♢ War's das wirklich mit den Kindern? ♢♢ Von zwiespältigen Wünschen und Widersprüchen ♢


Meine gesamte Schwangerschaft mit Mika über war ich mir ganz ganz sicher: das wird unser letztes Kind sein. Wir würden Eltern zweier Kinder sein, nicht mehr und nicht weniger. Ein freches Mädchen und ein kleiner Junge. Dann wäre unsere kleine Familie komplett und perfekt. Dann kam Mika und obwohl ich überglücklich über den Familienzuwachs war, war ich auch ein wenig traurig. 

Wann ist man als Familie vollständig? 
Moritz und ich führten in der vergangenen Schwangerschaft mit Mika immer wieder kleine, aber friedliche Diskussionen über die Familienvollständigkeit. Während ich der Meinung war, dass wir mit Mika vollständig sein würde, wünschte Moritz sich noch ein bis zwei weitere Kinder. Für mich kam das zu dem Zeitpunkt jedoch nicht in Frage, weil ich neben den Kindern auch noch Wünsche und Lebensziele habe, die ich mir gerne erfüllen möchte. 
Doch dann kam unser kleiner und so perfekter Mika auf die Welt und ich wurde ganz wehmütig. Wehmütig, weil mit ihm wohl auch meine letzte Schwangerschaft endete. Weil mir bewusst wurde, dass mich nie wieder ein kleiner Fuß gegen meine Rippen treten würde. Weil ich nie wieder die Emotionen verspüren würde, die man hat, wenn man den positiven Schwangerschaftstest in der Hand hält. Weil ich nie wieder den magischen Moment erleben würde, sein eigenes Kind das erste Mal in die Arme zu schließen. Und weil ich nie wieder ein Baby haben werde. Mit Mika würde ich all das zum letzten Mal erleben und das obwohl ich so jung bin. Das alles stimmte und stimmt mich noch immer unglaublich traurig. Bin ich nicht noch zu jung, um mit dem Kinderwunsch und der Familienplanung abzuschließen? 
Noch in der Nacht von Mikas Geburt schaute ich Moritz an und sagte zu ihm: "Das wird nicht unser letztes Kind bleiben!" Er war verhalten, sodass ich das Thema einige Tage später erneut ansprach. Obwohl er derjenige war, der die gesamte Schwangerschaft über noch unerfüllte Kinderwünsche hatte, war bei ihm nun das komplette Gegenteil der Fall. Mit Mikas Geburt fühlte er sich vollständig als Familie. Für ihn sind wir nun komplett. Wenn es nach Moritz geht, so bleiben wir zu viert. Endgültig. Und ich? Ja ich habe plötzlich ein so starkes Verlangen nach einem dritten Kind und das obwohl das zweite Kind doch erst zarte 4 Wochen alt ist. 

Wünsche und Vorstellungen vom Leben
Bis vor wenigen Wochen empfand ich zwei Kinder als perfekt. Wir sind jung Eltern geworden und anders als meine eigenen Eltern, wollte ich mit Anfang/Mitte 40 durch sein. Wenn ich so alt sein werde, wollte ich Kinder haben, die schon relativ selbstständig leben werden. Ganz nach dem Motto "Es soll sich ja gelohnt haben, so jung Eltern geworden zu sein!". 
Wir haben Kinder, die wir mehr als alles andere auf dieser Welt lieben. Doch Kinder werden groß und gehen früher oder später ihre eigenen Wege, bei denen wir sie hoffentlich noch begleiten dürfen. Was zurück bleibt, sind Eltern die plötzlich ihr Leben und ihren Alltag ohne die Kinder verbringen. Ohne ihren wichtigsten Lebensinhalt. Wenn dieser Zeitpunkt gekommen ist, wollen wir uns unsere Wünsche erfüllen. Wir wollen uns ein Häusschen an einem Fleck auf dieser Erde kaufen, an dem wir uns wohl fühlen. Wir wollen reisen und die Welt erkunden. Schließlich sind wir noch immer 'jung', wenn Pauli und Mika einmal volljährig sind. Wir wollen unser Leben nochmal ganz anders aufleben lassen und diesen dann neuen Lebensabschnitt gemeinsam genießen. Dinge lernen und unternehmen, die so mit Kindern nicht immer möglich waren.

