♢Mutterwerden und Muttersein ♢ ♢ Damals und heute ♢


Das Leben ist ein erstaunliches Phänomen. Man hat Vorstellungen davon, wie etwas sein soll. Doch wenn dieses etwas dann da ist, weicht die Realität oft doch komplett von unseren Vorstellungen ab. 
So hatte natürlich auch ich damals ganz bestimmte Vorstellungen davon, wie mein Leben als Mutter, unser Leben als Eltern, sein würde. Zwei Jahre später bin ich nicht nur reifer, sondern auch schlauer geworden. 

Mamawerden
Das Mamawerden unterscheidet sich für mich ganz stark vom Mamasein. Zumindest, wenn es darum geht, dass Frau das erste Mal Mutter wird. 
Man schwebt in einem Zustand der Unwissenheit. So vieles konnte nicht gewusst werden, bevor es nicht erlebt wurde. So vieles musste erst erlebt werden, um erfahren zu sein. Zeit musste vergehen, um Unsicherheiten abzulegen und dem eigenen Bauchgefühl zu vertrauen. So vieles schien ein riesiges Mysterium zu sein, dass man erst lösen musste. 
Ja, das Mama werden war trotz allem schön. Alles war neu, alles war aufregend und alles drehte sich plötzlich um einen neuen Mittelpunkt. Unseren Mittelpunkt, Pauline. Das wiederum war gar nicht so leicht, wie ich dachte. Man muss sich in gewisser Weise verabschieden. Von seinem Leben, wie man es vorher kannte, von der Sorglosigkeit und von dem eigenen Ich. Natürlich bleibt man im Grunde die gleiche Person, doch mit der Geburt des ersten Kindes geht ein Stück von uns fort und macht Platz für die neue Mutterrolle. Damals wollte ich es mir nicht eingestehen, doch das war ganz und gar nicht leicht für mich. So sehr ich mein Kind auch liebte, so groß war die Umstellung manchmal für mich. Für uns. Manchmal schien sie sogar zu groß und ich sehnte mich nach dem Leben, wie es vorher war. Nach der Zweisamkeit, die es nun nicht mehr gab. Nach ruhigen und langen Nächten. Nach spontanen Treffen mit Freunden. Nach ein bisschen Zeit für mich. Nur für mich.
Oft hatte ich das Gefühl, dass ich nicht wusste, was ich tat. Mein Kind brauchte mich und ich versuchte, so gut ich konnte, für es da zu sein. Doch am liebsten wären mir klare Anweisungen einer mir nicht bekannten Frau gewesen, die mich anleiten würde, richtig mit meinem Kind umzugehen. Zu groß war meine Angst, meine Sorge, dass ICH etwas falsch machen könnte und mein Kind deswegen leiden müsste. Wenn ich ehrlich zu mir selbst bin, erfüllte mich die Mutterrolle nicht. Ich habe sehr lange gebraucht, um anzukommen. Bis dahin wandelte ich in einem Zustand zwischen Funktionieren und depressiven Gedanken. War P. beispielsweise mal krank oder brauchte besonders viel Nähe und Aufmerksamkeit, schlug meine Laune schnell um. Ich fühlte mich kontrolliert. Kontrolliert von einem anderen Menschen. Gegenwehr? Nicht denkbar, denn dieses Kind braucht mich, es braucht seine Mama. Ja, mir fiel es nicht einfach, mich der Mutterrolle hinzugeben und völlig selbstlos zu handeln. Ich tat es, doch in meinem Kopf gefiel es mir nicht. Es war mehr Zwang, als die Erfüllung, die ich mir erwünscht habe.
Doch irgendwann, ich weiß gar nicht genau, wann das gewesen ist, da kam ein Turn. Da hat es Klick gemacht. Der Schalter wurde umgelegt und seitdem möchte ich am liebsten nur noch Mama sein. 

