Nach Regen kommt Sonnenschein | Über die niemals endende Unordnung im Kopf


Hier gab's 'ne kleine Sendepause. Der letzte Beitrag liegt ein paar Wochen zurück, was vielerlei Gründe hat.

In den letzten zwei Monaten habe ich mir viele Gedanken gemacht. Über dieses und jenes. Darüber was mich glücklich macht und was mich unglücklich macht. Darüber was mir Energie gibt und was mir Energie nimmt. Ich habe mir darüber Gedanken gemacht, wer mir Energie gibt und wer sie mir nimmt [kleiner Spoiler am Rande: meine Kinder haben sie mir in letzter Zeit oft genommen, ha!]. Ich habe über mich, mein (Fehl)Verhalten und meine Fehler nachgedacht. Und eine kurze Zeit lang, da fühlte ich mich sehr verloren. Am liebsten hätte ich alles hingeschmissen. Wäre am liebsten gegangen. Ganz alleine, nur ich. Weil mir alles über den Kopf gewachsen ist. Weil der Frust und der Stress über einen so langen Zeitraum überhand genommen haben. Und weil mich so vieles an mir selbst sehr frustriert hat. Kennt ihr das, dass ihr eigentlich nur wütend auf euch selber seid? Weil man es hätte so tun können. Oder anders. Oder weil man nicht den Arsch in der Hose hat, zu reden. Über das, was uns bewegt. Was uns stört. Was wir wollen.
Ich weiß, ich weiß. Das alles sagt irgendwie so viel, aber irgendwie auch nichts. Zumindest nichts konkretes. Aber wie gesagt.. da waren so viele Gedanken in meinem Kopf, die für ein wahres Gedanken-Wirr-Warr gesorgt haben. 

In meinem Kopf haben sich viele Energiefresser breit gemacht. Negative Gedanken, Zweifel, Stress und Frust. Ich war oft zerrissen, versuchte ich doch überall das richtige zu tun und scheiterte immerzu. Ich habe zwar eine Prüfung bestanden, was mir wirklich wichtig war, doch so viel anderes blieb auf der Strecke. Eine gute Mutter sein zum Beispiel. Oder eine gute Ehefrau. Partnerin. Freundin. Ungeduld und patzige Antworten waren tägliche Begleiter. 

Ha, und nicht zu vergessen der Umzugsstress. Wann auch immer sich ein kleines Zeitfenster für eine potentielle Pause bot, musste es für den Umzug genutzt werden. Daneben standen auch noch universitäre Pflichten an. Der Stress staute sich in meinem Kopf, bis nur noch Verzweiflung überblieb. 

Wenn es mir seelisch nicht gut geht, dann merkt man das ziemlich schnell an meinem Essverhalten, zumindest wenn man mich kennt. Ich habe keinen Appetit mehr, nehme kaum Nahrung zu mir. Und wenn doch, dann handelt es sich um ungesunden Kram. Wer seinem Körper jedoch nur Mist zuführt, kann nicht erwarten, dass es dem Körper gut tut. Teufelskreis und so. 

Das eine führte zum nächsten und sorgte für noch mehr Unordnung und Unzufriedenheit in meinem Kopf. Es gab viele Streitereien. Viel Schweigen. Viele Tränen meinerseits. 
So sehr ich versuchte, mir Auszeiten zu gönnen, zu ruhen, zu sortieren, es war immer etwas los. Jemand war krank. Jemand brauchte mich. Etwas musste erledigt werden. 

Also sagte ich mir: ich gebe 110%. Ich bringe das alles hinter mich. Ich erledige, was erledigt werden muss. Ich arbeite diese ätzende und wirklich blöde Liste ab und dann, dann nehme ich mir die Zeit. Dann arbeite ich an mir. Daran, die Unordnung im Kopf zu beseitigen. 
Und wisst ihr, was dann passierte? Das Schicksal, Gott, der Tot oder sonst wer klopfte an die Tür und nahm mir einen geliebten Menschen. Die Unordnung war weg, was blieb waren Vorwürfe, Schuldgefühle, Schmerz und eine furchtbare Leere. Während die Erde sich für alle weiter drehte und die Uhr weiter tickte, stand meine Welt für einige Zeit still und ich blendete alles aus, was für den Moment unnötig war. Umzug. Uni. Prüfungen. Veranstaltungen. 

Stattdessen nutze ich diese Leere, diesen Stillstand, indem sie mich näher an meine Familie rückte. Ich meine nicht nur meine kleine Familie mit Mann und Kindern. Meine ganze Familie. Meine Großmutter, meine Eltern, meine Brüder und sogar näher an meine Onkel und Cousins und Cousinen, meine Großtante und Großcousinen. Am Tag der Beerdigung zeigte ich mich meiner Familie so emotional, wie nie zuvor. Unter Tränen redete ich. Ich weinte vor so vielen Menschen. Auf eine merkwürdige Art und Weise war das eine Befreiung. Es half mir, Abschied zu nehmen. Es half mir, die emotionale Barrikade meiner Familie gegenüber zu überwinden. Es half mir, die Unordnung zu sortieren. Und es half mir, zu realisieren, was wirklich wichtig ist. 

Das Leben. Mit den uns wichtigen Menschen. Und Gesundheit. Wenn wir das haben, haben wir mehr, als viele anderen. Dann sind wir wirklich reich. 
Ja, wenn wir das haben, passiert alles andere in unserem Kopf. Positives, wie negatives. Es ist uns überlassen, ob wir negativen Illusionen Platz machen wollen. Ich möchte es nicht. Nicht mehr. 

Der Tag, der Beerdigung war ein wunderschöner Tag. Blauer Himmel. Vogelgezwitscher. Sonnenschein. Ja, nach dem Regen kommt die Sonne. Und mit ihr ganz viel Sonnenschein. 

xxx, B. 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Latest Instagrams

Latest Instagrams

  • Bloglovin'
  • facebook
  • instagram
  • Youtube
Back to Top