♢ Fluch und Segen zugleich ♢♢ Studieren mit Kind ♢


Ich liebe es Mutter zu sein. Doch darüber hinaus bin ich so vieles mehr: ich bin Tochter, Freundin und Schwester. Ich bin Ehefrau und ich bin ich selbst. Bini. Zu guter letzt bin ich auch noch Studentin. Das sogar ziemlich gern. Dennoch ist das Studium manchmal eine ziemliche Herausforderung. Eine regelrechte Zerreißprobe. Eine studierende Mama zu sein, ist Fluch und Segen zugleich. 

Mein Studium - ein Segen!
Ich bin so oft dankbar dafür, dass ich Studentin bin. Dafür, dass ich neben meiner Familie noch etwas eigenes habe, etwas für mich. Etwas das meinen Horizont erweitert, mich intellektuell fordert und mich voran bringt. 
Ich bin mit ganzem Herzen Mama und habe darin meine Erfüllung gefunden. Ganz ehrlich. Doch Hand aufs Herz: jedem von uns tut ein wenig Zeit für sich gut, auch mal ohne die Familie. Während das Studium für mich zu Anfang eine einzige Pflicht dargestellt hat, ist es nun mein Ausgleich zum Familienleben. Wenn ich in die Universität fahre, geht es nur um mich. Ich habe Zeit meine Gedanken zu sammeln, etwas Abstand zu gewinnen und kann so alles aus einer anderen Perspektive betrachten. Die Gedanken sind einfach freier, als mit Kleinkind in der Nähe. 
Ein weiterer wichtiger Aspekt: ich nehme das Studium viel ernster, als zuvor. Ich lausche dem Gesagten der Dozenten und Professoren viel aufmerksamer, als noch zu kinderlosen Zeiten. Ich sauge alles in mir auf, wie ein Schwamm. Neben dem Gesinge, Geklatsche und dem Toben zu Hause genieße ich die (Heraus-)Forderung für den Kopf. Natürlich sind auch mal Seminare dabei, die thematisch nicht ganz so interessant sind, wie andere. Doch da kommen wir schon zum nächsten Punkt, der mich unfassbar glücklich macht an meiner Studiensituation. Ich studiere mein Zweitfach Deutsch nicht alleine, sondern mit meiner wundervollen Freundin Janina vom Blog Walking on tiptoes. Wir haben uns mehr oder weniger über Instagram kennengelernt und im letzten Semester zufällig das selbe Seminar belegt. Wir stellten schnell fest, dass uns vieles verbindet: wir sind jung Mütter geworden, haben Kinder im gleichen Alter, studieren beide auf Lehramt und sind nun beide das zweite Mal schwanger. Wir versuchen also möglichst viele Kurse zusammen zu belegen, damit wir uns in Hinblick auf die Universität gegenseitig unterstützen können und damit wir Zeit zusammen verbringen können. Aber das Schönste: nach jedem gemeinsamen Seminar verbringen wir noch eine gemeinsame Stunde. Wir gönnen uns ein Eis, reden über alles mögliche und genießen die Freundinnen-Zeit. Das ist für mich ein richtiges Privileg. Eine Freundin zu haben, mit der ich gemeinsam studiere und deren Leben ziemlich viele Parallelen zu meinem aufweist.
Aus einer Instagrambekanntschaft wurde durch die Uni eine richtige Freundschaft. Bei ihr weiß ich, dass sie mich versteht. Ganz einfach weil es ihr so oft genau so ergeht wie mir. Bei ihr kann ich all den Frust ablassen, der sich angestaut hat. Schlaflose Nächte, lästige Zähne oder Uni-Aufgaben. Und genau so freut sie sich mit mir, wenn ich ihr von den schönen Dingen erzähle. Paulis Fortschritte, Uni-Erfolge oder neue Errungenschaften. Ja, es gibt wohl kaum jemanden, der mich so gut verstehen kann, wie sie. Schon ganz bald geht es für uns sogar zusammen in den Urlaub. Wir packen die Kinder, die Männer und unsere Kugeln ein und fahren für einige Tage an die Ostsee. 
Verrückt was eine App und die Uni so für Auswirkungen haben können. 
Aber nun bin ich ein wenig abgeschweift. Ein weiterer Vorteil des Studiums während der Familienzeit: ich bin flexibel. Ich bin mein eigener Chef. Ich gebe das Tempo vor. Keine geregelten Arbeitszeiten sondern ich entscheide, wie viel Zeit ich mit meiner Familie verbringe. Diesen Luxus werde ich wohl nie wieder im Leben haben.

