♢ Mein freier Tag, Pauline und ich ♢♢ Der Alltag eines Papas ♢


Wie sieht eigentlich so ein Tag mit Kind aus? Bei jedem wohl ein bisschen anders. Da ich momentan nicht viel Zeit zum Schreiben finde, nahm Moritz dies zum Anlass, mal ein paar Zeilen für euch zu tippen. Nämlich über seinen Tag mit Pauline, wenn ich in der Uni und bei der Arbeit bin.


Mein freier Tag
Es ist 2:08 Uhr. Ich wache auf weil ich neben mir ein Schluchzen und Weinen höre; zwischendurch immer wieder (noch) leises Schimpfen. Ein kurzer Blick auf die Uhr – zu früh. Entweder ich drehe mich um und versuche es zu ignorieren oder ich versuche deeskalierend einzugreifen. Das letzte Mal um 00:47 Uhr hat Umdrehen gut funktioniert. Neuer Versuch. Ein Stoß. „Hey, nimm DU sie jetzt mal!“ – „Mist“, denke ich mir „aber auch zu Recht“. Ich stehe auf und versuche sie erst einmal im Stehen zu beruhigen."Grandpa's little train goes choo choo choo, ...choo choo choo,... choo choo choo", summe ich leise vor mich hin. Verdammt! Der Ohrwurm der letzten Tage ist immer noch in meinem Kopf. Aber es klappt nicht. Anderer Versuch. Wiegeposition. „Wääääääähhh“ Scheint nicht zu funktionieren. Aufrechte, feste aber sanfte Umarmung. „Wääääääääähh“ Hm,.. mal im Liegen versuchen. Pauline krabbelt an mir hoch, setzt sich auf meinen Bauch und weint stärker als zuvor.‘Wääääääääääääh“ Ich richte mich auf, nehme sie in den Arm und wippe von links nach rechts. Links. Rechts. Links. Rechts. Ganz langsam. Links. Rechts. Links. Rechts. Links. Rech-.. *SNAP!* Oh da war ich kurz eingenickt. Gutes Zeichen! Dann muss die Kleine ja auch schläfrig geworden sein. Ich checke ihre Augen. Auf oder zu? Nicht eindeutig zu sehen, es ist zu dunkel. Ich beuge mich ein wenig mehr nach vorne. Zu weit! Die Bewegung war zu forsch. Sie wacht auf und schreit. „Wäääääääääääh“ Verdammt. Nochmal alles von vorne. Nach der zweiten Runde klappt es und ich kann wieder schlafen.

4:19 Uhr: Die „Sirene“ ertönt abermals. Das Meckern neben mir wird lauter und verzweifelter. Man spürt die letzten 13 schlaflosen Nächte. Bini nimmt Pauline und bekommt sie sofort ruhig. Mama ist eben einfach die Beste.

6:32 Uhr geht es schon wieder los. Fehlalarm. Sie schläft sofort wieder ein.
Doch dann um 7:21 Uhr wache ich von alleine auf. Ich bin verwirrt. War da ein Geräusch? Ein Blick nach links. Bini ist schon weg. Welcher Tag ist heute? Freitag. Ach ja, sie hat schon den 6:00 Uhr Zug nach Hannover genommen. Oh man - um diese Uhrzeit würde ich es nicht einmal auf Toilette schaffen; bis zum Bahnhof wäre unvorstellbar. Höllenqualen würden mich erwarten.  Der Weg durch das Fegefeuer, um in einem Seminar oder bei der Arbeit „erlöst“ zu werden. Na das lohnt sich ja……nicht! In Gedanken bin ich bei meiner Frau und bei dem mir bevorstehenden Tag. Aber ich muss ja gar nicht los! Heut ist mein freier Tag. Keine Uni, keine Arbeit. Meine Gedanken ernüchtern. Heute bin ich dran. An meinem freien Tag hab ich ja doch einen Job: Pauline,… Fulltime. 14 Stunden bis Mama wieder Heim kommt. Ich schaue nach links und gucke in ein wunderschönes Gesicht voller Unschuld. Oh Paulinchen, meine kleine PauPau. Wie wunderhübsch und friedlich du sein kan- …
 Da geht auch schon der nicht gestellte Wecker los: „Wääääääääh!!....  Ma- Ma?.... Wäääääh! Mama… Mama!“ „Jawoll! Mein freier Tag beginnt“ murmele ich vor mich hin.

