♢ Mein Wunsch für das Wochenbett 2.0 ♢♢ Diesmal wird alles besser ♢

Wenn ich an das erste Wochenbett denke, empfinde ich ambivalente Gefühle. Alles war so neu, so schön und so aufregend. Dieser kleine Mensch, auf den wir uns so sehr gefreut hatten, war endlich da. Endlich in unseren Armen. Doch leider war es nicht nur schön und rosig, wie man sich die Wochenbett-Zeit so vorstellt, wenn man das erste Mal Mutter wird. Selbstzweifel und Verunsicherung haben mir damals die Magie dieser Zeit geraubt.

Ich ließ es auf mich zukommen 
Ich muss gestehen, dass ich mich während meiner ersten Schwangerschaft so gut wie gar nicht mit dem Wochenbett auseinandergesetzt habe. Für mich war klar, dass unser Leben ganz genau so weitergehen würde, wie bisher auch. Nur eben mit einem Baby auf dem Arm. Ich würde alles ganz locker gewuppt bekommen: das Muttersein, mein Studium, 10 Stunden Arbeit pro Woche, Haushalt und Partnerschaft. Dessen war ich mir sicher. Mit dem Wissen von heute kann ich über meine damalige Naivität nur lachen. Wunderbar, wie herrlich einfach ich mir das alles vorgestellt habe. 
Diese Naivität führte letztendlich auch dazu, dass ich das Wochenbett gar nicht als solches Wahrgenommen habe. Anstatt mich von den Strapazen der Schwangerschaft und der Geburt zu erholen, anstatt nur für mein Baby da zu sein und an unserer Bindung zu arbeiten, wollte ich mir und dem Rest der Welt beweisen, dass ich alles kann. Auch mit Baby. 
Schon auf dem Heimweg aus dem Krankenhaus wollte ich unbedingt einen Stopp beim Supermarkt einlegen, um das nötigste für den Kühlschrank einzukaufen. Moritz redete auf mich ein, sagte mir, dass er mich lieber erstmal nach Hause bringen würde, ich eine Liste schreiben könne und er dann alleine einkaufen würde. Das kam für mich jedoch nicht in Frage. Zum einen ängstigte mich die Vorstellung, ganz alleine zu Hause zu sein mit diesem kleinen Bündel Liebe. Ich war noch dermaßen verunsichert, dass ich mir das nicht zugetraut habe. Zum anderen wollte ich mir schon jetzt beweisen, dass ich das kann. Dass sich nicht viel geändert hat. Dass alles noch so ist wie früher, nur mit einem Kind an unserer Seite. 
Zu Hause angekommen konzentrierte ich mich natürlich nur auf Pauline. Wir kuschelten, ich legte sie mir immer wieder auf meinen Oberkörper und bestaunte alles an ihrem noch so kleinen Körper. Wir übten das Stillen und von Tag zu Tag wurde ich stabiler auf den Beinen. Fünf Tage nach dem Kaiserschnitt wollte ich unbedingt an die frische Luft. Ich wollte Pauline das erste Mal im Kinderwagen ausführen, ich wollte etwas anderen sehen als unsere Wohnung und ich wollte mal wieder verdrängen, dass ich eigentlich Ruhe brauchen würde. Also gingen wir nach draußen, spazierten durchs Dorf und hofften, dass alles gut gehen würde. Ich musste jedoch schnell feststellen, dass ich im Bauch einen stechenden Schmerz hatte. Jeder weitere Schritt schmerzte unglaublich, doch nun hatten wir uns so weit von unserer Wohnung entfernt, dass ich den ganzen Weg auch zurückgehen musste. 
Etwa eine Woche nach Paulines Geburt bekamen wir Besuch von drei sehr sehr guten Freunden. Lange bevor Pauline geboren wurde, vereinbarten wir, dass die Mädels um meinen Geburtstag herum zu uns kommen würden. Um zu helfen, um den Haushalt zu schmeißen, um für uns da zu sein. Und natürlich, um den kleinen neuen Menschen kennenzulernen. Sie kamen in allerbester Absicht. 
Doch mit Freunden im Haus fühlte ich mich verpflichtet, ihnen etwas zu bieten. So unternahmen wir Tagesausflüge in nahegelegene Städte, gingen ins Restaurant essen und gingen viel spazieren. Bei alle dem setzte ich mich selbst massiv unter Druck: das Anlegen beim Stillen bereitet mir noch immer etwas Schwierigkeiten. Ich hatte den Dreh einfach noch nicht so recht raus. In der Öffentlichkeit konnte ich meinem hungrigen Kind jedoch nicht die Brust verwehren. So saß ich unter Tränen in einer Ecke und versuchte sie zu stillen. Gut gemeinte Ratschläge von Freunden und Moritz sorgten dafür, dass ich nur noch frustrierter und wütender wurde. Ich wollte einfach zurück nach Hause in mein Bett und mich da für die restlichen Wochen einmummeln. Nur mein Kind und ich. 
Pauline war zu diesem Zeitpunkt keine 10 Tage alt. Das bedeutet, dass ich es nicht einmal geschafft habe, uns 10 Tage lang von Stress fernzuhalten. Ich habe uns keine Ruhe gegönnt und war viel zu sehr mit meinem Umfeld beschäftigt. 

