Zwischen Seminarräumen und vollen Windeln ♦ Studieren mit Baby



In diesem Semester habe ich mir ein Workload von 35 Leistungspunkten vorgenommen und das mit zwei Kindern. Einem Kleinkind, das voller Energie ist und einem Baby, das zur Zeit am liebsten auf meinem Arm ist. Das ist zwar anstrengend, aber nicht unmöglich. Wie das in meinem Fall möglich ist? Das verrate ich euch gerne! 

Immer und immer wieder wird mir die Frage gestellt, wie ich denn studieren kann, wenn ich zwei Kinder habe. Wie wir uns organisieren und wann ich die Zeit zum Lernen finde. Wie ich das mit Mika mache, während ich Veranstaltungen habe. 

Organisation
Stundenplan 
Meine größte Stütze ist Moritz. Zu meinem Glück ist auch er noch Student, sodass wir unseren Stundenplan immer versuchen, aufeinander abzustimmen. Hat er Veranstaltungen, habe ich keine. Habe ich Veranstaltungen, hat er keine. 
Wir müssen jedoch auch Rücksicht auf Paulines Kita Zeit nehmen. Von 8 bis 15 Uhr dürfte sie theoretisch in der Kita sein, wir holen sie meist jedoch schon früher ab und reizen diese Zeit nur aus, wenn es nicht anders geht. Während wir vor Mikas Geburt einfach gemeinsam in Hannover sein konnten und so recht flexibel waren, muss nun immer jemand zu Hause sein, der PauPau in den Kindergarten bringt und sie wieder abholt. Früher haben wir das Kind dann einfach in Hannover einander übergeben und konnten zum nächsten Termin eilen. Mit zwei Kindern ist dass jedoch ziemlich viel Stress, sodass wir uns diesen einfach ersparen. Deswegen haben wir den Stundenplan in diesem Semester so abgestimmt, dass Moritz und ich nie an gleichen Tagen beide Veranstaltungen haben. 

Anwesenheitspflicht
Auch wenn es nicht gerade sehr vorbildlich ist: ich bin nur anwesend, wenn eine Anwesenheitspflicht gefordert ist oder ich den Inhalt der Veranstaltung als persönliche Bereicherung sehe. Ansonsten genieße ich den Luxus, dass ich vieles, vor allem Vorlesungen, von zu Hause aus vor- und nachbereite. Da wir nicht in Hannover wohnen, müssen wir immer recht lange zur Uni pendeln. Für eine 90-minütige Veranstaltung bin ich also mindestens 6 Stunden unterwegs. Diese Zeit kann ich zu Hause einfach viel besser gebrauchen und ausnutzen. 
Aber nun zu den Kursen, die eine Anwesenheit fordern: in diesem Semester sind das bei mir genau zwei Kurse. Ein Literaturseminar und ein didaktisches Seminar, in dem Experimente durchgeführt werden. Das Literaturseminar stellt keine große Herausforderung dar. Mika wird mich in der Trage begleiten, das ist für uns alle am einfachsten. Dann ist er immer bei der Nahrungsquelle. 
Das didaktische Seminar ist die größte Herausforderung für uns. Leider kann Mika mich zu diesem Seminar nicht begleiten, weil eben Experimente im Labor durchgeführt werden. Warum man ein kleines Baby nicht in ein Labor nehmen sollte, ist ja irgendwie selbsterklärend. Also handhaben wir es so, dass Moritz mich in die Uni begleitet und sich in den 3 Stunden, die ich im Seminar bin, um Mika kümmert. Sollte er mal Hunger bekommen, verlasse ich das Seminar kurz, um ihn zu stillen. Darüber habe ich auch mit der Dozentin des Seminars gesprochen. Für sie ist das kein Problem. Zudem wird bei den Experimenten Rücksicht auf meine Stillzeit genommen. Es ist wirklich von Vorteil, wenn man sich und seine Belange einfach mitteilt. Das macht vieles so einfach. 

Zeit für die Vor- und Nachbereitung 
Früher war ich oft verzweifelt, weil ich in PauPaus Anwesenheit versucht habe, etwas für die Uni zu machen. Dabei bin ich kläglich gescheitert und hätte mich beinahe einweisen können. Es tat uns allen einfach nicht gut. Deswegen habe ich für mich gelernt, dass ich nichts für die Uni machen werde, solange die Kinder um mich herum turnen und meine Aufmerksamkeit brauchen. 
Ich habe zwei Optionen, um für die Uni produktiv zu sein: 

Option A) Sobald die Kinder schlafen, wird gelernt, recherchiert, in Büchern herum geblättert und vor- und nachbereitet. Diese Option fordert sehr viel Selbstdisziplin, weil der Abend für gewöhnlich die einzige Zeit am Tag ist, an der man Zeit für sich oder die Partnerschaft hat. Auch wenn es stellenweise wirklich ätzend ist, so halte ich mir die Vorteile vor Augen: in den Semesterferien haben wir alle umso mehr Zeit füreinander. 
Option B) Moritz nimmt mir die Kinder ab und kümmert sich um sie. Meist handelt es sich dabei um das Wochenende, was dann immer sehr schade ist, weil ich diese Zeit lieber für uns als Familie hätte. Aber das kommt glücklicherweise nur selten vor. Ich versuche die Kinder so wenig wie möglich von meinem Studium spüren zu lassen. 

Hinzu kommen 3/5 Wochentagen, an denen ich zu Hause bin und den halben Tag nur Mika habe, weil PauPau ja in der Kita ist. Auch hier bieten sich immer wieder Zeitfenster an, um produktiv zu sein. Habe ich tagsüber vieles schaffen können, belohne ich mich am Abend. Dann habe ich die freie Wahl, ob ich Zeit mit Moritz verbringe, ob ich am Blog arbeite oder mir mal einen Film ansehe. Meist läuft es auf Moritz oder den Blog hinaus.

Ich weiß, dass mir an der ein oder anderen Stelle der Kopf platzen wird, weil ich einfach keine Lust mehr habe. Weil manchmal alles zu viel wird. Weil man sich nach einer stressfreien Phase sehnt. Aber am Ende des Semesters werde ich dann hoffentlich mit ganz viel Stolz und abgeschlossenen Modulen belohnt. Und ganz viel freier Zeit für mich und meine Familie. 

Wie organisiert ihr euch mit Kind/ern?

xxx, B. 

Kommentare:

  1. Liebe Bini, vielleicht hast du Lust, bei unserer Pilotgruppe mitzumachen? Die Idee ist, dass Eltern sich abwechselnd gegenseitig bei der Kinderbetreuung helfen und somit Freiräume schaffen, damit sie eben auch mal Zeit haben, um beispielsweise fürs Studium in Ruhe zu lernen.
    Wir haben auch eine Facebook Community für alle interessierten Eltern (mittlerweile schon mehr als 140, wir freuen uns aber noch über mehr Studenteneltern:) https://www.facebook.com/groups/134382257302920/

    Und hier ist die Idee nochmal etwas genauer erklärt:
    https://www.youtube.com/watch?v=i9hMV_q680o&t=3s

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  2. Wirklich bewundernswert wie du das schafft. Ich habe alles vor der Geburt unseres ersten Sohnes hinter mir gebracht, obwohl ich auch gerne schon früher Kinder bekommen hätte.

    Falls du Lust hast schau doch gerne auf meinem Blog und auf Instagram vorbei :-)

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