♢ Bilinguale Erziehung ♢♢ Wieso wir unserem Kind eine zweite Sprache mit auf den Weg geben ♢


Viele Kinder in Deutschland wachsen bilingual auf. Die Meinungen zu dem Thema gehen auseinander, wie so oft, wenn es um Kinder oder Erziehung geht. Was die einen als Bereicherung für das Kind sehen, bezeichnen andere als unnötige Überforderung. Auch ich wuchs zweisprachig auf und genieße heute das Privileg, die russische Sprache zu verstehen und zu sprechen. Wir bringen Pauline zwar kein russisch bei, dafür aber englisch. Wieso, weshalb, warum - das würde ich euch gerne näher erklären. 

Meine zweisprachige Kindheit
Meine Eltern, nein meine gesamte Familie stammt aus Kirgisistan. Das Land gehörte damals zur UdSSR und ist von daher sehr Russland geprägt. Als meine Eltern etwa ein Jahr vor meiner Geburt nach Deutschland kamen, war die deutsche Sprache für sie absolutes Neuland. Sie mussten die Sprache erst erlernen, was viele viele Jahre in Anspruch genommen hat. So scheint es wenig verwunderlich, dass meine Eltern zu Hause nur russisch gesprochen haben - auch mit uns Kindern. In meiner Kindheit lernte ich von klein auf also zwei Sprachen: die russische und die deutsche Sprache. Für mich war es selbstverständlich und auf keine Weise merkwürdig. Ich wuchs eben so auf und kannte es nicht anders. Bei einigen meiner Cousins und Cousinen war das anders: ihre Eltern bemühten sich von klein auf nur deutsch mit ihnen zu sprechen. Ich erinnere mich an zahlreiche Situationen, in denen wir auf Familienfesten und Geburtstagen unseren Eltern lauschten , die - wenn wundert es- nur russisch miteinander sprachen. Während mein Bruder und ich an den Gesprächen  unserer Familie teilnehmen konnten und über die Witze unseres Onkels lachten, fragten unsere Cousins uns verzweifelt, worüber unsere Eltern sich denn unterhalten würden. Sie waren nicht in der Lage ihre eigenen Eltern zu verstehen, weil diese nur deutsch mit ihnen sprachen. Obwohl meine Eltern mit uns russisch sprachen und wir stets auf deutsch antworteten, taten mir meine Cousin leid. In fremden Ländern ist es schon unangenehm, wenn man jemanden nicht verstehen kann. Bei den eigenen Eltern stellte ich es mir noch viel unangenehmer vor. 
Wie bereits angedeutet, sprachen mein Bruder und ich nicht viel russisch mit unseren Eltern. Wir verstanden alles, was sie uns sagten, konnten russische Kinderfilme sehen und alles problemlos verstehen, doch irgendwie war es uns lieber deutsch mit ihnen zu sprechen. Wir lernten von ihnen und sie lernten von uns. Dadurch dass wir selbst nur selten aktiv wurden im russisch Sprechen, nahm auch unsere Wortgewandtheit im Russischen ab. Ich hatte (und habe) beim russisch sprechen einen sehr deutschen Akzent, der mir vor meiner Familie unangenehm war. So war ich leider nur gezwungen die Muttersprache meiner Eltern zu sprechen, wenn wir in Kirgisistan waren oder wenn wir besuch von dort hatten. Nach wie vor lebt der Großteil der Familie mütterlicherseits dort, sodass ich beim regelmäßigen Skypen mein russisch trainieren kann. Doch so gut wie das Russisch meiner Eltern wird es wohl nie sein und das ist ziemlich schade. Dennoch bin ich froh, die Sprache zu verstehen und mich mitteilen zu können - wenn auch nicht immer perfekt. 