Nun sitze ich am Marktplatz, trinke einen Kaffee, schaue mir meinen schlafenden Sohn an und frage mich, ob mein Wunsch nach einem dritten Kind mit diesen Wünschen konform ist. 
Ich habe mir zwischen all meinen Kindern schon immer einen geringen Altersabstand gewünscht, weil ich persönlich es so schön finde, wenn man nicht weit auseinander ist. Vielleicht liegt es an dem großen Altersabstand zu meinen eigenen Brüdern (14 und 16 Jahre), vielleicht aber auch nicht. Wer weiß das schon. Doch ich stecke mitten im Studium und wenn eines für mich feststeht, dann, dass ich nun erst einmal mein Studium erfolgreich abschließen möchte, bevor ein weiteres Kind unsere Familie bereichern soll. Mit zwei Kindern kommt es jedoch immer wieder zu unvorhersehbaren Planänderungen. Mit dem Masterabschluss bräuchte ich noch etwa 4 Jahre, bis ich fertig bin. Dann bin ich fast 30. Würde ich dann ein Kind bekommen, hätte es zum einen einen sehr großen Altersabstand zu den älteren Geschwistern und zum anderen hat sich die junge Elternschaft nicht wirklich "gelohnt". Dann wird es immer schwieriger die eigenen Wünsche irgendwann zu realisieren. 

Bin ich egoistisch? 
Was ich mich nun ebenfalls frage ist: bin ich aufgrund der oben genannten Wünsche egoistisch, wenn wir nun doch kein weiteres Kind mehr bekommen? Oder ist es mein gutes Recht, mich auch auf das Leben "danach" zu freuen, wenn die Kinder ihren eigenen Weg gehen. Kann überhaupt von Egoismus die Rede sein, wenn es den Menschen gar nicht gibt, dem man sich gegenüber egoistisch verhält? 
Wäre es aber nicht auch egoistisch ein drittes Kind zu bekommen, nur weil ich es will? Nur weil ich Wehmut verspüre und mich noch nicht von dem Thema "Baby und Schwangerschaft" trennen kann?Kann ich drei Kindern überhaupt gleichermaßen gerecht werden? Tue ich meinen zwei anderen Kindern nicht unrecht mit einem dritten Kind, mit einem weiteren Geschwisterchen oder wäre es eine Bereicherung für sie? Ich für meinen Teil kann und möchte mir kein Leben ohne meine Brüder vorstellen. 
Fragen über Fragen, auf die ich keine Antwort weiß und die mir keiner beantworten kann. 

Die Zeit wird mir die Antworten geben. Doch bis dahin genieße ich das Leben mit meinen zwei wundervollen Kindern und versuche die zwiespältigen Wünsche beiseite zu schieben. Wer weiß. Vielleicht fällt das Schicksal ja eines Tages die Entscheidung für Moritz und mich. Für uns als Familie. 

xxx, B. 



Kommentare:

  1. Hm, ich finde es persönlich schade, dass es so rüber kommt, als müsstest du die Kinder haben und dann nur 18 Jahre lang , um sie gehabt zu haben, da du meinst es soll sich "lohnen" so früh Eltern geworden zu sein..
    Ich bin selbst 23 und möchte erst mal Karriere machen und erst in 10 Jahren an Kinder denken und erst mal meine Wünsche realisieren, anstatt das Thema Kinder so schnell wie möglich abzuhacken, wie du es scheinst du machen.

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    1. Nein, so ist das überhaupt nicht gemeint. Ich bin gerne jung Mutter und das auch aus so viel mehr Gründen, als den oben genannten.
      Für mich ist es auch nach wie vor der richtige Weg, ich frage mich nur, ob ein drittes Kind vernünftig wäre oder nicht.
      Ich genieße die Zeit mit meinen Kindern voll und ganz und möchte die Zeit natürlich nicht nur einfach hinter mich kriegen. Das kam dann leider falsch rüber.