Auf geht’s. PauPau wird beruhigt. Es klappt! „Klasse“, denk ich mir und klopfe mir selbst auf die Schulter. „Das hast du ja mal in Rekordgeschwindigkeit hinbekommen!“ Weiter geht’s. Eine Elefantenmilch muss her. (So nennen wir seit der Abstillzeit ihre Pulver-Milch, weil ein klitzekleiner Elefant auf der Packung abgebildet ist, der nur Pauline aufgefallen war.*Törööö* ertönte es dann immer und ein Kind mit zugekniffener Nase stand vor uns. - Also einerseits nennen wir sie deswegen so, andererseits zur Abgrenzung der „(Mama)-Milch“ auf die Pauline ja immer noch so wild ist.) Die Elefantenmilch wird unter begutachtenden Augen zubereitet. Noch einmal die kontrollierende Frage: „Mein Spatz, möchtest du Elefantenmilch?“ Ein Kopfnicken als Resonanz. Zwei, drei Schlücke dann wird die Flasche in die Ecke geworfen. Ich hebe sie auf und versuche es erneut. Da fliegt sie schon wieder. Es hat so schön geknallt beim ersten Mal, da konnte sie nicht widerstehen. Nagut, dann gehen wir eben spielen im Wohnzimmer. 90 Minuten, sieben vorgelesene Bücher, drei Becherwürfe, 17 Turmbauten und -zerstörungen und einen angebrochener Playstation-Controller später bewegen wir uns zum Frühstückstisch, nur um zu merken, dass wir gar keine Brötchen mehr haben. Also auf zum Bäcker.

Pauline wehrt sich gegen ihre Jacke. „Aber Pauli, die ist doch so schön!“ Das scheint ihr egal zu sein. Sie meckert und schreit. Beim Anziehen ihrer Schuhe beruhigt sie sich wieder. Das mag sie. Füße kitzeln, Papa die Füße ins Gesicht halten, Socken und Schuhe anziehen. Fertig angezogen geht es die Treppe hinunter. Eine Kältewand kommt uns entgegen. Ganz vorsichtig gehen wir an dem riesigen Karton vorbei, den wir immer noch nicht entsorgt haben. Mit ein wenig Scham und dann schnell wieder aufkommender Gleichgültigkeit setze ich Pauline in den Kinderwagen. Sie freut sich, dass es losgeht. Sie schreit den Hausflur zusammen. Von mindestens einem Nachbarn weiß ich, dass er Nachtdienst hatte und wahrscheinlich lieber schlafen würde. Doch die selbe Gleichgültigkeit, die schon dafür sorgte den Karton abermals stehenzulassen stieg auf, als ich sah, dass das Fenster im Flur schon wieder über Nacht offen gelassen wurde, weil wahrscheinlich wieder jemand dort geraucht hat. Ich grummle vor mich hin und schiebe Pauli vorwärts, raus in ihr erstes Abenteuer am Tag.
Beim Bäcker angekommen, bestelle ich zwei Kinderbrötchen und zwei Kornknacker. „Wie viel macht das?“ „Ach das geht auf's Haus, die Kleine ist ja immer so süß!“ „Ach quatsch, hier nehmt das Geld. Wir bekommen hier schon fast täglich etwas umsonst! Wenn ihr es nicht in die Kasse packen wollt, tut es in eure Kaffeekasse. Irgendwann komm ich wieder wie letztens vorbei und hab kein Kleingeld dabei, dann könnt ihr mir wieder eins schenken.“ Zufrieden mampfend verlassen wir den Laden. Pauline ist überglücklich über ihr Brötchen. Dann zeigt sie anstatt zum Weg nach Hause in Richtung Oma und Opa. Verlängerung des Spaziergangs also; ab zu den Großeltern.

Auf dem Weg begegnen uns mehrere Leute die mit ihren Hunden spazieren gehen und ein Hund der mit seinem Herrchen (ein kleiner Junge) spazieren ging. „Wau- wauuu“ ertönt es aus dem Kinderwagen. Den ganzen Weg, wie ein Echo, erklang dieser Laut immer wieder.
Schließlich angekommen stehen wir vor verschlossener Tür. Pauline klingelt. Keine Reaktion. Nochmaliges Klingeln. Keiner da.  Also wieder zurück. Diesmal möchte Pauline selbst laufen und ich nehme die Herausforderung, Kinderwagen in die eine und Pauline in die andere Hand, an.

Zu Hause angekommen setzen wir uns erneut ins Wohnzimmer und spielen. Viele Tierfiguren werden von Pauline misshandelt und würden schrecklichste Quetschungen, Knochenbrüche und sonstige Qualen erleiden, wären sie lebendig. Ich denke mir, dass wir mit einem Haustier doch lieber noch ein wenig warten sollten. Stunden vergehen und ich mache Pauli Mittagessen. Sie nimmt es an diesem Tag erstaunlicherweise sofort an. Eine Sorge weniger. „Elefantenmilch?“ – Das altbekannte Kopfnicken.