Warum also englisch als Zweitsprache? 
Da ich die russische Sprache grammatikalisch nicht korrekt beherrsche, bringe ich Pauli die Sprache nicht bei. Ich erachte es einfach nicht für sinnvoll, ihr meine sprachlichen Fehler mit auf den Weg zu geben. Stattdessen schnappt sie einige Wörter bei meinen Eltern auf. Ich denke nicht, dass sie die Sprache dadurch eines Tages so verstehen kann, wie ich, doch selbst der geringe Wortschatz wird ihr sicherlich das ein oder andere Mal nützen. Mittlerweile wird nämlich auch bei meinen Eltern überwiegend deutsch gesprochen. Nur untereinander kommunizieren meine Eltern auf russisch. Aber genug über meine Kindheit der bilingualen Erziehung. Kommen wir zu Pauli und ihrer Zweisprachigkeit. 
Moritz und ich waren uns von Anfang an sicher, dass wir Pauline englisch beibringen wollen. Aus welchem Grund? Wir haben uns in Amerika kennengelernt und lieben das Land nach wie vor sehr, sodass wir mit unseren Kindern auch in der Zukunft viel in die Staaten reisen wollen. Ich möchte meine Kinder nicht in die Situation bringen, die eigenen Eltern nicht verstehen zu können. Schließlich haben wir auch amerikanische Freunde, mit denen ausschließlich englisch gesprochen wird. Und überhaupt: wem schadet es schon, eine zweite Sprache zu können? 
Ich persönlich empfinde es als eine Bereicherung, die einem einfach so mitgegeben wird, ohne dass man groß Lernen muss, wie man es aus der Schule kennt. Englisch ist eine Sprache mit der man fast überall auf der Welt weiterkommt, von daher denke ich, dass unsere Kinder davon profitieren werden, wenn sie die Sprache schon im jungen Alter verstehen. 

Kürzlich wurde ich mit dem Vorwurf konfrontiert, dass wir keine Native Speaker seien und unser Kind deswegen überfordern würden. Wir würden ihr die Sprache falsch beibringen und ihr somit Steine in den Weg legen, was ihre Zukunft betrifft. Das sehe ich anders, denn: 
zum einen haben wir über ein Jahr in den Staaten gelebt, was dazu geführt hat, dass unsere Ausdrucksweise im Englischen relativ sicher ist. Natürlich hapert es an der ein oder anderen Stelle an der Eloquenz, doch auch nur, wenn es über den normalen Small Talk hinaus geht. Wir erwarten von unserem Kind nicht, dass sie sich in wenigen Jahren auf englisch über komplizierte Themen unterhalten muss. Wir erlegen ihr keinerlei Druck auf, die Sprache zu erlernen. Nein, nein, das wäre uns zu hoch gestochen. Wir wollen nur dafür sorgen, dass sie die Sprache versteht. Ob sie diese dann sprechen möchte oder nicht bleibt ihr überlassen, wir würden sie niemals dazu drängen oder sie zwingen. 
Das bringt mich schon zum nächsten Punkt: wir bringen ihr ganz einfache Basics bei, von denen wir nicht denken, dass sie sie überfordern. 

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist der, dass Moritz englisch studiert und die Sprache ziemlich gut kann, noch besser als ich. Daneben versuchen wir die Sprache auch in unseren Alltag zu integrieren. So lesen wir englische Artikel, schauen amerikanische Nachrichten, schreiben und telefonieren mit Freunden aus Amerika und wir schauen fast alle Serien auf englisch. Nicht oft, aber immer wieder mal kommt es durchaus vor, dass wir miteinander englisch sprechen. Ganz einfach der alten Zeiten wegen, weil wir es so vermissen. Und wenn wir mal wieder eine American Reunion mit all unseren Freunden haben, ist immer jemand dabei, der kein deutsch kann. Also gilt für alle: es wird nur englisch gesprochen. Pauline ist bei diesen besagten Reunions natürlich immer mit dabei und auch da wollen wir, dass sie uns verstehen kann und die Situation nicht beängstigend auf sie wirkt, nur weil plötzlich eine andere Sprache gesprochen wird.  

Wie wir unserem Kind englisch beibringen
Anfangs haben wir uns vorgenommen, dass einer von uns beiden ausschließlich deutsch mit ihr redet und der andere ausschließlich englisch. Das ging eine Zeit lang gut, doch wir wurden schnell inkonsequent und merkten, dass das für uns alle nicht die beste Lösung sei. Wir fühlten uns mit dem Weg einfach nicht wohl. Doch wir wollten nicht darauf verzichten, ihr die Sprache näher zu bringen. Also gehen wir nun wie folgt vor: wir lesen englische Kinderbücher mit ihr und wenn sie mal für wenige Minuten eine Serie schauen darf, so schaut sie diese nur auf englisch. Am Tag kommen wir so auf mindestens  5-20 Minuten in denen nur englisch gehört oder gesprochen wird. In diesem Zeitraum sprechen wir auch nur englisch mit ihr. Wenn sie uns also beispielsweise etwas im Buch zeigt oder über die Serie erzählt, antworten wir auf englisch. 
Bücher bieten sich auch prima dafür an, um einfache Fragen zu stellen, wie z.B. "Where is the dog?" oder "Can you show me Daddy Pig?". Wir halten die Sprache ganz einfach und stellen nur kurze Fragen, sodass sich keinerlei Fehler einschleichen können. 

