♢ Unsere {Ab-}Still-Geschichte ♢♢ Auf Wiedersehen du wunderschöne Zeit ♢

 
Stillen. Es ist eine so wunderbare Beziehung zwischen Mutter und Kind. Eine Beziehung die keiner anderen gleicht, an die keiner heran kommen kann. Eine Beziehung die einzigartiger nicht sein könnte. Und dennoch habe ich mich nach wundervollen 15 Monaten gegen diese Beziehung entschieden...


Der Anfang unserer Stillbeziehung
Mir war immer klar, dass ich mein Kind stillen wollte. Über etwas anderes habe ich nicht einmal nachgedacht. Viele rieten mir dazu, auf Nummer sicher zu gehen und präventiv Fläschchen und Pulver zu besorgen, damit ich im Fall der Fälle schnell reagieren könne. Tat ich aber nicht. Ich vertraute auf mich, meinen Körper und meine Tochter.
Doch da ich einen geplanten Kaiserschnitt haben würde, fürchtete ich, dass dieser einen schlechten Einfluss auf das Stillen haben könnte. Hatte er glücklicherweise nicht.
Die ersten 20-30 Minuten nach der Geburt verbrachte Pauline auf der Brust ihres Vaters im Kreissaal. Währenddessen nähten die Ärzte mich zu und waren bemüht, meinen Kreislauf zu stabilisieren.
Moritz erzählte mir später, dass Pauline auf seiner Brust nicht still lag. Sie bewegte sich hin und her, drückte ihre Nase auf seine Brust und suchte nach der Milch, die sie später so liebte. Doch da die Evolution die Männer nicht mit Brustdrüsen ausstattete, suchte sie vergeblich und weinte schließlich.
Dann wurde schließlich auch ich in den Kreissaal gebracht und durfte endlich meinen kleinen Sonnenschein kennenlernen, meine kleine Pauli. Ich nahm sie auf den Arm, legte sie intuitiv richtig an und sie trank. Sie trank, als hätte sie nie etwas anderes getan.
Ich war glücklich, erleichtert und fortan eine stillende Mama.

B{r}eikost
Als Pauline schließlich 6 Monate alt war, boten wir ihr das erste Mal Beikost an. Ich war voller Euphorie, malte mir aus, dass sie gern essen würde. Doch es kam anders. Pauline mochte Essen überhaupt nicht. Wir versuchten alles: BLW, Hipp Gläschen, selbstgemachter Brei. Sie durfte das Essen selbst entdecken, weil ich dachte, dass sie sich dann früher oder später damit anfreunden würde. Fehlanzeige.
Kein Problem, dachten wir uns. Sie ist erst 6 Monate alt, wir warten noch einige Wochen oder Monate und versuchen es dann nochmal. So ging es weiter, bis sie schließlich 15 Monate alt war. Pauline ernährte sich am liebsten nur von der Brust. Hin und wieder mal ein Brötchen oder ein Keks waren ok, aber sobald wir ihr mit dem Löffel kamen, war das Theater groß. So gern ich sie auch stillte, ich wünschte mir, dass sie immerhin ein bisschen Essen würde, um mich zu entlasten. Damit ich mit ruhigem Gewissen das Haus verlassen konnte.

Mein Dilemma
Ich wollte eine gute Mama sein und mich dennoch selbst verwirklichen. Ich wollte für meine Tochter da sein und gleichzeitig studieren, um dem Ziel des Bachelors näher zu kommen. Ich wollte keine Abstriche machen. Daneben hat man natürlich auch noch anderen Menschen, denen man gerecht werden möchte. Dem Partner, den Eltern, Geschwistern und Freunden.
Doch das führte schließlich dazu, dass ich weder meiner Tochter gerecht wurde, noch mir, meinem Studium, meiner Partnerschaft oder sonst wem.
Ich war gereizt, hatte das Gefühl auf allen Ebenen versagt zu haben. Anstatt mich aus diesem Teufelskreis zu befreien, versank ich in Selbstmitleid, machte Moritz {unfairerweise} dafür mitverantwortlich, dass er mir bei meinem Problem nicht helfen könne. Wir stritten uns viel, ich hatte keine Geduld und wurde schnell laut. Da Pauline nicht nur eine schlechte Esserin war, sondern auch eine noch viel schlechtere Schläferin, mangelte es mir, mangelte es uns, an Schlaf. 
Paulines bestreben lag in jeder Nacht darin, möglichst viel Nähe zu Mama zu haben und die Brustwarze im Mund zu behalten.
Wenn Mama sich umdrehte? Schreitheater.
Wenn Mama auf die Toilette musste? Schreitheater.
Wenn Mama Pauline nicht nuckeln ließ? Schreitheater.
Wenn Mama schlicht und einfach keine Lust mehr hatte, Pauline auf sich schlafen zu lassen? Schreitheater.
Wenn Papa Pauline nahm, um sie zu beruhigen? Ganz ganz schlimmes Schreitheater.