Mein Studium - auch ein Fluch! 
Neben all den schönen Seiten des Studiums gibt es jedoch auch Schattenseiten. Jeder Student weiß, wie anstrengend die Prüfungsphase ist. Jede/r Student/in, der/die Kinder hat, weiß, dass die Prüfungsphase mit Kind noch anstrengender und manchmal nicht planbar ist. Das Kind wird eben nicht nach Plan krank und auch die Zähne halten sich nicht an den Prüfungskalender. Ja manchmal scheint es wie ein Fluch und es kommt alles auf einmal. Immer genau dann, wenn man es eigentlich so gar nicht haben kann. Man gerät in Verzug und manchmal da schafft man das vorgenommene Pensum einfach nicht, weil die Familie und die Kinder an erster Stelle stehen. Und dennoch wurmt es mich. Der innerliche Druck, etwas leisten zu müssen, es aber nicht zu schaffen, bringt mich manchmal um den Schlaf. 
Des Weiteren hat man als Student nie wirklich Feierabend. Mir ist bewusst, dass ich viel mehr Freizeit habe, als die meisten Arbeitnehmer, doch dafür habe ich auch den stetigen Begleiter des schlechten Gewissens in meinem Kopf, der mich daran erinnert, was ich noch alles zu tun habe. Was ich noch lernen und leisten muss. Mit Kind und Familie ist das jedoch leider nicht immer so möglich, wie ich das gerne hätte. Man ist im Zwiespalt zwischen Familie und Studium. Dabei entscheide ich mich immer für die Familie. Denn ich finde: das Studium kann warten, mein Kind nicht. Mein Studium könnte ich auch in 4 Jahren noch fortführen, doch Pauline wird nur einmal so klein sein. Sie wird nur einmal ein Kind sein. Und obwohl sie in diesem Jahr erst zwei wird, so weiß ich, dass die Kindheit rasend schnell vorbei ist. Das will ich nicht verpasst haben, nur um mein Studium schneller hinter mich zu bringen. Das würde ich mir später nicht verzeihen. 
Tja und dann gibt es auch noch die Fächer und Themen, die mir einfach überhaupt nicht liegen. Fächer an denen ich verzweifle, vor dessen Aufgaben ich teilweise tränenüberflossen sitze und Moritz erzähle, dass ich das nicht schaffen werde. Fächer, die mich an meine Grenzen bringen und mich daran zweifeln lassen, weiter zu studieren. Fächer, wegen der ich mein Studium verfluche. Aber manchmal muss man eben viel Arbeit und Fleiß in etwas investieren, um es zu meistern. Letztendlich bin  ich dann immer ein wenig stolz auf mich selbst, wenn ich meine "Problemfächer" doch gemeistert habe. 

Jede Medaille hat zwei Seite, auch das Studieren mit Kind. Und dennoch weiß ich, dass ich diese Hürde irgendwann erfolgreich meistern werde. Daran habe ich keinen Zweifel. Nicht einen einzigen. 
Bis dahin versuche ich die Schattenseiten im Zaum zu halten und mich auf die vielen Vorteile des Studiums zu konzentrieren.

Wie ergeht es euch im Studium mit Kind? 

xxx, B. 

Kommentare:

  1. Liebe Bini, ich hatte schon länger vor, mal ein Kommentar zu hinterlassen - nun schaffe ich es endlich. :-) Auch ich bin Studentin mit Kind und zufällig auf deinen Blog gestoßen. Ich finde es wirklich spannend deine Beiträge zu lesen und kann viele Situationen mit einer bereits zweijährigen Tochter und dem "Unistress" total nachvollziehen! Auch die Geburtserlebnisse kann ich mit dir teilen, denn auch ich hatte eine BEL mit Kaiserschnitt. Es ist einfach schön zu lesen, dass es eben irgendwo da draußen auch Menschen gibt, mit denen man so viele Gemeinsamkeiten hat und es trotz großer Herausforderungen toll meistern kann :-) Darauf kann man sehr stolz sein. Auch ich plane ein zweites Kind noch während des Studiums und bin daher sehr gespannt auf die nächsten Beiträge von dir! Ganz lieben Gruß, Katrin

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    1. Liebe Katrin,
      manchmal ist es schon verrückt, wie viele Parallelen man im Leben anderer finden kann. Ich freue mich immer wieder zu hören, dass es auch andere studierende Eltern gibt! Das Thema möchte ich hier künftig noch mehr thematisieren, weil es mir einfach unglaublich wichtig ist, anderen zu zeigen, dass es möglich ist mit Kind zu studieren!
      Ich denke, dass es da draußen so viele junge Paare gibt, die einen Kinderwunsch haben, sich im Studium jedoch einfach nicht trauen.

      Viele Grüße,
      Bini

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