Trägt unsere bilinguale Erziehung schon Früchte? 
Die Frage ist ziemlich leicht zu beantworten: JA! Pauline versteht schon einfache Konversationen auf englisch. Wenn wir sie etwas bezüglich des Inhalts im Buch fragen, bekommen wir fast immer eine richtige Antwort. Sie antwortet uns zwar überwiegend auf deutsch, doch unser Ziel ist es, dass sie die Sprache versteht. Früher oder später wird sie dann selbst entscheiden können, ob sie die Sprache auch sprechen möchte. Doch ich gehe ganz stark davon aus, dass sie zu Zeiten der Globalisierung kaum drum herum kommen wird.

In meiner Kindheit hatte ich nie das Gefühl, dass ich etwas lernen müsse oder dass ich überfordert sei, weil ich mit zwei Sprachen groß geworden bin. Ich kannte es ganz einfach nicht anders, sodass es für mich mehr als normal war. Ich denke, dass es Pauline ähnlich ergehen wird. Wir zwingen sie zu nichts, sondern sorgen lediglich dafür, dass sie jeden Tag ein paar englische Sätze hört. Nicht mehr und nicht weniger.
Für mich persönlich stellen Sprachen eine riesige Bereicherung dar. Ich spreche fließend deutsch und englisch, verstehe alles im russischen, kann mich mitteilen (wenn manchmal auch sehr gebrochen) und ich habe noch Grundkenntnisse im Französischen aus der Schule. Ich sag's euch, ich freue mich immer wie ein kleines Kind, wenn ich eine dieser Sprachen irgendwo höre und etwas verstehen kann.

Übrigens sagen wir Pauline jeden Abend "Gute Nacht" und sie erwidert uns "Nighty Night!".
Ziemlich süß, wie wir finden!

Wie steht ihr zu einer bilingualen Erziehung? Erzieht ihr euer Kind eventuell auch mehrsprachig?

xxx, B. 






Kommentare:

  1. Huhu :)
    Also ich finde es super, dass Ihr euren Kindern Englisch schon von Anfang an näher bringen wollt.
    Ich denke, es kann nur zum Vorteil sein wenn die kleinen so früh damit in Berührung kommen. Vor allem, da es bei euch so nahe liegt durch eure Amerika-Vergangenheit :)

    Übertrieben finde ich wenn Eltern ihre Babys-Kleinkinder in Englisch-Sprachkurse schicken und zu Hause wird aber nur Deutsch gesprochen ! Sowas finde ich Quatsch !

    Aber bei euch ist englisch einfach ein Teil des Alltages und somit ist es auch nicht überfordernd für das Paulikind �� Für sie ist das völlig normal das Mama und Papa zwischendurch eine andere Sprache sprechen :)

    Also macht weiter so, ihr macht das schon richtig ��

    Und ich wünsch euch alles Gute für euren kleinen Jungen und eure Zeit dann zu viert ����

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  2. Ach, ich finde es so toll wie ihr das macht.
    Ich wäre gerne schon als Kind mit der englischen Sprache in Berührung gekommen.
    Wie du sagst, es ist eine Weltsprache und diese zu verstehen und später vielleicht richtig zu beherrschen, schadet denke ich niemandem.
    Die Sache den Kleinen mit Büchern oder Serien beizubringen ist eine tolle Idee. Vor allem wieso überfordern? Deutsch können sie ja schließlich auch noch nicht wenn sie geboren werden. So wie ihr es macht, von Anfang an (peux a peux) ist das doch auch spielerisch und völlig vertretbar.

    Ich drück dich ❤
    Janina

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  3. Halli hallo :)

