Über die eigene Sprunghaftigkeit und den Sinn des Lebens



Was erwarten ich eigentlich von meinem Leben? Was habe ich für Ziele und Vorstellungen? Manchmal weiß ich die Antwort darauf selber nicht so recht, doch ich mache mir darüber viele Gedanken. Sehr viele sogar. 

Früher als Kind da war das Leben noch so schön. So schön sorglos. Man hat nicht an die Zukunft gedacht und wenn doch, dann hat man sich diese immer nur rosig vorgestellt. Man hat nicht an Sorgen und Ängste denken müssen. Neben der Schule gab es keinerlei Verpflichtungen. Man war noch nicht gefangen in der Welt der Erwachsenen. Die Gedanken waren noch so frei.

Tja und nun stehe ich da und bin angekommen im Leben. Aber Moment einmal.. bin ich das denn? Bin ich im Leben angekommen? Und was bedeutet das überhaupt? Geht es bei dem "angekommen sein" um darum, den Erwartungshaltungen der Gesellschaft, was man bis zu einem bestimmten Alter erreicht haben muss, zu entsprechen oder viel mehr um das Gefühl von innerer Zufriedenheit?
Für mich ist es letzteres. Mit der Geburt meiner Kinder habe ich gelernt, dass ich es nur uns recht machen muss. Als Familie. Mir ist ganz gleich, was meine ehemaligen Ausbilder von mir denken, weil ich die Ausbildung abbrach und dann zwei Kinder bekam. Mir ist egal was der Bekannte der Nachbarn meiner Eltern zu meinem Leben sagen würde. Und mir ist es egal, wie die meisten mein Leben bewerten würden. Wieso? Weil sie keine Rolle in meinem Leben spielen und ich somit nicht unnütz Energie verbrauchen muss.

Es geht für mich also darum, ob ich dieses Gefühl der Zufriedenheit erreicht habe. Und natürlich, als Mutter habe ich diese erreicht. Ich habe zwei gesunde Kinder, die mich zwar so einige Nerven kosten können, doch die mein Leben so viel schöner gemacht haben. Um nichts in der Welt würde ich auf meine Lieblingsmenschen verzichten wollen. Sie haben Glück und Zufriedenheit in mein Leben gebracht. Ja, durch sie bin ich heute wesentlich selbstsicherer und zufriedener.

Aber bin ich durch sie auch angekommen im Leben?
Ich bin auf jeden Fall "angekommener". Auch wenn meine Kinder einen großen Bestandteil (den größten!) meines Lebens darstellen, so bin ich noch mehr als nur Mutter. Ich bin Ehefrau (klingt nich immernoch komisch), Freundin, Tochter, Enkeltochter, Studentin, Schwester und so vieles mehr. Und ich bin natürlich ich selber.
Ich denke, um im Leben angekommen zu sein, um dieses Gefühl von innerer Zufriedenheit zu erlangen, muss man in all diesen Rollen und in all seinen Bestandteilen des Lebens einen gewissen Pegel an Zufriedenheit erreicht haben. Denn ein Problem auf, sagen wir mal universitärer Ebene, kann sich schnell auf die Zufriedenheit in der Familie auswirken. Deswegen sollte man stets bestrebt sein, überall für ein gewisses Maß an Zufriedenheit zu sorgen.

Da mein Leben, ein jedes Leben also aus vielen Puzzleteilen besteht und nicht nur aus der Rolle der Mutter, fühle ich mich oft nicht angekommen. Nein, manchmal fühle ich mich regelrecht zerrissen, weil ich nicht weiß, wo meine Reise mich hinführen wird, wo sie mich hinführen soll. Weil ich nicht weiß, was ich will, da das Leben einfach so viele interessante Wege bietet. Für welchen soll ich mich da nur entscheiden?

Oh und wenn da nicht meine Sprunghaftigkeit wäre, die das ganze nochmal eine Nummer schwieriger macht. In dem einen Jahr möchte ich alles schmeißen und bin fest davon überzeugt, dass ich minimalistisch in der Welt leben möchte. Als Weltenbummlerin, die ihren Kindern all das lehrt, was die Welt hergibt. Als Familie, ganz losgelöst von gesellschaftlichen Werten und Normen.
In dem nächsten Jahr besinne ich mich wieder und möchte meinen Kindern ein gutes Leben in Deutschland bieten. Mit Haus, Garten und Hund. Denn mal ganz ehrlich: es ist schon ein Jackpot, in Deutschland zu leben. Die Sicherheit. Der Wohlstand. Eine fortgeschrittene Gesellschaft. Global betrachtet ist das nämlich alles andere als selbstverständlich. Doch dann ist da noch dieses Gefühl im Bauch, welches ich nicht so recht zu beschreiben weiß. Wie eine Leere, die gefüllt werden möchte, so ein Bauchgefühl, welches mir sagt, dass da noch was kommt. Etwas anderes, als der jetzige Weg als Ziel hätte. Etwas Großes.

Ja und dann sind da natürlich auch noch Wünsche, die ich mir gerne erfüllen würde, was mit Kindern jedoch nicht ganz so einfach ist. Denn als Mutter, als Eltern lernt man das Wohl der Kinder über das seinige zu stellen. Diese Wünsche verstärken die Sprunghaftigkeit, denn sie verschaffen natürlich auch einen gewissen Raum an Hoffnung. Hoffnung darauf, dass diese Wünsche irgendwann wahr werden. Ich rede hier übrigens nicht von materiellen Wünschen, sondern von Wünschen, die Einfluss auf das gesamte Leben, auf den Lebensweg haben. Und da sie nicht nur Einfluss auf meinen Lebensweg, sondern vor allem auf den Lebensweg meiner Kinder haben, ist das so eine Sache mit der Realisierung der eigenen Wünsche. Wohlmöglich würden meine Kinder mich irgendwann spüren lassen, dass das nicht der richtige Weg für sie war, sondern nur für mich. Oder es würden sich Möglichkeiten für sie ergeben, für die sie sogar dankbar wären. Ich weiß die Antwort nicht. Wie auf so viele Fragen die ich habe.

Doch vielleicht geht es im Leben genau darum. Um die Unwissenheit dessen, was auf uns zukommt. Vielleicht müssen wir nicht immer alles unter Kontrolle haben. Vielleicht müssen wir nicht alles wissen. Müssen einfach auf uns zukommen lassen. Einfach leben. Hier und jetzt.

xxx, B. 



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