Es ist 13:07 Uhr und ich spüre, dass Pauline langsam müde wird. Perfekter Zeitpunkt. Warme Milch, Müdigkeit, mein Einsatz. Ich nehme sie mit ins Schlafzimmer und versuche sie zu beruhigen und zum Schlafen zu bewegen. Links – rechts – links –rechts –links –rechts –links –rechts… und so weiter und so weiter. Es funktioniert. Mittags klappt es eigentlich immer ganz gut bei mir und es geht in der Regel weitestgehend ohne Probleme. Endlich MEINE ZEIT!

Ab an die Playstation, die Zeit ausnutzen.  Gut entspannt sitze ich 15 Minuten später im Sessel und bin gerade ein, zweimal den Berg auf dem Snowboard hinab, da plötzlich: DING DONG, DING DONG!

„SCHEIßE!“ fährt es mir durch den Kopf. Die Klingel erschallt in einem Widerklang. Ich ignoriere das Klingeln und laufe zu Pauline, die gerade aufwacht und schon losbrüllt und ins Duett mit der Klingel einsteigt. Mit Pauline auf dem Arm erreiche ich die Haustür - der Postbote mit zwei Paketen für Bini. Ich nehme die Pakete an und versuche Pauline nochmal schlafen zu legen. Vergeblich. Also heißt es wieder Beschäftigen.

Nach weiteren Stunden Spielen und Vorlesen ist Pauli der mangelnde Schlaf anzumerken. Unzufriedenheit und Ungeduld machen sich breit und nachdem jedes Buch einmal aufgeschlagen und weggeworfen wurde, wird nur noch gemeckert. „Ma—ma!... Ba… Mama,.. Ba!“ sagt sie wiederholend immer wieder. „Ba“ ist Paulis Codewort für Muttermilch. Ich gebe ihr also eine Elefantenmilch, eine Banane und einen Fruchtriegel. Sie zeigt vermehrt zur Tür und weint. Ein weiterer Spaziergang samt gesungenem "Choo choo choo" konnte sie nochmal für 30 Minuten ablenken.

Ab jetzt wird’s Schwerstarbeit. Der Blick zur Uhr sagt 16:57 Uhr. Noch drei Stunden, dann kommt Hilfe. Daheim wird wieder versucht zu spielen und Vorzulesen. Es klappt mal gut und mal weniger gut. Pauline bewegt sich an der Schwelle. Dann plötzlich ist draußen Geschrei von einer Frau zu hören. Pauline reagiert ihrerseits mit Geschrei und die Stimmung ist gekippt. Sie ist wieder auf der dunklen Seite. Zwei Möglichkeiten bleiben mir noch. Ein Bad und ein Schwein. Ich wähle das Schwein, weil das Bad besser für den späteren Abend ist. Nach 45 Minütigem Mama-Geschrei wird Papa also schwach und muss schweren Herzens doch den Fernseher anmachen um seine Tochter zu beruhigen. Es fühlt sich jedes Mal falsch an, jedes Mal wie eine Niederlage, die man sich selbst eingestehen muss. Peppa Pig ist leider das einzige, was unsere Tochter zu fast jeder Zeit beruhigen kann. Ich weiß nicht, ob es die bunten Farben, das bewegte Bild an sich oder die schrillen Töne sind, die sie so faszinieren. Eigentlich soll es mir auch egal sein. Hauptsache es hilft.  *Peeeppa Pig… Peeeeppa Pig… düdüdüdüdü düdüdüdüdü* klingt es aus dem TV. Nach einer gefühlt ohnehin schon viel zu langen Zeit (in der ich doch endlich mal durchatmen konnte) und dreimaligen Hören vom „Bing Bong Song, Big Red Balloon und Grandpa’s little train goes choo choo choo“, schalte ich den Fernseher aus. Zu spät, Ohrwürmer fressen sich durch meinen Kopf. Mein Hirn vernimmt ein ständig wiederkehrendes "choo choo choo". Sofort der Aufschrei als Antwort. Letzte Maßnahme: Badewanne. „Pauli möchtest du baden gehen?“ Ihre Gesichtszüge erhellen. Fröhlichkeit kommt wieder auf.

