Gedankenkarusell | Von Sorgen und Ängsten vor unserem Korea-Abenteuer


Unser Abflug nach Seoul rückt immer näher und mit ihm steigt die Aufregung. Eine Aufregung, die es nicht unbedingt positiv mit mir meint. Nein im Gegenteil, es machen sich Sorgen und Ängste breit. 


Es ist Mittwoch Morgen. Moritz ist bereits in der Uni, das große Kind in der Krippe. Der Mini schläft friedlich neben mir auf dem Sofa, während ich frühstücke und in Ruhe meinen Kaffe genieße. 
Ich schaue mir YouTube Videos über Seoul und Korea an und merke, wie es mir die Kehle zuschnürt.  Es schnürt mir die Kehle zu, weil sich Sorgen und Ängste  breit machen. Sorgen und Ängste vor der Herausforderung mit zwei kleinen Kindern in einem mir völlig fremden Land. 

Ich bin verwundert über meine Gefühlswelt, denn bis vor wenigen Monaten wäre da wohl nichts außer reiner Vorfreude gewesen. Denn genau solche Abenteuer liebe ich. Genau das wollte ich doch schon so lange. Eine neue Kultur kennenlernen. Neue Länder bereisen. Zeit mit der Familie verbringen, abseits des Alltagstrubels. Abseits des Hamsterrads. Nur wir und das Neue.

Als es den Mini noch nicht gab, die Große war gerade ein Jahr alt geworden, sind wir für 5 Wochen nach Amerika gereist. Ich hatte keinerlei Ängste. Keinerlei Zweifel. Doch das war auch anders, denn in den Staaten habe ich bereits gelebt. Ich kenne mich dort aus. Hatte Anlaufstellen. Hatte Unterstützung, wenn's drauf ankam. Und: ich hatte Moritz, rund um die Uhr. 
Ja, das wird wohl der springende Punkt sein: Moritz wird die meiste Zeit an einer Schule arbeiten, sodass die Kinder und ich in dieser riesigen Metropole (mal so am Rande, die 4. Größte der Welt) auf uns gestellt sein werden. Nur Mama, die helfen kann. Nur Mama, die sich auskennen muss. Nur Mama. Für gewöhnlich übernimmt Moritz die organisatorischen Dinge unserer Reisen. Das liegt ihm, das macht ihm Spaß. Ich hingegen sorge dafür, dass wir alles dabei haben, was wir brauchen. Damit sind wir bisher immer gut gefahren. 
Gut, im äußersten Notfall verbringen wir die Zeit in unserem Mini-Apartment und auf den gleichen Spielplätze, doch ich möchte natürlich auch so viel wie möglich von dieser aufregenden Stadt kennenlernen und miterleben. 

Dann sind da natürlich auch Ängste, die auf Kulturunterschiede zurückzuführen sind. Was ist, wenn ich wie gewohnt in der Öffentlichkeit stille? Denn Mika wird noch immer voll gestillt und auch im Ausland - oder gerade weil wir im Ausland sein werden - möchte ich ihm seinen sicheren Hafen nicht nehmen. Nein, ich werde ihn nicht abstillen. Möchte ihn weiterhin nach Bedarf stillen, ganz gleich wo wir sind. Zeitgleich finde ich es unglaublich wichtig, andere Kulturen, Sitten und Bräuche zu respektieren. Denn auch wir in Deutschland fordern von anderen, dass sie sich mit unseren Sitten auseinandersetzen beziehungsweise sind empört, wenn andere dies nicht getan haben. Also, wie wird dieser Spagat zwischen dem Respektieren der koreanischen Kultur und dem Befriedigen der Bedürfnisse der eigenen Kinder? Inwieweit werde ich mich anpassen müssen? Anpassen im Sinne von: muss ich einen Stillraum aufsuchen? Gibt es überhaupt ausreichend kinderfreundliche und -geeignete Orte oder ist das Stillen in der Öffentlichkeit gar kein Problem für die Koreaner? 

Und was ist eigentlich, wenn eines der Kinder krank wird und ich mich nicht verständigen kann? Wenn ich dem Arzt einfach nicht sagen kann, was mein Kind hat. Ein Horrorszenario! Ich hoffe einfach sehr, dass das nicht vorkommen wird. Vorsorglich werde ich selbstverständlich eine Reiseapotheke zusammenstellen. 

Ja und dann wäre da ja auch das Studium, welches in diesem Semester ein wenig kürzer treten muss, damit wir nicht fast 3 Monate vom Papa und Ehemann getrennt sind. Für mich ist es selbstverständlich, ihn zu begleiten. Denn er wollte nicht so lange von uns getrennt sein. Wollte die Fortschritte der Kinder nicht verpassen. Unsere Nähe nicht missen müssen. Und auch mir war nicht danach, ihn 3 Monate nicht zu sehen. Ich denke, es war die beste Entscheidung, dass wir zusammen bleiben. Dennoch wurmt es mich ein wenig, dass ich zwei Veranstaltungen nicht belegen kann und diese um ein Jahr verschieben muss. Das ist zwar nicht weiter wild und verlängert das Studium nicht, aber naja, es wurmt mich eben manchmal. 

Ob mich diese Sorgen, diese Ängste vor dem, was uns bevorsteht, ausbremst? Keineswegs. Denn auch wenn ich gewisse Sorgen in mir trage, weiß ich, dass ich mich ihnen stellen muss, um an dieser Herausforderung zu wachsen. Neue Erfahrung prägen uns, denn sie erweitern den Horizont. Sie lehren. Sie sind wegweisend. 
Natürlich freue ich mich sehr, dass wir diese besondere Erfahrung als Familie machen werden. Dass wir diese Chance haben. Es wird vermutlich ganz normal sein, dass sich Sorgen & Ängste immer breiter machen, je näher der Abflugtermin rückt. 

Ungewissheiten erwarten uns. Aber ich bin mir sicher, dass es eine unvergessliche Zeit wird und sich die Ängste & Sorgen vor Ort legen werden. 
Ich kann gar nicht anders, als zu schmunzeln, wenn PauPau wieder ihre Tasche packt , in der Tür steht und fragt: fliegen wir jetzt nach Südkorea, Mama? 
Bald mein Schatz. Schon ganz bald! 

xxx, B. 


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