Meine Lernstrategie in der Prüfungszeit mit zwei Kindern | Studieren mit Kindern



Damals, als ich meine erste Prüfungsphase mit Kind hatte, bin ich beinahe verzweifelt. Irgendwie fehlte mir eine richtige Lernstrategie. Denn anders als vor dem Kind, konnte ich nicht lernen, wie mir danach war. Plötzlich musste ich Rücksicht auf einen kleinen Menschen nehmen. Heute nehme ich beim Lernen sogar auf zwei Kinder Rücksicht, was tatsächlich besser funktioniert, als gedacht.  

Die Findungsphase 
Wie so viele werdende Eltern dachte auch ich mir damals so: ach, das wird alles ganz easy mit Baby. Haushalt und Unikram erledige ich einfach, wenn das Kind schläft. Schließlich schläft so ein kleiner Wurm fast den ganzen Tag. Habe ich gelesen, wird schon stimmen. Ha, heute kann ich über mein naives Denken nur lachen, denn: die Realität sah anders aus. Mein Baby hat kaum geschlafen und wenn doch, dann nur auf mir. Lernen war da undenkbar, wirklich. Also verzweifelte ich allmählich. Dennoch versuchte ich krampfhaft zu lernen. Immer wieder fand ich mich zwischen Lernskripten und Windeln wieder und war bei jeweils beiden Dingen nie so recht bei der Sache. Zu viel Ablenkung beim Lernen durch das Baby und ein zu schlechtes Gewissen dem Kinde gegenüber, weil ich mit dem Lernen beschäftigt war. 
Tagsüber war es mir nicht möglich, also wurde die Lernerei auf den Abend / die Nacht verschoben. Was so einfach klingt, war auch hier schwierig. Pauli war damals sehr mamabezogen und wollte mich auch Nachts in ihrer Nähe haben. An einigen Abenden war die Verzweiflung groß. Sehr groß sogar. Wenn die Zeit knapp wurde, nahm Moritz sie mir ab und verließ das Haus, damit ich mir in der kurzen Zeit möglichst viel in den Kopf prügelte. Irgendwie hat das auch geklappt, aber es war anstrengend. So verdammt anstrengend. 
Es dauerte zwar ziemlich lange (etwa 1 1/2 Jahre), doch irgendwann pendelte sich das ein. Der Papa wurde akzeptiert, das Lernen am Abend funktionierte also immer besser. 

Lernen als zweifache Mama 
Nun befinde ich mich in meiner ersten Prüfungsphase, seitdem ich zweifache Mutter bin. An der ein oder anderen Stelle ist es wirklich nervig und ätzend, aber es ist des Lernens wegen. Nicht wegen der Kinder. Ich bin erfahrener. Erfahrener im Umgang mit Unizeugs und dem Familienleben. Was mir persönlich wichtig ist, ist, dass meine Familie nicht unter meinem Lerndruck leiden muss (wobei, Moritz bekommt meine schlechte Laune das ein oder andere Mal zu spüren. An dieser Stelle: es tut mir leid, mein Herz ❤ ). Doch für die Kinder soll der Alltag nicht von meinem Lernen geprägt sein. Ich habe gelernt, dass ich primär Mutter bin und die Universität nachrangig ist. Man sollte meinen, dass das selbstverständlich sei, was es natürlich auch ist. Doch bis ich das für mich verstanden habe , bis ich das verinnerlicht habe und umsetzten konnte, ist ein wenig Zeit vergangen. Mittlerweile habe ich einen für mich guten Weg gefunden, die Familie und das Studentenleben gut miteinander zu vereinen. 

Die Lernstrategie mit zwei Kindern 
Wie sieht also meine Lernstrategie aus? In etwa so: 

Wenn die Kinder schlafen, beginnt meine Lernzeit
Zu meinem Glück schlafen beide Kinder am Abend fast zeitgleich ein, sodass ich ab etwa 20.30 Uhr lernen kann. Je nach Motivation lerne ich bis 22.00 oder 24.00 Uhr. Sobald die Uhr 0 zeigt, gehe ich schlafen. Denn ich muss auch Energie tanken, um am nächsten Tag fit zu sein. 
Moritz übernimmt Pauline, falls sie wach werden sollte und ich Mika. Da Mika aber ein recht guter Schläfer ist, schaffe ich tatsächlich recht viel am Abend. Das Lernen am Abend / in der Nacht erfordert jedoch eine Menge Eigendisziplin. Denn nach einem Tag mit den Kindern, ist der Kopf am Abend nicht selten nur noch eines: Matsch. Selbst wenn man sich noch so sehr nach dem Bett sehnt, muss gelernt werden. Das kann echt nerven. 