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  2. Ein sehr schöner Text.
    Ich finde es überhaupt nicht egoistisch, auch an die Zeit "nach" den Kindern zu denken. Denn man ist ja trotzdem nicht nur Mutter /Eltern, sondern ja auch einfach Mensch/Frau/Paar und darf sich auf Zeit freuen, wenn man seine Kinder erfolgreich groß gekriegt hat und jetzt nochmal die eigenen "kinderfreien" Wünsche erfüllen möchte.
    Liebe Grüße, Lena

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    1. Vielen Dank für deine lieben Worte. Ich finde für alles ein Für und Wider. Es ist wirklich schwierig, aber wer weiß schon, was die Zukunft bringen wird.
      Ich bin gespannt.
      Sei ganz lieb gegrüßt!

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  3. Ich verstehe sehr gut was du meinst! Ich frage mich nur, wie lange man "warten muss" bis die eigenen Kinder groß sind, um die eigenen Träume zu verwirklichen. Ich bin auf den Monat genauso alt wie du und wohne immer noch zu Hause. Mein Papa kann also nicht so richtig seine Träume verwirklichen weil sowohl ich, als auch meine jüngeren (trotzdem schon volljährigen) Schwestern von ihm abhängig sind.
    Früher wollte ich auch immer besonders jung Kinder bekommen. Heute versuche ich eher so viel Lebenserfahrung wie möglich zu sammeln, bevor man das Thema Kinder angeht.
    Man sagt zwar immer, dass die Kleinen so schnell groß werden aber an mir sehe ich dann, wie lange ich doch noch abhängig bin...
    Trotzdem bin ich sehr neidisch auf dich, in unserem Alter schon Kinder haben zu können!
    Ganz ganz liebe Grüße <3

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    1. Liebe Lina,
      selbst wenn es bei unseren Kindern so sein sollte, dass sie länger finanzielle Hilfe brauchen (wovon ich stark ausgehe, wenn ich Moritz und mich selbst betrachte), ist das für uns in Ordnung. Die Kinder stehen ja nach wie vor an erster Stelle, ganz gleich welche Wünsche man als Eltern hat.
      Und zu der Lebenserfahrung: ich habe die Lebenserfahrung, die ich immer machen wollte, schon vor den Kindern machen dürfen, sodass ich mich recht schnell 'bereit' gefühlt habe. Wir unternehmen und reisen ja auch jetzt noch, auch mit Kind(ern). Aber als Paar freut man sich dann eben auch über ein wenig Zeit zu zweit und träumt von der Zukunft :)

      Ich bin mir sicher, dass dein Papa euch gerne bei sich hat!
      Sei ganz lieb gegrüßt!

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  4. Ich finde deine Gedanken durchaus interessant. Und meist kommt doch alles anders als geplant! Und sind wir mal ehrlich, Studium hin oder her, wir alle leben nur einmal! Mach es so, wie es für dich gut ist. Und ob ein drittes Kind kommt oder nicht, ob es im Studium passiert oder doch lieber erst mit 30...es ist im Prinzip egal, hauptsache man ist glücklich in seinem Leben! Wir sollten alles viel mehr genießen!

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    1. Wenn ich nur wüsste, was mir lieber ist: ein drittes Kind oder die Träume, die wir haben. Die Zeit wird es mir wohl zeigen..
      Aber recht hast du: man sollte das tun, wonach einem ist und was uns glücklich macht!
      Ganz liebe Grüße!

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  5. Ich kann deine Gedanken total nachvollziehen. Mein Mann wollte und will immer noch nur 2 Kinder. Die haben wir jetzt. Ich bin auch überglücklich mit beiden gesunden Mäusen. Habe aber eigtl immer von drei Kindern geträumt. Es macht mich wehmütig zu wissen, dass ich nicht mehr schwanger seien werde, mein Mäuschen bald läuft... Deswegen versuche ich ganz arg zu genießen. Und jedes Alter hat seine Herausforderungen. Das sehe ich jetzt bei meinem zweijährigen 😀
    Was ich mich frage ist, ob dieses Gefühll, diese "Sehnsucht", dann nach dem potentiell dritten Kind enden würde!? Oder kommt dann der Wunsch nach einem vierten? 🙈😜

    Liebe Grüße

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  6. Liebe Ann-Kathrin,
    genau so geht es mir auch. Ich versuche jetzt schon jeden Moment zu genießen, was mir durch die Wehmütigkeit leider nicht immer gelingt. Jedes Alter für sich hat seine eigenen Herausforderungen und ist wundervoll zugleich.
    Und welch interessante Frage! Ich denke ein solcher Abschied wird nie leicht fallen, sodass diese 'Sehnsucht' auch nach dem dritten Kind noch da sein könnte. Ach ja, das Leben..