Mamasein
Während ich früher alles 10 Mal überdenken musste, bevor ich handelte, handle ich heute aus dem Bauch heraus. Ich muss keine schlauen Bücher durchblättern oder Mr. Google fragen, was mein Kind haben könnte oder was es braucht. Ich weiß es einfach und tue das, wovon ich denke, dass es das beste für mein Kind ist. Ich lasse mir nicht mehr von anderen ins Gewissen reden, suche mir nicht verunsichert tausende Rastschläge, die mich danach noch verwirrter zurücklassen, als zuvor. Nein, ich stehe Morgens auf und mache alles in bester Absicht für meine Tochter. Und das wichtigste: ich tue es gern. Für niemanden auf dieser Welt würde ich all das lieber tun, als für sie. Für niemanden sonst würde ich auf meinen ach so geliebten Schlaf verzichten. Ich schwebe nicht mehr in dem Zustand der Unwissenheit. Ich bin angelangt. Bei mir, bei meiner Tochter, bei unserem Familienleben. Bei meinem Job der Mutter. Natürlich gibt es Tage, an denen ich mir am liebsten die Haare raufen würde. Die wird es auch immer geben. Doch diese Tage gibt es nun seltener, als noch vor einem Jahr. Woran das liegt? Mit jeder Herausforderung, mit jedem Schnupfen, jedem wunden Po, jeder anstrengenden Phase des Kindes wächst unsere Belastbarkeit. Ja, ich würde behaupten, dass die Grenzen unserer Belastbarkeit sich verschieben. Der Weg dorthin mag schwer sein, doch er ist so lohnenswert. Denn mit dem verschieben dieser Grenze entsteht plötzlich ganz viel Raum für das schöne am Leben. Kindergelächter kann bewusst genossen werden. Mit Rückschlagen kann besser umgegangen werden, ja manchmal prallen sie regelrecht an mir ab, obwohl sie damals wohl ein tagelanges Gesicht bedeutet hätten. Durch das verschieben dieser Grenzen ist mein Leben schöner geworden. Freude und Glück geprägter. Spielen mit meinem Kind ist keine Last oder Pflicht mehr, nein im Gegenteil. Es erfüllt mich mit so viel Liebe und Stolz sie dabei zu beobachten, wie wunderbar herrlich sie spielt. Ich bin dankbar, dass ich so viel Zeit mit meinem Kind verbringen kann und dass ich sie beim Großwerden begleiten darf. 
Ich möchte gar nicht behaupten, dass ich eine rundum perfekte Mutter bin, denn so ist das nicht. Aber was ich mit all dem sagen möchte, ist, dass es Zeit braucht, um Mutter zu sein. Es braucht Zeit, bis man weiß, wie man etwas richtig tut. Bis man weiß, wie das Muttersein funktioniert. Und natürlich gibt es auch noch jetzt Unsicherheiten, doch diesen begegne ich heute ganz anders, als damals. Ich weiß, wo die Schwächen meiner Erziehung liegen, aber ich weiß auch meine, unsere Stärken. 
Erst kürzlich schauten Moritz und ich eine Sendung, in der man junge Eltern mit ihrem ersten Kind zeigte. Und auch er sagte mir, dass er es unglaublich finden würde, wie wir uns entwickelt haben. Während wir damals schon mit einem kleinen Schnupfen überfordert waren, sind wir heute erfahrene Eltern und uns unserer Aufgabe sicher. 
Wir sind angekommen und könnten uns ein Leben ohne unseren kleinen Wirbelwind nicht mehr vorstellen. 

Wie es wohl beim zweiten Kind sein wird, wieder Mutter zu werden? Ich denke, durch vieles, was Pauline uns gelehrt hat, wird uns auch vieles wesentlich einfacher fallen, als es beim ersten Kind der Fall war. Wir sind geübter, erfahrener und angekommen. 
Angekommen im turbulenten, niemals langweiligen Familienleben, welches wir so sehr lieben. 

Und du, die nun vielleicht noch nicht angekommen bist in ihrer Mutterrolle, lass dir gesagt sein: der Turn wird kommen. Der Schalter wird sich legen und du wist in dieser Aufgabe aufgehen. Da bin ich mir ganz sicher. 

Ja wisst ihr, manchmal ist man nicht sofort die Mama, die man sein möchte, wenn das Kind geboren wird. Manchmal ist es auch ein Weg. Ein Weg zum Mutterwerden. 

xxx, B.






1 Kommentar:

  1. Liebste Bini,

    du hast so Recht mit deinen Worten. ❤
    Ganz toll geschrieben!

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