Hinzu kommt, dass ich unglaublich verunsichert und ängstlich war. Bei jedem Geräusch von Pauline schreckte ich auf. Bei allem was ich tat, verspürte ich Unsicherheit. Ich wünschte mir jemanden an meine Seite, der mich in meiner Handlung bekräftigte. Der mir sagen würde, dass ich alles richtig machen würde oder der mir zeigt, wie ich es richtig machen kann. Ich hatte zwar eine Hebamme, die fast täglich zu uns kam, doch irgendwie hatte ich das Gefühl, dass wir nicht auf einer Wellenlänge waren. Durch sie fühlte ich mich nicht bekräftigt, sondern kritisiert. Beim Anlegen des Kindes musste ich mir den ein oder anderen doofen Spruch anhören. Beim Wiegen des Kindes wurde mir gesagt, dass das Baby auch hätte mehr zunehmen können. Die Beziehung zu der damaligen Hebamme war einfach sehr distanziert und kalt. Ich war mit meiner Hebamme nicht zufrieden, doch musste da nun irgendwie durch. 

In der Schwangerschaft sagen einem alle nur, wie schön die Zeit mit dem Baby wird, doch keiner sagt dir, dass man erst lernen muss, sein altes Leben loszulassen und das neue zu akzeptieren. Ich war froh, mein Baby endlich bei mir zu haben, doch ich merkte schnell, dass das alles nicht so leicht werden würde, wie ich mir das vorgestellt, erhofft hatte. Moritz und mir fiel es schwer, unser altes Leben loszulassen. Erwartungen und Realität sind zwei unterschiedliche Paar Schuhe, dass hätte mir viel früher bewusst sein müssen.  
Heute weiß ich, dass mein Verhalten, meine Erwartungen und mein Größenwahnsinn große Fehler waren und uns das eine Menge Familiensegen gekostet hat. 
Aus diesem Grund habe ich natürlich ganz andere Vorstellungen, wie das Wochenbett 2.0 aussehen soll. 

Wochenbett 2.0 
Im Gegensatz zur ersten Schwangerschaft weiß ich, was mit der Geburt unseres zweiten Kindes auf uns zu kommt. Ich weiß, was mein Kind braucht, ich weiß, dass es anfängliche Schwierigkeiten geben kann und ich weiß, dass es manchmal auch anders kommt, als man denkt. 
Dennoch gehe ich jetzt schon mit ganz viel Ruhe und Gelassenheit an das gesamte Thema Baby Nummer 2. Für die Wochenbett-Zeit wünsche ich mir viel Ruhe für uns vier. Ruhe, damit wir uns ohne Störfaktoren kennenlernen können. Ruhe, damit unser Baby ankommen kann. Ruhe, damit ich mich von der Schwangerschaft und der Geburt erholen kann. Ruhe, damit wir Zeit haben für das wichtige. Zeit für uns. 
Ich wünsche mir, dass ich mehr Selbstvertrauen haben werde. Nein, ich weiß, dass ich nun schon mehr Selbstvertrauen habe, als damals. Ich möchte mich von anderen nicht verunsichern lassen und stattdessen mehr auf meine Instinkte, auf mein Bauchgefühl hören. Weniger Gerede von anderen, mehr 'einfach tun' meinerseits. 
Diesmal weiß ich, was wirklich wichtig ist und das sind wir. Ich muss niemandem etwas beweisen. Ich werde alle Gänge zurückfahren und diese magische Zeit genießen. Und ich werde dem Baby helfen, gut auf dieser Welt anzukommen. Und Pauline werde ich dabei helfen, sich an die neue Familiensituation zu gewöhnen.
Ja, diesmal werde ich das Wochenbett ernst nehmen und uns allen das geben, was wir wirklich brauchen: Ruhe, Gelassenheit und Selbstvertrauen. 
Hach, ich freue mich schon jetzt drauf! 

Wie habt ihr eure Zeit des Wochenbetts erlebt? Gab es möglicherweise Unterschiede beim ersten und beim zweiten {dritten, vierten...} Kind? 
Ich freue mich auf eure Erfahrungsberichte! 

xx, Bini 


Kommentare:

  1. Meine Tochter ist 3 Wochen alt und ich wünsche mir jetzt schon ich hätte uns mehr Ruhe gegönnt. Es War zwar kein Kaiserschnitt und mir ging es körperlich gut, aber ich habe ab dem 2. Tag jeden Tag etwas mit ihr unternommen, Leute besucht und Besuch bekommen. Zuhause habe ich viel geweint, da mein Mann erst abends Zuhause ist und ich ihn schrecklich vermisst habe. Die zeit abends ist er dann mein Tröster und ein toller Papa. Keine Ahnung wie alleinerziehende das schaffen, ich bewundere sie unendlich!

    Viel Ruhe und Genuss für das 2. Wochenbett wünsche ich dir!

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    1. Herzlichen Glückwunsch zur Geburt deiner Tochter!
      Ja, man sollte sich in den ersten Wochen wirklich viel Ruhe gönnen. Nicht nur sich selbst, sondern auch dem Kind. Ich wünsche Dir, dass die nächsten Wochen dafür umso ruhiger und entspannter für euch werden!

      Sei lieb gegrüßt!

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