicht mehr. Dann bin ich nicht mehr.

Ich war an einem Punkt in meinem Leben, an dem ich sehr unzufrieden war. Also beendete ich diesen Punkt. Tat das, was ich wollte und begann zu studieren. 
Dann war da dieser Keim, der immer weiter wuchs. Der Wunsch nach einem Kind. Und ich bekam nicht nur eines, es kam sogar ein zweites Kind. 
Selbst die Bucket-List meines 17-jährigen Ich's, habe ich abhaken dürfen: in den USA leben, einen Traum-Urlaub in der Karibik verbringen, mit Delfinen schwimmen und 'nen Kerl heiraten, der blaue Augen hat und Kinder mit ihm zeugen. Alles: abgehakt. 
Ich reise gerne, lerne gerne andere Kulturen kennen und auch wenn ich so vieles auf dieser Welt noch nicht gesehen habe und noch sehen möchte, so weiß ich, dass die Erfahrungen, die ich bisher machen durfte, mich reich machen.
Reich an Erinnerungen. 
Reich an Momenten. 
Reich an Lebensqualität. 

Ich bin umgeben von Menschen, die ich liebe und denen ich blind vertrauen kann. 

Also nein, ich habe keine Angst vor dem Tod. Nur ein unwohles Gefühl, wenn ich an den Schmerz denke, den ich hinterlassen werde. Aber das wohl Wichtigste: ich weiß, dass ich gehen werde und etwas viel besseres hinterlasse: meine Schätze. Mein alles. Meine Kinder. 

Wovor ich Angst habe
Wenn man den eigenen Tod nicht fürchtet, kommt schnell die Frage auf, wovor man sich dann fürchten würde. 
Jeder von uns hat wunde Punkte. Meine sind meine liebsten Menschen. In erster Linie meine Kinder, mein Mann. Meine größte Angst im Leben ist, dass ihnen etwas zustoßen könnte. Ihnen oder anderen geliebten Menschen. Meinen Brüdern, meinen Eltern, meine Großmütter, meinen Freunden, meiner selbst ausgewählten Familie. 

Was mich betrifft, fürchte ich nicht den Tod. Aber sehr wohl den Weg dahin. Schlimme Krankheiten, die sich über Monate oder Jahre ziehen und nicht nur mich einschränken, sondern auch das Leben meiner Familie. Das Leben meiner Kinder. 
Die Gesundheit ist eines der wertvollsten Güter, die wir haben. 

Wenn ich nicht mehr bin
Auch wenn ich nur ungern daran denke, was ist, wenn ich nicht mehr bin, möchte ich einige Dinge skizzieren, wie ich es mir zumindest wünschen würde, so ohne mich. Wie ich es mir für meine Liebsten wünschen würde. 

Wenn ich nicht mehr bin, dann möchte ich nicht, dass meine Familie versucht es mir recht zu machen, obwohl ich doch gar nicht mehr bin.
Keine Bestattung, die super aufwändig ist.
Kein Geld, das zum Fenster hinaus geschleudert wird. Denn ganz ehrlich: der Tod ist teuer genug. Ich möchte nicht, dass für solch einen Anlass, viel Geld fließen muss. Aber abgesehen davon weiß ich auch, dass ich einen Mann geheiratet habe, der die Balance dessen, was für ihn tragbar und für mich angemessen wäre, hinbekommen würde. Er weiß, was ich will und was ich nicht will.

Außerdem würde es mir ziemlich missfallen, wenn alle schwarz gekleidet wären. Bitte tut das nicht! Zieht etwas an, dass euch an schöne Momente mit mir erinnert.
Etwas, was ihr mit mir verbindet, wozu es vielleicht eine lustige Geschichte gibt.
An Lilly & Laura: das wären dann zum Beispiel 'Canada Eh' Shirts oder dergleichen. Aber bitte nicht schwarz. Spielt meine Lieblingsmusik oder Musik, zu der wir getanzt haben. Oder macht es am besten wie ich und hört ein und das selbe Lied 20 Mal hintereinander. Wiederholt das dann mit einem anderen Lied. Und so weiter. 

Wenn ich nicht mehr bin, möchte ich eigentlich nur, dass meine Familie ihr Leben so normal und uneingeschränkt wie möglich weiterführen kann. Mit allem was dazu gehört, auch wenn das bedeutet, dass jemand anders meinen Platz in dieser Familie einnimmt.

Wenn ich nicht mehr sein sollte, dann weiß ich, dass es meinen Kindern gut gehen wird. Denn da ist ein Vater, den ich besser nicht hätte für sie wählen können. Da sind zwei Großelternpaare, die unsere Kinder immer mit offenen Armen empfangen. Und wir haben Freunde, von denen ich weiß, dass sie sich dann noch mehr um die beiden kümmern würden, als ohnehin schon.

Gruselige Gedanken. Gruselige Vorstellung oder? Aber wir wissen alle nicht, wann der Tag X kommen wird. Wir wissen nur, dass er kommen wird. Ich hoffe wirklich sehr, dass ich so viel Zeit wie möglich auf dieser Erde haben werde, um den Lebensweg meiner Kinder so lange wie möglich zu verfolgen. Um ihnen zur Seite stehen zu können. Um ihnen eine Stütze zu sein. Um von und mit ihnen zu lernen. Um ihnen sagen zu können, welch tolle Persönlichkeiten sie sind und wie stolz ich auf sie bin. Aber wenn nicht, dann weiß ich, dass ich mich nicht sorgen muss. Ich weiß, dass es ihnen an nichts mangeln wird.
Allein diese Gewissheit ist ein wunderschönes Gefühl.

xxx, B.




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