Tagsüber werden Zeitfenster genutzt
Pauline ist tagsüber in der KiTa, Mika ist jedoch zu Hause bei mir. Neben den Kindern und der Uni habe ich natürlich auch noch andere Dinge zu erledigen: den Haushalt, Arbeit rund um den Blog, Termine. Meist bleibt also am Vormittag/Mittag keine Zeit zum Lernen. Wenn jedoch mal nichts ansteht und der kleine Mann schläft, schnappe ich mir schnell mein Skript und lese ein wenig darin rum. Das kommt jedoch seltener vor. 
Wenn Pauline am Nachmittag wieder zu Hause ist, ist überhaupt nicht an's Lernen zu denken. Doch das will ich dann auch nicht. Dann wird gespielt, getobt und gelacht. Familienzeit statt Studentensein. 

Frühzeitig mit dem Lernen beginnen 
Mit der Zeit habe ich gelernt, den Grad der Schwierigkeit einer Klausur einzuschätzen. So weiß ich schon recht früh, wie hoch der Lernaufwand ist und wie früh ich lernen muss. Je schwieriger eine Prüfung, desto mehr Zeit plane ich dafür ein. Für meine diesjährige "Problemprüfung" habe ich zwei Monate Lernzeit eingerechnet. Ich muss mit zwei Kindern immer damit rechnen, dass eines der Kinder krank werden könnte und ich auch am Abend nicht zum Lernen komme, weil das Kind/die Kinder mich brauchen. Durch den langen Lernzeitraum kann ich es mir am Abend außerdem erlauben, nur "kurze Lerneinheiten" von etwa 2 Stunden zu haben. Lernen bis tief in die Nacht wäre nichts für mich. Das würde mich zu sehr schlauchen. 

Klausuren geschickt legen 
Wer kennt es nicht? In einer Woche hat man 5 Prüfungen. Wenn man dann auch noch zwei Kinder zu Hause hat, ist das manchmal wirklich nicht zu schaffen, Jedenfalls nicht für mich. Deswegen informiere ich vorab, wie die Prüfungen in etwa liegen. Im besten Fall gibt es einige vorgezogene Prüfungen, die schon während des Semesters stattfinden und nicht erst nach dem Vorlesungszeitraum. Das hat dann den Vorteil, dass ich nicht für mehrere Klausuren parallel lernen muss, sondern immer einige Wochen Lernzeit für nur eine Klausur habe.

Verbote auferlegen 
Richtig gelesen.. ich erlege mir selbst Verbote auf. Welche das sind? Hauptsächlich Handy und Serienverbote. Natürlich schaue ich auf das Handy, doch Instagram, Facebook und Co. kommen in der Prüfungszeit wirklich kurz bei mir. Das merkt man aktuell vielleicht daran, dass ich nicht jeden Tag ein Bild poste. Mir fehlt schlicht die Zeit.
Sobald die Kinder schlafen, nutzen Moritz und ich die Zeit gerne, um eine Folge einer Serie zu schauen. Da ich diese Zeit jedoch zum Lernen brauche, herrscht für Moritz und mich ein Serienverbot. Erst wenn meine Prüfung hinter mir liegt, können wir und wieder den Serien widmen. Glaubt mir, wenn ich euch sage, dass ich mich darauf schon wieder sehr freue! #GoT 

Hilfe von Kommilitonen 
Viele meiner Kommilitonen sind viel weiter als ich. Das bedeutet auch, dass sie viele der Klausuren, die ich noch vor mir habe, bereits erfolgreich bestanden haben. Glücklicherweise gibt es wirklich liebe Menschen, die mir ihr Lernmaterial zur Verfügung stellen. Das hilft so so sehr! 


Eigentlich bin ich am Morgen nach dem Aufstehen am aufnahmefähigsten und motiviertesten, doch in der dunklen Jahreszeit fällt es mir wirklich schwer, noch vor den Kindern aufzustehen und zu lernen. Wer weiß, vielleicht wird es im Sommersemster ja besser funktionieren. 
Wie ihr seht, ist meine Lernstrategie kein großes Geheimnis. Jeder muss seinen 'Lernweg' finden, der mit der Familie kompatibel ist. Der eben machbar ist.
Ich denke tatsächlich, dass das Wichtigste beim Studieren mit Kind(-ern) die Eigendisziplin ist. 

Wie sieht es bei euch aus? Wann und wie lernt ihr? Wie bekommt ihr Studium und Kind(er) unter einen Hut? 

Falls euch interessiert, wie viel ich mir in diesem Semester vorgenommen habe, dann könnt ihr euch den Plan für mein 7. Semester HIER anschauen.

Euch allen ein erfolgreiches Wintersemester,
xxx, B. 

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