♢ Eine Herausforderung für jede Beziehung ♢♢ Babys erstes Jahr ♢


Das erste Jahr mit dem Nachwuchs habe ich mir damals, als das Pauli-Kind noch im Bauch war, an so einigen Stellen ganz anders vorgestellt, als es dann tatsächlich war. Generell habe ich es mir viel leichter und entspannter vorgestellt. Ha, das ich nicht lache. Am Ende einiger Tage konnte ich gar nicht anders, als vor Verzweiflung zu weinen. Auch was die Beziehung, unsere Partnerschaft angeht, habe ich es mir ganz anders vorgestellt {erhofft}..

Ach was waren wir noch jung und verliebt, wenn ich an den Moment zurückdenke, an dem wir gesagt haben: wir wollen es wagen. Wir wagen den Schritt in Richtung Familienplanung, den Schritt, der uns zu unserer Pauline gebracht hat. Klar gab es damals auch einige Reibereien, doch wir waren glücklich und uns sicher, dass diese Beziehung endgültig sei. Wir lebten schon vor Pauline ein recht familiäres Leben: wir besuchten unsere Eltern oft, meine kleinen Brüder verbrachten viele Wochenenden bei uns und jeden Freitag Abend saßen wir in Jogginghose und lässigem T-Shirt auf dem Sofa und schauten Filme oder Serien. Wir wussten, dass uns zu unserem absoluten Glück nur noch eine eigene Familie fehlen würde. 

Meine Vorstellung einer Partnerschaft mit Kind
Ehrlich gesagt, habe ich vor und während der Schwangerschaft gar nicht viel darüber nachgedacht, wie sich die Beziehung ändern könnte. Mir war nicht einmal bewusst, dass sie sich ändern würde. Alles würde sein wie früher, nur dass wir nun ein Kind bei uns haben würden. Und dieses Kind würde uns noch näher bringen, noch näher aneinander schweißen, so dachte ich. 
Ja dieses Kind wäre das Sahnehäubchen unserer Beziehung. Doch irgendwie war das Gegenteil der Fall. 

Das erste Jahr der Partnerschaft mit Kind
Schon in der ersten Nacht im Krankenhaus hätte ich ahnen müssen, was auf uns zukommen würde. Ich habe quasi die ganze Nacht kein Auge zu bekommen. Viel zu groß war meine Sorge um das Kind. Zu groß die Sorge, dass etwas passieren könnte und ich es einfach verschlafe. Sie war nur wenige Stunden alt und dennoch nahm sie plötzlich meine ganze Aufmerksamkeit in Anspruch. Zu Hause war das natürlich nicht anders. Rund um die Uhr hatte ich nur Augen für das Kind, aber nicht für Moritz. Er bemühte sich so sehr, mir alles recht zu machen, mir jedes bisschen Arbeit abzunehmen, damit ich entspannen konnte. Doch alles wäre nicht genug gewesen. Ich machte ihm Vorwürfe an stellen, die so ganz und gar nicht berechtigt waren, beim Stillen beispielsweise. Dabei war er es, der über Wochen jedes Mal mit mir wach wurde und mir in der Anfangszeit die Sicherheit gab, dass ich alles richtig machen würde. Acht Wochen nach der Geburt ging die Uni wieder los für mich und Moritz blieb mit Pauline zu Hause. Ich wollte es eben allen beweisen: ich schaffe das alles mit links. Was oder wen ich dabei total aus den Augen verlor, war Moritz. All meinen Frust projizierte ich auf ihn. All meine Erfolge schrieb ich nur mir zu, obwohl ich sie zum größten Teil nur ihm zu verdanken hatte. Weil er mit Pauline zu Hause war, damit ich weitermachen konnte. 
All das führte früher oder später natürlich dazu, dass er sich zurückzog. Dass wir weniger miteinander sprachen, nichts miteinander teilten, unsere Zeit nicht mehr zu zweit, sondern nur noch jeweils für sich verbrachten. Unsere Beziehung war quasi tot, nicht existent. Wir hatten ein gemeinsames Kind, das wir gemeinsam groß zogen. Doch ein Wir gab es ganz schnell und für ziemlich lange Zeit nicht mehr. 
Inmitten dieser Krise planten wir unsere Hochzeit, die erneut ein Keil zwischen uns trieb. Zu unterschiedlich waren unsere Vorstellungen an gewissen Stellen: die Finanzen, die Umsetzung des ganzen und dazwischen auch noch das Studium und Pauline. Zu diesem Zeitpunkt haben wir wohl beide insgeheim darüber nachgedacht, wie sich eine Trennung auswirken würde. Ob das für alle Beteiligten nicht die bessere Lösung sei. Immer wieder suchten wir das Gespräch {allen voran Moritz}, weil wir uns nicht einfach aufgeben wollten. Nach diesen Gesprächen lief es für kurze Zeit besser, doch wir verfielen schnell in alte Gewohnheiten, die uns schlussendlich wieder streiten oder gar nicht miteinander reden ließen. Wir machten kurzerhand einen Urlaub, um dem Alltagsstress zu entfliehen und fernab von zu Hause nochmal die Gedanken sortieren zu können.
Schließlich kam der Tag, an dem wir heirateten. Und er war schön, wunderschön sogar. Natürlich hatten wir bis dort hin auch schöne Momente, die wir erlebt haben. Doch überwiegend waren wir beide wohl mit der Situation nicht zufrieden, nicht glücklich. Dennoch entschieden wir uns beim Standesamt für uns. Für unsere Liebe, unsere kleine Familie, an die wir so sehr glaubten. 
Und wisst ihr was? Ich habe diesen Mann nicht ohne Grund geheiratet, nein. Ich habe ihn geheiratet, weil ich ihn liebe und weil ich wusste, dass wir uns auch nach schlechten Zeiten wieder aufraffen können und zueinander finden. Schließlich war es nicht das erste Tief, da waren schon andere die wir erfolgreich gemeistert haben. 