Ich lasse das Wasser ein. Wasserdruck wie aus einer Gießkanne sorgt dafür, dass es ewig dauert bis die Wanne soweit wie gewünscht gefüllt ist. Nebenbei wird Pauli ausgezogen und badewannenfertig gemacht. Der letzte Schritt: Windel aus. Schnell nochmal über die Toilette gehoben, denn sie macht ganz gerne vorm Baden auf den Boden. Nichts kommt. Die Badewanne ist fast fertig. Pauli wieder abgesetzt hole ich das Handtuch von der Heizung um es für hinterher vorzubereiten. Taps Taps *plitsch platsch*. Da ist es passiert. Eine Pfütze vor der Wanne. Diese dann schnell weggemacht kann Pauli dann endlich ins Wasser. Sie ist munter und spielt fröhlich mit ihren Wassertierchen. Ich beobachte sie und erneut schleicht sich der Gedanke ein „noch kein guter Zeitpunkt für Haustiere“. Nach einigen Minuten geht es wieder raus aus der bunten Wasserwelt.
Abgetrocknet abgestellt hole ich ihre vorher bereitgelegten Sachen vom Trockner. Da höre ich hinter mir wieder, dass sie in eine Pfütze tritt. Während ich noch hoffe, dass es nur Wasser aus der Wanne ist, drehe ich mich um, nur um das Gegenteil festzustellen. Da *zack!*, rutscht sie auch noch aus und sitzt mit ihrem Hintern in ihrer Pfütze. Ich ertappe mich wie ich laut lache. *HAHAHA*  Paulis Blick dazu war einfach herrlich. Ich hebe sie erneut in die Wanne, aus der das Wasser Gottseidank noch nicht abgelassen wurde. Beim zweiten Abtrocknen- und Anziehversuch klappt dann schließlich alles. 

Der erneute Blick auf die Uhr: 19:35 Uhr. Endspurt. Pauline hat leider auch gemerkt, dass sie nicht mehr in der Badewanne ist und wechselt ihre gute Laune spontan zurück in die Satansbratenmentalität vom Nachmittag. Nichts hilft um sie von ihren Leiden zu befreien. Doch da höre ich Autotüren knallen draußen. Ich schnappe Pauline und renne zum Fenster. Pauli liebt es Mama durch das Fenster kommen zu sehen. Und tatsächlich, da ist sie. Ein Grinsen, fast von Ohr zu Ohr, erstrahlt auf Paulis Gesicht. „MAMA !“, ruft sie. - All der Ärger ist verflogen. Mama ist und bleibt eben einfach die Beste.

Ab hier übernimmt Mama wieder und ich kann ein wenig Zeit für mich nutzen bevor wir uns in Ruhe zu zweit aufs Sofa setzen und den Abend ausklingen lassen.


Völlig erschöpft von meinem freien Tag lege ich mich um 23:00 Uhr ins Bett mit der Gewissheit, dass der „Wecker“ gleich ertönt, ich Milch machen darf und ich morgen zum Glück wieder einen „freien Tag“ habe. Wohl wissend, dass sobald das Studium vorbei ist, ich es nicht mehr schaffe so viel Zeit mit meinem Kind oder zukünftigen Kindern zu verbringen. Ich schlafe entkräftet, aber zufrieden ein. Ein allerletzter Gedanke fließt und sagt: "Daddy's little train goes choo choo chzzzzzzzZZZZZZZzzzzzzzZZzzzzzz"

- Mo






Kommentare:

  1. Toller, toller Beitrag!! Ich fände es toll, wenn Moritz öfter Artikel schreibt. Der Alltag aus der Sicht eines Papas ist auch mal wirklich erfrischend und sehr sehr interessant ☺️

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Lieben Dank! Moritz hat sich sehr über dein Feedback gefreut!
      Das wird er künftig ganz sicher tun!

      Liebste Grüße!

      Löschen
  2. Toll geschrieben, zum schmunzeln. Hat mir echt Spaß gemacht ihn mir durchzulesen. Danke ☺

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Freut mich und Moritz natürlich umso mehr, wenn es dir gefallen hat! :)

      Sei lieb gegrüßt!

      Löschen
  3. sehr schöne Lektüre zu meiner Pizza Pasta :)
    Vermiss euch drei Süßlis!! xxx

    AntwortenLöschen
  4. Wir hoffen, es hat geschmeckt! Freue mich schon auf das gemeinsame Kochen schon gaanz bald!
    Wir vermissen dich mindestens genau so doll! <3

    AntwortenLöschen

Latest Instagrams

Latest Instagrams

  • Bloglovin'
  • facebook
  • instagram
  • Youtube
Back to Top