Pseudokrupp | Von Atemnöten und Blaulicht


Am Wochenende musste ich die für mich bisher schlimmste Erfahrung als Mutter machen. Mika hatte einen Pseudokrupp-Anfall. Nie fühlte ich mich hilfloser, nie fühlte ich mich verzweifelter als in dieser Situation. 

Freitag Abend, wir gehen ins Bett. Mika schläft bereits eine Stunde, als er anfing zu husten. Ich erschrak. Ohje, das war aber bellend. Ich kenne diesen bellenden husten, denke ich mir. Einer meiner Brüder hatte ihn damals. Pseudokrupp. Doch abgesehen von 5 mal Husten, schlief der kleine Mann friedlich. Die ganze Nacht.

Am nächsten Morgen war er gut drauf, der Husten war jedoch noch da. Wir fuhren dennoch zu meinen Eltern, da wir mit der Familie brunchen wollten und er ansonsten recht fit war. Mika war weiterhin gut drauf, doch so langsam fing seine Atmung an schwerfälliger zu werden und zu pfeifen. Pseudokrupp sagte meine Mutter, ich stimmte ihr zu. Also fuhren wir mit Mika in die Klinik. Bevor es zu einem Anfall kommen würde, möchte ich gewappnet sein. Wir brauchen Medikamente, Cortison-Zäpfchen um genau zu sein. 
Drei Stunden Warten später hatten wir zwar keine Zäpfchen, doch einen Saft, den Mika im Falle eines Anfalls oral verabreicht bekommen würde. 
Der Abend kam und wir beschlossen, dass Moritz bei Pauline im Zimmer schlafen würde, damit Mika und ich bei offenem Fenster schlafen können. Frische Luft, die tut sicherlich gut. 

Um 00.15 Uhr ging der Albtraum dann los. Es begann mit einem Husten, daraufhin folgte weinen. Der Husten klang so bellend, es tat ihm sicherlich unglaublich weh. Durch das Weinen verschlimmerte sich sein zustand, er atmete zu hastig. Ich rief Moritz dazu, öffnete das Fenster und hoffte auf Besserung. Doch er schrie weiter und bekam immer weniger Luft. Dieses Geräusch ließ mich erstarren. Tränen flossen. Ich wusste nicht weiter und hatte unglaubliche Angst. Moritz muss in solchen Situationen dabei sein. Er hat dabei immer den kühleren Kopf von uns beiden. Bleibt rationaler, kann besser denken. Wir versuchen ihm den Saft zu verabreichen, doch bei einem panischen, kaum Luft bekommenden Baby gestaltet sich das dementsprechend schwierig. Es klappte nicht. Moritz zögerte nicht und rief den Krankenwagen. 
Ich schnappte mir lediglich meine Jacke und die Wickeltasche und verließ das Haus so, wie ich aus dem Bett kam. Der Sanitäter bot mir an, dass ich mich umziehen könne. Doch mir war nicht danach. Ich wollte nur, dass es meinem Kind wieder besser geht. 
Im Krankenwagen wurde seine Sauerstoffsättigung gemessen. 33%. NUR 33%!! Mittlerweile war er ruhig geworden. Sein Blick war leer, die Atmung wieder ruhiger, doch es pfiff so schrecklich. Die Sanitäterin legte ihm sofort eine Sauerstoffmaske an, der Wagen fuhr schneller. Blaulicht und Sirene. 
Der Sauerstoff tat ihm gut. Sehr gut. Wir waren wieder bei einer Sättigung von 100%. 

Im Krankenhaus war er wieder recht stabil. Eine NaCl- und Medikamenten Inhalation später schlief er. Sichtlich erschöpft, aber er schlief und atmete. 
Am nächsten Morgen hustete er zwar noch bellend, doch er war fit. Er lachte. Und ein Glück, das Pfeifen und Bellen wurde weniger. 

Was ist Pseudokrupp? 
Aber was genau ist das eigentlich? Ich habe mich belesen und mit den Ärzten unterhalten. Kurz gesagt handelt es sich dabei um die Entzündung des Kehlkopfs und der Stimmbänder, wobei die Schleimheute stark anschwellen und die Atemwege sich verengen. Luftnot ist die Folge. 

Wann entsteht Pseudokrupp? 
Meistens hat das Kind vor der Pseudokrupp Erkrankung einen Luftwegsinfekt. Wie sich dieser äußert, ist ganz unterschiedlich. Mal Husten, mal Schnupfen, mal Fieber. 
Raue Witterungen begünstigen den Pseudokrupp. Vor allem feuchte und kalte Luft. Deswegen treten Pseudokrupp Erkranknungen häufiger in der kalten Jahreszeit (von Oktober - März) auf. 
Die Anfälle treten fast immer in der Nacht auf. 

Wie kann man dem Kind bei einem Anfall helfen? 
Hier sind die Tipps, die ich von euch auf Instagram, den Eltern und Ärzten bekommen habe: 

- Ruhe bewahren. Auch wenn es schwer fällt, so muss man als Elternteil Ruhe ausstrahlen, damit das    Kind sich nicht unnötig weiter aufregt und noch weniger Luft bekommt. 
- Das Kind auf den Arm nehmen. In aufrechter Haltung fällt das Atmen leichter als im Liegen. 
- Kalte, frische Luft. Zieht das Kind warm an oder hüllt es in Decken und geht an ein offenes Fenster    oder direkt nach draußen. 
- Heißes Badewasser einlassen und das Kind, die feucht-warme Luft einatmen lassen. 
- Kortisonzäpfchen
- NaCl Inhalieren 
- Medikament/ Kortison inhalieren 

Wenn sich der Zustand des Kindes durch die Hilfemaßnahmen nicht bessert oder man Erstickungsgefahr befürchtet, sollte man nicht lange zögern und den Notruf wählen. Auch wir wollten kein weiteres Risiko eingehen. Zu groß war die Angst. Und die Verzweiflung. 

Bei einer Pseudokrupp Erkrankung kann man, so wurde es mir zumindest von den Ärzten erklärt, von zwei bis drei schlimmen Nächten ausgehen. Wir hatten glücklicherweise nur eine besonders schlimme Nacht mit dem Anfall. Der Husten war im Vergleich dazu so harmlos, den zähle ich nicht mit. 

Ich hoffe sehr für euch und die Minis, dass ihr ohne Pseudokrupp durch die kalte Jahreszeit kommt. 

xxx, B. 

P.S: Der kleine Mann ist wohlauf. Wir sind mittlerweile auch wieder zu Hause, nachdem wir 2 Nächte im Krankenhaus verbracht haben. 




Kommentare:

  1. Ich kann das so gut nachfühlen. Die Angst die man hat, die einen erstarren lässt. Ich bin Krankenschwester und hatte schon c-Notfälle. Nie hab ich mich dabei hilflos gefühlt. Mein Sohn würde abends, nach der zweiten 6-fach Impfung, bewusstlos. Er war kreidebleich. Ich zitterte, weinte, war panisch. Kühlen Kopf bewahren - Fehlanzeige. Bei dem eigenen Kind ist es etwas ganz anderes. Zum Glück kam er wieder zu sich. Das „entspannte“ die Situation etwas.

    Hoffe, dass war die erste und letzte Notfallsituation für euch!

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  2. Ich habe es nicht selber erlebt, mir wurde es nur erzählt. Mein kleiner Neffe hatte auch einen solchen Anfall. Aber er hatte nicht so wie Mika Husten. Meine Schwester hatte so Angst um ihn. Er hat einfach keine Lust mehr bekommen...

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