♢Von der eigenen Sturheit und emotionaler Unfähigkeit ♢♢ Ich will mich bessern ♢


Ich sitze hier und weiß schon jetzt, dass es mir ganz und gar nicht einfach fallen wird, diese Zeilen zu tippen. Denn ich muss mir selbst eingestehen, dass mein Handeln in Bezug auf meine Familie oft nicht richtig, ja sogar regelrecht unfair war. Leider sind es oft die traurigen Schicksalsschläge, die uns bewusst machen, dass wir uns mit diesen Gedanken, mit unseren Fehlern auseinandersetzten müssen.

Mich erreichen über Instagram und E-Mails so viele liebe Nachrichten von Lesern, die mir sagen, wie sympathisch und authentisch sie mich finden. Die mir sagen, dass sie bewundern, wie wir unser Leben mit Kind meistern. Die mir einfach so viele liebe Worte entgegen bringen, dass ich mich manchmal schon schlecht fühle.
Natürlich versuche ich authentisch zu sein und der Öffentlichkeit nur meine liebe und nette Seite zu zeigen. Negativ auffallen wollen wohl die Wenigsten. Doch auch ich habe eine Seite an mir, auf die ich nicht Stolz bin. Eine Seite, die nicht nur mir Missfällt, sondern anderen Menschen oft Unrecht tut und ihre Gefühle verletzt. Menschen die mir nahe stehen. Menschen, die meine Familie sind.
Und mit dieser Familie meine ich nicht Moritz und Pauline. Ich meine den anderen Teil meiner Familie. Die Familie, die mich großgezogen und mir den Weg gewiesen hat.

Ja wisst ihr, am vergangenen Wochenende hatte meine Oma einen Schlaganfall. Wir fuhren zu ihr ins Krankenhaus und ich sah sie da in ihrem Bett liegen. Es ging ihr den Umständen entsprechend gut, aber dennoch sieht man und merkt man ihr den Schlaganfall an. Ihre linke Gesichtshälfte ist gelähmt, hängt schlaff hinunter und wenn sie redet, ja dann merkt man es ihr an. Es ist irgendwie anders, als zuvor. Beängstigender, sorgenvoller. Und anstatt in dieser Situation sensibel und angemessen zu reagieren, mache ich ihr Vorwürfe, weswegen sie sich so überarbeiten muss. Weswegen sie sich so für andere kaputt arbeitet, während diese Menschen all' ihre Bemühungen nicht einmal im Ansatz zu schätzen wissen. Natürlich meine ich es nur gut, dennoch war mein Verhalten in diesem Moment unangemessen. Es ändert nichts an ihrem Gesundheitszustand. Es ändert nichts daran, wie es nun einmal ist und durch meine blöden Vorwürfe, geht's ihr mit Sicherheit auch nicht besser, im Gegenteil. Ich beruhigte mich innerlich noch vor Ort, schrieb ihr unsere Telefonnummer auf und sagte ihr, sie solle sich bitte jederzeit melden, wenn sie etwas brauchen würde.
Sie so zu sehen hat unglaublich wehgetan und es macht bewusst, dass alles vergänglich ist, die Gesundheit und auch das Leben.
Beim erneuten Lesen dieses Absatzes ist mir aufgefallen, wie harmlos die geschilderte Situation wirkt. In der Realität ist es das nicht, nein. Es ist wirklich nicht schön mit anzusehen, wie ich mit meiner Familie rede. Und nicht selten erhalte ich dabei von Moritz einen Stoß in die Rippen. Zurecht!

