♢ Seminare, Klausuren und Baby im Bauch ♢♢ Schwanger studieren ♢



Ich bin nun im 6. Semester und habe seit dem Studienbeginn vor fast 3 Jahren das zweite Mal ein Baby im Bauch. Ein kleines Herz in meinem Bauch, das mir überall hin folgt- auch in die Universität. Viele wollten wissen, ob es möglich ist, schwanger zu studieren und worauf man achten sollte. Dies habe ich mir zum Anlass genommen, euch einige Zeilen dazu zu schreiben.

Schwanger zu sein, ist keine Krankheit. Natürlich ist der Körper in andern Umständen, doch man kein sein Studium auch schwanger fortführen. Jedoch gibt es einiges, das man vorab berücksichtigen sollte und auf das es zu achten gilt. 

In welchem Abschnitt des Semesters ist der errechnete Termin? 
Um ein Semester möglichst effektiv planen zu können, solltet ihr auf jeden Fall den errechneten Geburtstermin des Kindes berücksichtigen. Liegt dieser mitten im Semester oder doch erst in den Semesterferien? Kollidiert er mit Abgabeterminen und Klausuren? 
Bei uns war es und ist es nun wieder so, dass der errechnete Termin im August zu Beginn der Semesterferien liegt, nur wenige Wochen nach der Vorlesungzeit. Davon ausgehend, dass es in der Schwangerschaft keine Komplikationen geben wird, habe ich ganz normal weiter studiert. Mit Pauline im Bauch das volle Pensum, mit dem kleinen Mann im Bauch ein wenig reduzierter, weil seine große Schwester meine ganze Aufmerksamkeit fordert. Schwierig wird es meines Erachtens nach, wenn der Termin/Geburtszeitraum mit den Klausuren kollidiert bzw. das Kind kurz vor der Prüfungsphase geboren wird. Natürlich könnte man während des Semesters viel Vorarbeit leisten und schon fleißig für die Prüfungsphase lernen, doch der Zauber dieser ersten magischen Zeit wird durch Klausurendruck und Prüfungen genommen. Vor allem die ersten Wochen empfinde ich als so wichtig, dass man die Uni zumindest für diese Zeit ruhen lassen sollte. 
Doch ein Studium besteht nicht nur aus Prüfungen und Abgaben am Ende des Semesters. So kann man schauen, ob nicht gewisse Studienleistungen, wie Referate oder Essays, schon während des Semesters erledigt werden können. So schließt man nicht unbedingt Module ab, aber die Hälfte dessen hätte man damit trotzdem schonmal weg. Der Rest lässt sich zu gegebener Zeit einfach nachholen- mit halbem Aufwand. 
Liegt der Termin zu Beginn eines neuen Semesters lautet mein Rat ganz klar: mach eine Pause. Setze dieses Semester aus und nutze es voll und ganz für dein Kind. Vielleicht gibt es kleine Leistungen, die du von zu Hause erarbeiten kannst, aber es ist so viel schöner, diese wundervolle Zeit mit seinem Kind zu verbringen, anstatt schon so früh hin- und hergerissen zu sein.

Wie fit bist du? Wir groß sind die üblichen SS-Beschwerden? 
Wie eingangs schon gesagt, ist eine Schwangerschaft keine Krankheit, sodass ein Studium natürlich möglich ist. Doch das Schwangersein kann dennoch viele Unannehmlichkeiten mit sich bringen. Vor allem in der Frühschwangerschaft begleitet viele Frauen die lästige Übelkeit. In extremen Fällen muss Frau sich sogar mehrmals täglich übergeben, was bei mir in der zweiten Schwangerschaft der Fall war. Da ich unangenehme Situationen in kleinen Seminarräumen vermeiden wollte, zum einen um es mir selbst zu ersparen, jedoch auch der Kommilitonen und Dozenten willen, konnte ich insbesondere im Dezember und Januar kaum an Veranstaltungen teilnehmen. Je nach schwere des zu behandelnden Inhalts muss man schauen, ob man den Stoff auch alleine nachgeholt und verstanden bekommt. Wenn nicht, sollte man die Klausur im Zweifel aus seinem Plan streichen. Das erspart Zeit, Nerven und unnötigen Stress. 
Mit dem voranschreiten der Schwangerschaft wird auch jeder Gang beschwerlicher. Versuche also dich körperlich nicht zu überlasten. Ich habe das Pendeln zur Uni auf 1-2 Mal pro Woche reduziert und bin darüber mehr als glücklich. Denn eines kann ich euch sagen; je größer das Kind und je tiefer dessen Kopf ins Becken rutscht, desto unangenehmer werden das Gehen und Sitzen.
Ich rate deswegen jeder schwangeren Studentin dazu, sich realistische Ziele für das Semester mit dem Baby im Bauch zu setzten. Alles was nicht geschafft wird, ist nicht schlimm und spielt keine Rolle. Viel mehr sollte man stolz darauf sein, wie viel man geschafft hat, obwohl im Kopf gerade ganz andere Themen interessanter sind. Denn neben der Universität nehmen werdende Eltern noch ganz andere Gedanken ein, wie die  Babyerstausstatung, die Geburt oder die erste Zeit zu Dritt/Viert.

Es kommt manchmal doch anders, als erwartet. 
Während der Schwangerschaft muss man sein Studium keinesfalls ruhen lassen. Jedoch sollte man sich vorab bewusst machen, dass es unerwartet doch anders kommen kann, als man dachte. Ich wünsche es niemanden, aber Komplikationen können eben in der Schwangerschaft auftreten und sie können jede Schwangere treffen. Man sollte nicht schon zu Beginn von solch einer Schwangerschaft ausgehen, doch ich finde, dass man sich ganz klar bewusst machen muss, das die Prioritäten sich nun ändern. Dass es um das Wohlergehen von Mutter und Kind geht und wenn es medizinisch notwendig ist und gefordert wird, muss das Studium für eine gewisse Zeit unterbrochen werden. Man sollte sich dessen bewusst sein, dass eine solche Situation mit der Schwangerschaft einhergehen kann. Kann, aber eben nicht muss.  