    Sei ganz lieb gegrüßt!

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  7. Du hast recht. Die Zeit zeigt es. Aber jeder Mensch hat Wünsche und Vorstellungen wie man leben möchte. Ich glaube man sollte seine Wünsche nachgehen damit man im Leben glücklich ist. Das ist nicht egoistisch. Denn wenn man selber glücklich und zufrieden ist, dann profitieren ja die Kinder/ der Partner davon auch...denke ich. Hör auf dein Herz.

    Ich selber wünsche mir so sehnlichst Kinder. Das ist mein Ziel im Leben. Mama zu sein. Ich bin 24 Jahre alt, mein Mann ist 28. Beruflich habe ich erreicht was ich wollte. Aber das war mir eigentlich nie wichtig. Letztes Jahr hatte ich eine Fehlgeburt während der kritischen Zeit. Ein halbes Jahr später wurde ich wieder schwanger und es lief eigentlich alles gut. Bis in der 18. Woche die Wehen eingesetzt haben und unser Sohn zu früh geboren wurde und wenige Minuten später verstarb. Er war so wunderschön und perfekt... Was ich damit sagen möchte ist, man hat einfach nicht alles in der Hand. Das leben passiert einfach.

    Ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass mein/unser Wunsch wahr wird.

    Herzliche Grüße

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    1. Liebe Juliya,

      mir stockt der Atem, wenn ich lese, was du schon alles verkraften musstest. Es tut mir furchtbar leid für euch! Umso bewundernswerter ist dein Optimismus und deine Stärke, es weiter zu versuchen!
      Da hast du wirklich recht.. das Leben passiert. Und ich hoffe, dass das Leben für euch ganz bald ein wundervolles, gesundes Kind bereit hält.

      Ich drücke dich virtuell und grüße dich ganz lieb,
      Bini

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  8. Liebe Bini,
    Eine spannende Frage :) mein Mann & ich schauen von Kind zu Kind... ich tendiere zu drei Kindern, mein Mann zu zwei. Am Ende schauen wir aber einfach nach jedem Kind ob wir noch Liebe, Zeit, Geld und Nerven für ein weiteres Kind zu geben hätten ^^
    Ich finde es auch nicht egoistisch da an sich selber und die Zeit danach zu denken. Man liebt seine Kinder und schenkt ihnen jetzt alles was man hat. Doch irgendwann sind sie eigenständig und dann sitzt man da mit seinem Partner alleine. Damit die Beziehung hält sollte man meiner Meinung nach eigene Wünsche und Ziele für dir Zeit haben aber auch vor allem Ziele und träume als Paar.
    Ich könnte mir niemals vorstellen erst mit Ende 30 Anfang 40 Kinder zu bekommen. Ich möchte doch auch was von meinen eventuellen Enkelkindern :) meine Tochter hat sogar das Glück einer Uroma. Es ist toll ihr meine Oma zeigen zu können, da sie für mich ein wichtiger Bezugspunkt war und ist. Das hat aber bei uns nur geklappt weil alle so früh Mutter geworden sind :) meine Oma hat meine Mama mit 19 bekommen, darauf folgten noch zwei Kinder. Meine Mama hat mich mit 23 bekommen, auch hier folgten noch zwei Kinder. Ich hab leonie mit 24 bekommen.... wieviel Kinder hier noch folgen weiß nur die Zeit :)
    Viele Grüße
    Julia

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  9. Liebe Julia,

    das sagen wir auch immer. Wir müssen weiterhin Wünsche und gemeinsame Pläne haben, damit man als Paar auch noch Ziele hat. Ich stelle mir das nämlich gar nicht so leicht vor, wenn die Kinder eines Tages selbstständig sind.. Jahre lang waren die Kinder der Mittelpunkt und Gesprächsthema Nummer 1. Wenn sich das ändert, braucht man als Paar eben auch noch ein "Leben".
    Wie schön, dass deine Tochter auch noch die Uroma hat! So sieht es hier ebenfalls aus! Zwei Uromas und einen Uropa haben meine Kinder!
    Ganz liebe Grüße an dich und deine Familie!
    Bini

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