Wie findet man wieder zueinander? 
Das ist allgemein wohl ziemlich individuell und abhängig von den Partnern. Doch grundsätzlich gilt natürlich: reden, reden, reden. Miteinander reden, ohne Vorwürfe. Jeder kann seinen Standpunkt, seine Misslage erklären, doch man sollte möglichst vermeiden, dem anderen daran die Schuld zu geben. Ich habe Moritz oft meine Gefühle erklärt und musste natürlich auch einsehen, dass ich zu oft irrational böse auf ihn war. Er wiederum hat mir seine Lage erklärt und mir versucht zu schildern, was ihm wichtig sei und woran wir arbeiten müssen. Das Ganze war nach einem Gespräch natürlich nicht gegessen, doch wir haben das Gespräch immer und immer wieder gesucht. Irgendwann fingen wir an, uns Abends zu verabreden, wenn Pauline es zuließ. Wir gingen zwar nicht aus, doch wir machten uns etwas feines zu essen, schauten gemeinsam einen Film und redeten viel. Wir aßen, wir kuschelten, wir verbrachten wieder Zeit zu zweit.
Und mit jedem Gespräch und jedem Abend, den wir gemeinsam verbrachten, wurde es ein Stückchen besser, jedes Mal ging es ein bisschen weiter Bergauf.
Man muss versuchen die Situation aus der Perspektive des andere zu betrachten. Sich in ihn hineinversetzten, um verstehen zu können, was in ihm vorgeht. 

Und heute? Heute könnte ich glücklicher nicht sein, ihn an meiner Seite zu haben, ihn den Vater meiner Kinder nennen zu können. Ja heute sind wir wieder an einem Punkt, an dem wir glücklich sind. Glücklich miteinander, glücklich mit uns und unserer wachsenden Familie. Natürlich habe ich auch Angst vor dem nächsten ersten Babyjahr, doch anders als damals, sind wir nun um viele Erfahrungen reicher und gehen schon jetzt vieles anders an. Machen andere Pläne, um keine Fehler zu wiederholen. Dabei werden uns sicherlich neue Fehler unterlaufen, doch auch das gehört zum Leben dazu. Letztendlich ist nur wichtig, dass wir wissen, was wir aneinander haben und dass wir jedes Tief gemeinsam besiegen können. Egal wie groß die Krise zu sein scheint, es gibt immer einen Weg hinaus.

xxx, B.
Einige Impressionen aus unserer Zeit in den USA {2011/2012}








Und heute: glücklich verheiratet 





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