Wenn es um meine Familie, also meine Eltern und meine Großeltern geht, bin ich emotional wirklich unfähig. Ich kann kein Mitgefühl zeigen, bin oft überheblich und schaue ihnen beim Reden teilweise nicht einmal in die Augen. Ich beantworte ihre Fragen immer kurz und prägnant, lasse mich nicht auf Gespräche ein und fahre schnell aus der Haut, wenn auch nur der kleinste Hauch von Kritik kommt. Ich erwarte Hilfe, wenn ich sie benötige und bin im Gegenzug unglaublich genervt, wenn ich um Hilfe gebeten werde. Ich bin einfach überhaupt nicht nahbar für meine Familie. So gar nicht.
Das alles hat Gründe. Sie alle liegen jedoch in der Vergangenheit. Und dennoch haben diese Gründe mich so sehr geprägt, dass sie mich oft zu einem schlechten Menschen machen. Einen Menschen, den ich so überhaupt nicht leiden kann. Den ich am liebsten sofort weg sperren würde, wenn ich nur könnte. Denn auch wenn es diese Gründe für mein Verhalten gab , so gibt es mindestens genau so viele Gründe, nein viel mehr Gründe, ihnen dankbar zu sein und ihnen auch so zu begegnen. Kulturunterschiede hin oder her, sie alle waren immer für mich da. Haben mich aufgefangen, wenn ich nicht mehr weiter wusste. Haben mir den Weg gewiesen. Mir gezeigt, was wichtig ist im Leben. Haben mich Nachts um 3 Uhr irgendwo auf dem Dorf abgeholt. Und haben mir das Auto freigekratzt, damit ich am frühen Morgen nicht hinaus in die Kälte musste. Sie helfen uns enorm mit Pauline und lieben dieses kleine Wunderwesen mindestens genau so doll wie wir. Sie freuen sich alle auf das zweite Enkelkind, beziehungsweise Urenkelkind. Es gibt so vieles das die unschöneren Erinnerungen wieder aufwiegt.

Das wirklich traurige daran ist, dass ich meine Gefühle so oft mit mir wildfremden Menschen teilen kann - über den Blog oder Instagram -, aber wenn ich vor meiner Familie stehe, dann kann ich meine Emotionen nicht zeigen. Ja selbst wenn ich innerlich vor Liebe platzen könnte, so stehe ich vor ihnen und mache einen eher neutral, gelangweilten Eindruck. Dabei liegen mir so viele Worte auf den Lippen. So vieles wurde nicht gesagt, gutes wie auch schmerzhaftes, das alles trage ich seit Jahren in mir. Das alles belastet mich und führt dazu, dass das miteinander Reden nur schwieriger wird.
Reden war nie die Stärke meiner Familie, vielleicht fällt es mir ihnen gegenüber deswegen so schwer meine Gefühlswelt mit ihnen zu teilen. Vielleicht lege ich bei meiner eigenen kleinen Familie auch deswegen so viel Wert darauf, dass wir miteinander reden. Über alles. Probleme, Gefühle, schöne Erlebnisse und schlechte Erlebnisse.
Doch wisst ihr, angesichts der Tatsache, dass meine Oma, die so vieles für uns getan hat und die ich so sehr liebe, dem Tod in die Augen gesehen hat, frage ich mich, wie viel Zeit mir noch bleibt, um zu reden. Um Gutes zu tun. Um zu helfen. Um zurückzugeben. Wir wissen nie, wie viel Zeit uns mit den wichtigen Menschen bleibt. Wirklich nie.

Deswegen sollten wir über unseren eigenen Schatten springen, unsere wirklich dumme Sturheit hinter uns lassen und Emotionen und Menschlichkeit zeigen. Insbesondere den Menschen gegenüber, die es am meisten verdienen. Ja, daran will ich arbeiten. Meiner Familie zuliebe.

xxx, B.

Kommentare:

  1. Danke für diese ehrlichen Worte! Ich finde mich (leider) eins zu eins wieder...und ich arbeite auch daran. Aber es ist sehr schwer...
    Liebe Grüße!

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  2. Liebe Bini,

    Ich kann dich (leider) viel zu gut verstehen! Danke für deine ehrlichen Worte! Es hilft, zu wissen, dass es anderen ähnlich geht! Liebe Grüße Franzi

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