Lass dir helfen.
In meinem Studium habe ich schon ganz früh gelernt, dass man besser voran kommt, wenn man nicht alleine ist. Es ist also gut, wenn man ein Netzwerk an Kommilitonen und Freunden hat, die einem unter die Arme greifen können. Vor allem wenn man in anderen Umständen ist, sind viele unglaublich hilfsbereit. So kann man sich zu gewissen Themen/ Klausuren austauschen und vielleicht die ein oder anderen Unterlagen erhalten, die sich zum Lernen als sehr hilfreich erweisen.

Darf ich alles wie gewohnt weiter studieren? 
Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: nein, man darf nicht alles wie gewohnt weiter studieren, es gibt Einschränkungen. Ich studiere Biologie, sodass ich einige Module wegen der Schwangerschaft und Stillzeit noch nicht abschließen konnte. Wieso dem so ist? Oft beinhaltet ein Studium auch Laborarbeit und fordert den Studenten ab, mit toxischen/ gefährlichen Lösungen und Stoffen zu arbeiten. Das ist nicht immer ganz unbedenklich für das Ungeborene oder stillende Kind. Vorab sollte man sich deswegen immer informieren, ob man wie gewohnt weiter studieren darf oder die Dozenten direkt ansprechen. Oft lässt sich auch eine schwangeren- und stillfreundliche Alternative finden.

Suche dir Gleichgesinnte! 
Es gibt für eine schwangere Studentin fast nichts schöneres im Studium, als eine andere schwangere Studentin. Man teilt die gleichen Sorgen, durchlebt einen gleichen Lebensabschnitt und hat sehr viel Verständnis für das Empfinden der anderen. Zwischen all den Nicht-Schwangeren fühlt man sich zudem als Schwangere schnell als Exotin, was nicht unbedingt immer etwas tolles ist. Eine schwangere Freundin/ Kommilitonen kann das sehr viel Halt geben, wie ich finde. 
Ich persönlich habe meine Gleichgesinnten bei Instagram gefunden. Eine von ihnen ist nicht nur  eine Kommilitonen, sondern ein echter Herzensmensch, eine Freundin geworden. Auch sie berichtet auf ihrem Blog Walking on tiptoes von ihrem Leben als junge Studentenmama.

Lege den Zwiespalt ab und genieße! 
Immer wieder verspüre ich eine innerliche Zerrissenheit in mir. So ging es mir schon mit Pauline im Bauch und auch dieses Mal hat sich daran nicht so viel geändert. 
Auf der einen Seite möchte man in der Schwangerschaft noch möglichst viele Klausuren und Module hinter sich bringen. Denn mit einem Kind (oder sogar zweien oder dreien) wird es nicht unbedingt leichter, Prüfungen vorzubereiten und zu absolvieren. Auf der anderen Seite möchte man seine Schwangerschaft bewusst genießen, denn wie alles im Leben, ist dieser Zustand vergänglich. Betrachten wir unser Leben als Ganzes, so sind es nur wenige Wochen und Monate, die wir schwanger sind. Das sollten wir auskosten. Ich ertappe mich also ganz oft dabei, wie ich im Zwiespalt zwischen universitären Verpflichtungen und dem Genießen der Schwangerschaft bin. Oft werde ich weich und lasse die Verpflichtungen rechts liegen, was jedoch mehr als in Ordnung ist, wie ich finde. Manchmal ist die Luft eben raus und man möchte einfach nur die Beine hochlegen und seine Aufmerksamkeit dem kleinen Wunder im Bauch widmen. Das sollten wir uns gönnen- ganz ohne schlechtes Gewissen. 


Schwanger studieren ist definitv möglich, doch während dieser Umstände hat es sich für mich bewährt, das Ganze Thema Studium nicht so eng zu sehen. Das schafft Raum für schöne Gedanken und reduziert den Stress, was bekanntlich für Mutter UND Kind gut ist. 

Wer von euch studiert ebenfalls schwanger und wie geht es euch mit Baby im Bauch im Studium? 

xxx, B. 





1 Kommentar:

  1. Hallo erstmal :)
    Ich habe deinen Blog heute entdeckt und finde ihn jetzt schon toll!
    Und ich bin so froh, dass ich dich beziehungsweise deinen Blog gefunden habe denn ich fange jetzt im Oktober an zu studieren und der Kinderwunsch bei meinem Freund und mir ist riesig obwohl wir erst 19 und 20 sind haben wir uns deswegen für ein Kind entschieden und machen uns jetzt natürlich viele Gedanken über die Umsetzung unseres Wunsches.
    Ich habe in deinen Einträgen schon viele meiner Fragen beantwortet bekommen und neue Möglichkeiten aufgezeigt bekommen! Darüber bin ich dir sehr sehr dankbar!!
    Eine wichtige Frage für mich bleibt aber: Wie bekommt ihr das mit der Betreuung der Kinder hin? Du hast ja kein Urlaubssemester genommen, und ich frage mich wie du das geschafft hast. Habt ihr keine Anwesenheitspflichten an der Uni ? Oder hast du dann nur Wochenendblöcke belegt ? Oder wie? Das ist momentan nämlich für uns noch die größte Herausforderung
    Liebe Grüße
    Und natürlich noch Gratulation zum zweiten Zwerg!

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