Die Nächte wurden immer schlimmer und mit ihnen auch meine psychische Verfassung. Irgendwann fing ich an in strengerem Ton mit Pauline zu reden, wenn sie in der Nacht mal wieder keine Ruhe gab. Ich tat ihr nicht weh, aber ich war so verzweifelt, erschöpft und am Ende meiner Kräfte, dass ich ihr im strengen Ton sagte, mich endlich in Ruhe schlafen zu lassen. Ich habe lange überlegt, was für uns die richtige Entscheidung wäre. Wie endlich Besserung und ein wenig Ruhe und Schlaf einkehren würde.

Ich habe mein Kind immer gerne gestillt. Auch das Langzeitstillen hat mich nicht abgeschreckt, obwohl ich mir diesbezüglich viele Sprüche und Ratschläge anhören durfte. Ich habe mir immer gesagt, dass ich Pauline entscheiden lasse, wann sie abgestillt wird. Nein, wann sie sich abstillen möchte.
Zu dem besagten Zeitpunkt war ich mit meinen mütterlichen Qualitäten allerdings alles andere als zufrieden. Ich ließ in jeder Hinsicht nach und musste feststellen, dass die einst so schöne Stillzeit gar nicht mehr so schön war.
Entweder ich würde das weiterhin so zulassen, wüsste dann aber nicht, wie es mit mir weitergehen würde. Wie viel Zeit wohl noch verstreichen müsste, bis ich an einem Nervenzusammenbruch zerbreche? Es hätte nicht mehr viel Zeit gebraucht.
Also beschloss ich, gemeinsam mit Moritz, dass wir diese Beziehung beenden werden. Pauline wird abgestillt. Das klingt in der Beschreibung zwar ziemlich einfach, doch diese Entscheidung fiel mir unglaublich schwer.
Ich bin der Meinung, dass eine solche Beziehung für beide Parteien schön und innig sein muss, um sie aufrechtzuerhalten. Doch da diese Beziehung nur noch einseitig befriedigend und schön war, nämlich für das Pauli Kind, und es für mich nicht nur unschön, sondern auch anstrengend und belastend war, musste das beendet werden.

Das Abstillen..
...war für mich zunächst ein riesiges Mysterium. Ich habe mich in der Stillzeit nie mit dem Abstillen beschäftigt, da ich ursprünglich Pauline diese Entscheidung überlassen wollte. Doch da mich die Gesamtsituation mehr oder weniger zu einer Veränderung zwang, musste eine Lösung her. Aus eigener Erfahrung wusste ich, dass es nicht unbedingt vorteilhaft ist, sich die Finger wund zu googeln. Erstens gibt es viel zu viele subjektive Meinungen in den 89798775 Foren, zweitens hätte mich das total verrückt gemacht und drittens, so dachte ich bei mir, würde ich das auch alleine hinbekommen. Ganz ohne schlaue Ratschläge von den mir fremden Menschen. Und ich lag richtig.