    Ich finde es auf jeden Fall nur von Vorteil, dass Pauline von klein an mit Englisch aufwächst. Inzwischen ist Englisch ja fast keine Fremdsprache mehr, sondern wird in vielen Berufsfeldern vorausgesetzt. So hat sie gleich von Beginn an die Sprache drauf und kann es später noch verbessern statt von null an zu lernen. Es wird auf jeden Fall zu ihren besten sein. Und ich denke eigentlich auch nicht, dass das Lernen von mehreren Sprachen ein geistig normal entwickeltes Kind überfordern würde. Gerade im Kindesalter sind sie ja so Lernfähig und saugen neue Informationen gerade zu auf. Und das Beherrschen von mehreren Sprachen macht meiner Meinung nach auch das Erlernen von neuen Sprachen deutlich einfacher. Das beste Beispiel kann ich zb von mir geben. Als ich damals in der Schule neben meinen Muttersprachen (Deutsch und Türkisch) noch Englisch, Latein und Spanisch lernen musste. Ich hatte zb wenn es mal darum ging eine neue Grammatikregel oder irgendeine Besonderheit im Satzbau zu lernen, immer ein Beispiel jeweils von einer anderen Sprache im Kopf und konnte es schneller verstehen und mir einprägen.
    Ich selber komme ursprünglich aus der Türkei und spreche auch fließend Türkisch. So ähnlich wie bei deiner Cousine habe ich es immer bei meinen Freunden gesehen, dass sie kaum Türkisch konnten und sich mit den Familienmitgleidern in der Türkei nicht unterhalten konnten. Ich fand es besonders traurig, dass die eine Freundin mit ihrer Oma nicht mehr reden konnte als ein "Hallo, wie geht's?"
    Ich selber würde daher, wenn ich Kinder habe, sehr wert darauf legen, dass sie auch Türkisch vernünftig verstehen und sprechen können. Wenn ich auch so gut Englisch sprechen könnte wie ihr, würde ich diesen Vorteil auch ausnutzen.

    Ich wünsche euch alles alles Gute und schicke euch ganz viel Küsschen und Herzchen ❤

    LG,
    Melisa

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  4. Ein total spannender Artikel! Ich selbst habe für ein knappes halbes Jahr in einem Internationalen Kindergarten gearbeitet und ich habe gemerkt, wie unglaublich leicht es den Kindern fällt nebenher eine neue Sprache zu lernen. Je jünger, desto besser. Und je besser das vom Elternhaus unterstützt wurde (Ja, es gab auch Familien die da nicht mitgemacht haben), desto fließender ging das! Ich finde das super das ihr das macht. Ich kannte es bisher tatsächlich nur, dass einer der beiden Elternteile jeweils eine Spache spricht. Euer Konzept klingt aber auf jeden Fall spannend und ich würde mich freuen, so in 4-5 Jahren mal zu lesen, wie es mit dem Englisch bei Pauline weiter gegangen ist! (:

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  5. Ich selber habe noch keine Kinder und bin nur einsprachig aufgewachsen! Dennoch finde ich es gut, wenn man zwei Sprachen sprechen kann diese auch an die Kinder weiter zu geben! Du hast den Artikel richtig gut geschrieben und ich finde es gut so wie ihr es macht zumal ihr ja auch viel mit den USA verbindet

    Lg

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  6. Ich stehe da total auf eurer Seite! Ich möchte Annabelle auch Bilingual erziehen. Ich finde um so früher sie damit anfängt, um so besser ist es für sie. In der Schule wird sie eh früher oder später damit konfrontiert werden, also warum dann nicht jetzt schon? In jungen Jahren lernen sie einfach schneller und sie wird später mal geringere Probleme im englischen besitzen. Wir besitzen bereits englische Bücher für die ganz kleinen und fangen auch schon damit an.

    Ihr macht einen großartigen Job und denkt voraus! ☺️����

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  7. Ich finde das total Prima. Mein Freund und ich haben das Gleiche vor mit unseren Kindern. Da ich selbst auch Lehramt studiere (auch Englisch) und mein Freund ebenfalls fliessend Englisch spricht, stand das für uns sehr früh fest.
    Durch einen meiner Professoren bin ich auch auf ein interessantes Buch gestossen, welches dieses Vorhaben unterstützt und hilfreiche Tipps gibt. Allerdings habe ich ebenfalls bedenken, dass wir es wie ihr auch nicht durchhalten konsequent zu sein, d.h. einer auf deutsch der andere auf englisch.
    Deshalb bin ich gerade froh mal von jemandem zu lesen, wie sie es handhaben. Ich denke, auch wenn es nicht viel Englisch am Tag erscheint für uns mit 5-20 Minuten am Tag, so bringt es für Kinder unheimlich viel :)

    Liebe Grüsse,
    Sabrina

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  8. Hey Bini, ich folge dir bei Instagram und finde den Bericht hier oben klasse. Ich finde es super, wie ihr es mit Pauline handhabt und denke nicht, dass ihr sie überfordert oder es negativ für sie sein kann. Ich finde es sogar richtig cool, wenn so kleine Kids schon englisch können und denke, es wird ihr später auch helfen. :) WEITER SO!

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