Von der Schwierigkeit des Entschleunigens im Alltag

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Den Alltag entschleunigen. Zur Ruhe kommen und sich auf's Wesentliche konzentrieren. Es ist so leicht gesagt, aber wie sieht es mit der Umsetzung aus? 

Von Stress & Hektik im Familien-Uni-Alltag  
Seit nun einem Monat stecken Moritz und ich wieder im Uni-Alltag fest. Pendeln, Lernen, Gruppenarbeiten, Prüfungen. Kurzum: Leistungsdruck. Die Kinder nehmen darauf keine Rücksicht, das können sie ja gar nicht. Und das sollen sie auch nicht. Sie sollen eine unbeschwerte Kindheit erleben, all unsere Aufmerksamkeit und Liebe erfahren. Sie sollen glücklich und zufrieden sein. Aber soll ich euch was verraten? Unsere Zufriedenheit, die von Moritz und mir, bleibt im hektischen Alltag oft auf der Strecke. Zeit ist hier Mangelware. Wenn irgendwo Abstriche gemacht werden, dann bei uns. An erster Stelle stehen die Kinder, die Familie. Ganz klar und ohne Zweifel. 
Wenn es mal ein kleines Zeitfenster gibt (und glaubt mir, manchmal sind diese Zeitfenster seeeehr begrenzt), kümmern wir uns um Dinge, die wichtig sind. Uni, Behördenkram, Arbeit, Zeit als Paar. 
Das eben angesprochene Zeitfenster war schon mit einem Kind ziemlich knapp. Nun mit zwei Kindern im Studium ist es nochmal eine Nummer knapper. Ergo: der Stresspegel steigt, die Laune sinkt. Unzufriedenheit macht sich breit. Studium mit zwei Kindern, war das eine so gute Idee? 
Immer wieder kommt mir dieser Zweifel. Doch dann trete ich mir imaginär in den Hintern und versuche mir bewusst zu machen, wie gut es uns als Familie geht. Abgesehen von den wenigen Monaten, in denen es stressig werden kann, haben wir Unmengen an Zeit. Gemeinsam als Familie. Jeden Morgen gemeinsam wach werden. Kuscheln, albern, frühstücken. Diesen Luxus leben wohl nur wenige Familien. Also nein, es war keine falsche Entscheidung. Unsere Kinder waren die beste Entscheidung in unserem Leben. 
Und dennoch: ich stecke in diesem Tief. In diesem Tief, in dem mich alles nervt. Das Lernen, der Haushalt, der Druck. Die Last auf meinen Schultern erdrückt mich manchmal. Aber vermutlich wäre ich in jeder anderen Lebenslage ebenso an diesem Punkt. Ganz gleich, ob ich in einem geregelten Arbeitsverhältnis bin, arbeitslos oder studierend. Jeder kommt mal an seine Grenzen. Jeder hat mal ein Tief. 
Wichtig ist nur, dass man weiß, dass es vorübergehend ist und nicht von Dauer. Wichtig ist, dass man an einer Besserung arbeitet und nicht in Selbstmitleid versinkt. Nun stellt sich die Frage: wie? Wie verschafft man eine Besserung der aktuellen Lage? Antwort: Entschleunigung. 

Entschleunigen ist gar nicht mal so einfach
Es klingt so einfach und so schön: entschleunige den Alltag. Richte den Blick auf das Wesentliche, auf das Wichtige. Nimm dir Zeit für die Familie, lass Verpflichtungen auch mal links liegen. Aber wie einfach ist das wirklich? Aus eigner Erfahrung weiß ich, dass es leichter gesagt, als getan ist. 
Denn um mir den Stress zu nehmen, muss ich Veranstaltungen in der Uni streichen. 
Klar wäre das möglich, aber ich versuche euch mal zu erklären, warum es mir wichtig ist, diese Veranstaltungen durchzuziehen. 

1.) Jede bestandene Prüfung, jedes abgeschlossene Modul ist wie ein kleines Erfolgserlebnis. Natürlich bin ich gerne Mutter, doch darüberhinaus bin auch froh, neben der Mutterschaft etwas eignes, etwas für mich zu haben, das mir Freude bereitet. Auch wenn das nicht ohne Stress einher geht, so tut es mir gut. 

2.) Ich muss langfristig planen. Streiche ich ein Modul kann ich es im kommenden Semester nicht so belegen, wie mir danach ist. Einige Module und Veranstaltungen werden nur im Sommer- oder im Wintersemester angeboten, sprich nur einmal jährlich. Was ich jetzt also nicht schaffe, kommt in einem Jahr wieder auf mich zu. Doch in einem Jahr habe ich natürlich auch wieder ein Pensum, welches ich schaffen muss/möchte. 

3.) Finanziell bin ich nicht ganz unabhängig. Das BAföG Amt wird mich nicht Ewigkeiten unterstützen, also muss ich zusehen, dass ich schnell genug voran komme, um weiterhin auf Unterstützung setzten zu können. 

4.) Auch wenn ich gerne Kinder im Studium habe, möchte ich nicht Ewigkeiten Studentin sein. Ich möchte arbeiten, möchte unabhängig sein. Ich möchte meinen Kindern etwas bieten können. Von nichts, kommt nichts. Deswegen möchte ich mir nicht unnötig Zeit lassen mit dem Studium. 

Das waren so ziemlich die wichtigsten Punkte. Ich besinne mich im Alltag natürlich immer und immer wieder. Darauf, wie gut es uns geht. Was ich habe. Was mir lieb ist. Ich versuche die negativen Gedanken beiseite zu schieben und den Alltag zu genießen. 
Und dennoch: es gelingt nicht immer. Dann sitze ich tage- oder wochenlang da und bin genervt. Von mir, dem Studium und allem überhaupt. Ich bin reizbar, zickig und unzufrieden. Dann fehlt mir die Kraft, für einen Perspektiv-Wechsel. Graue Wolken, Regen und Matsche-Wetter arbeiten nicht gerade für die gute Laune. Dann kommt der Gedanke auf, dass ein Urlaub schön wäre. Doch dann kommen schon die 'ABERs' und damit noch mehr schlechte Laune. Ihr merkt worauf ich hinaus möchte. Das lästige Hamsterrad. Gefangen im eigenen Gemütszustand. Daraus auszubrechen ist wirklich nicht leicht.

Aber ich weiß, dass das nächste Hoch hinter der nächsten Ecke auf mich wartet. Die gute Laune und der Optimismus sind nicht fern und vor allem nicht unerreichbar. 

Wisst ihr, Tiefen sind lästig. Aber sie gehören dazu. Sind in gewissem Maße gut. So wissen wir die guten Seiten des Lebens wieder zu schätzen. Wir setzten uns mit unseren Gedanken auseinander. Arbeiten innerlich an Problemlösungen. Ein Tief sorgt letztendlich dafür, dass wir wieder voran kommen. Für jedes Tief gibt es eine Medizin oder mehrere. Wir müssen nur wissen, welche die richtige Medizin für uns ist. 
Ja und meine Medizin? Die besteht manchmal aus frischer Luft, Feldern, einem Bollerwagen mit Proviant und meinen Herzensmenschen an meiner Seite. 

xxx, B. 







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