Zuvor wurde Pauline in 24 Stunden bestimmt 12 Mal gestillt. Die vielen Andock-Versuche des Stillens, in denen sie die Brust in den Mund nahm und kurz nuckelte, sind da natürlich nicht mit inbegriffen. Sie konnte nur mit der Brust einschlafen. Meine Brust war ihr Ruhepol, ihr sicherer Hafen, ihre große Liebe. Sobald ich ihr sagte, dass ich sie stillen würde, strahlten ihre Augen und sie quietschte vor Freude. Ihr diese Freude zu nehmen, zu wissen, dass sie weinen würde, brach mir das Herz. Einen Moment lang überlegte ich, sie abrupt abzustillen. Dem Spuk ein hartes, aber schnelles Ende zu setzten. Doch das brachte ich nicht übers Herz. Nein, so würde unsere Stillbeziehung nicht enden.
Ich reduzierte ihre Stillmahlzeiten zunächst und wollte ihr beibringen, dass sie sich tagsüber auch anders ernähren kann, als von Mamas Brust. So bekam sie in 24 Stunden nur noch 3-4 Mal die Brust: vor dem Schlafengehen, ein bis zwei Mal in der Nacht und am Morgen nach dem Aufwachen.
Dabei durfte Pauline nicht mehr mit der Brust im Mund einschlafen. Sie trank und als sie fertig war, umklammerte sie mich ganz fest und wurde von mir in den Schlaf gesummt und geschaukelt. Natürlich fand sie das anfangs so gar nicht gut und ließ mich ihren Unmut spüren und vor allem hören. Doch schon nach zwei Tagen klappte das Einschlafen ohne Brust ganz fabelhaft.
Sie wollte tagsüber nach wie vor nicht viel Essen. Kekse und Brötchen hätte sie bis zum abwinken essen können, doch das war natürlich nicht Sinn des Ganzen. Also blieb ich hart und bot ihr jeden Tag das Gleiche an, bis sie schließlich anfing zu essen.
Morgens gab es Brötchen, Mittags etwas warmes und am Abend Brot. Zwischendurch durfte Pauline Früchte, Riegel und Kekse naschen. Die etwas süßeren Leckereien gab es natürlich nur in Maßen und auch nur, wenn sie zuvor die Hauptmahlzeit gegessen hat. Trotz dieser Routine vermisse Pauline die Milch und weinte viel nach meiner Brust. Wir nutzen das und boten ihr die Flasche an, mit der Combiotik Pulver Milch von Hipp. Natürlich wurde uns die Flasche von Pauli die ersten Male aus der Hand geschlagen, doch nachdem wir sie ihr oft genug angeboten haben, fand sie gefallen an der Milch und trank fortan tagsüber nur noch ‚Elefantenmilch’, wie wir sie liebevoll nannten.
Nachdem es einige Tage gut lief, wagten wir uns an die Elefantenmilch in der Nacht. Milch gemacht, Pauline angeboten und vom Kind ausgetrunken. Das war einfacher als ich dachte.
Also folgte der nächste Schritt, der mir sehr schwer fiel: das letzte Stillen.

Das letzte Stillen... 
...war magisch, wunderschön und unvergesslich. Es mag übertrieben klingen, aber so war es. Von all’ diesen schönen Stillmomenten die wir in 15 Monaten erleben durften werden mir zwei ganz besonders in Erinnerung bleiben. Zum einen das erste Stillen im Kreissaal, als dieses kleine Bündel Liebe seinen kleinen, aber für sie so schweren Kopf in Bewegung setzte, um das erste Mal von Mama genährt zu werden.
Zum anderen das letzte Stillen, welches so unbeschreiblich schön war, dass es mir noch jetzt Tränen in die Augen schießen lässt.
Mir war ehrlich gesagt nicht bewusst, dass es das letzte Mal sein würde. Wir lagen auf dem Sofa, waren beide müde und kuschelten uns aneinander. Ich ließ sie trinken, schaute ihr dabei zu und musste feststellen, dass sie so ruhig und friedlich trank, wie seit Monaten nicht mehr. Wir schauten uns in die Augen, sie lächelte und ich weinte vor Glück. Ich streichelte ihr das Haar und sie streichelte über meinen Arm und meine Wange. Ohne dass es geplant war, schliefen wir ein. Fest aneinander gekuschelt. Selig. Zufrieden. 

Bereue ich meine Entscheidung? 
Nein, das tue ich nicht. Uns allen geht es gut mit dieser Entscheidung, auch Pauline. Unsere Beziehung ist dadurch nicht weniger innig. Wir kuscheln, wir lesen und Pauline sucht nach wie vor meine Nähe, nur eben ohne Brust. 
Ich bin seitdem wesentlich ausgeglichener und entspannter. Das spiegelt sich natürlich auch im Alltag wieder und hat dazu geführt, dass das Familienleben wieder so läuft, wie ich es mir vorgestellt habe. 
Pauline ist seitdem jedoch wesentlich erwachsener geworden, wie ich finde. Sie weiß sich besser mitzuteilen, möchte am Tisch mitessen und verhält sich einfach schon wie eine ganz Große. 
Ich bin dankbar, dass ich mein Kind 15 Monate stillen konnte und viele schöne Momente habe, an die ich zurückdenken kann. Doch nun gibt es einen neuen Lebensabschnitt, der nicht weniger schön ist und den das Pauli Kind ganz wunderbar meistert. 

xx, Bini 





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