♢ Das kann doch nicht alles sein ♢♢ Das streben nach der Ungewissheit ♢




Die Welt ist groß, bunt und wundervoll. So viele verschiedene Kulturen, so viele Landschaften, Tiere und Wunder finden auf ihr Platz. Und wenn ich in mich gehe und mal lausche, was ich eigentlich möchte, was mich glücklich und zufrieden macht {abgesehen von meiner Familie}, dann ist es folgendes: die Vielseitigkeit dieser Welt zu {er}leben! 


 Morgens aufstehen, sich fertig machen, die Tasche packen, alles für das Kind vorbereiten. Schminken, Frühstücken, Jacke anziehen, los gehts. Die Uni und die Arbeit rufen. Verpflichtungen. 

Daraus besteht unser Alltag viel zu oft. Man muss dieses oder jenes tun, man arbeitet auf eine Deadline hin, man hält sich an Termine und Stundenpläne. Man tut, was man eben tun muss. 
Ich bin grundsätzlich auch zufrieden mit allem, so wie es ist. Meine Familie hat ein sicheres zu Hause, ich darf Bildung genießen, ich habe einen wundervollen Mann und ein noch wundervolleres Kind. 
Doch manchmal habe ich das Gefühl, dass ich etwas anderes brauche. Ein Leben losgelöst von der Gesellschaft, wie wir sie kennen. Ohne Verpflichtungen, ohne Termine, ohne Deadlines. 

Je älter ich werde, desto häufiger stelle ich mir die Frage, ob ich so leben will. Schule, Ausbildung/Studium, Beruf, Familie, Eigenheim. Ist das der einzigste erstrebenswerte Lebensstil? Denn genau das suggeriert unser Umfeld. Alle streben danach. Sobald jemand aus der Reihe tanzt, wird man kritisch beäugt und darf sich abfällige Sprüche anhören. 
Das fängt bei mir schon damit an, dass ich unverheiratet und mit 22 Jahren Mutter wurde und haltet euch fest: das zu Beginn meines Studiums, im zweiten Semester. Anstatt Zuspruch zu erfahren, muss man sich oft anhören, dass dies eine unüberwindbare Doppelbelastung sei. Und ja, es mag eine Doppelbelastung sein, aber sie ist machbar und es ist auch doppelt so schön. Denn so blöd eine Klausur auch gelaufen sein mag, am Ende des Tages ist da dieser kleine Mensch, der all' meine negativen Gedanken mit einem feuchten Mund wegküsst. 
Ich möchte nicht sagen, dass der oben genannte Lebensstil ein schlechter sei. Das ist er gewiss nicht. Ich frage mich nur, ob ich ihn so leben möchte. Denn ich bekomme zunehmend das Gefühl, dass da noch mehr ist. Dass da noch mehr auf uns wartet. Vielleicht wird dieses Gefühl in mir auch nur hervorgerufen, weil unsere Generation ganz nach dem Motto "Größer, Besser, Mehr" lebt. 

Das geregelte Leben hier in Deutschland mit all seinen Routinen und Regeln bietet viele Vorteile. Wir genießen das Privileg in einem der wohlhabendsten und sichersten Ländern  dieser Welt zu leben. Wir müssen uns nicht darum sorgen, wie wir unsere Kinder morgen ernähren oder wie wir uns die Schule für sie leisten können. Ja, hier in Deutschland geht es uns mehr als gut und das ist mir sehr bewusst.
Doch ich empfinde es auch als einschränkend. Es gibt nur wenige Wege, die gesellschaftliche Akzeptanz finden. Schüler werden standardisiert noch Noten beurteilt. Im Büro hast du dich adrett und im Anzug zu kleiden. Sichtbare Tattoos als Lehrer? Ein absolutes no go, man hat schließlich eine Vorbildfunktion. Egal wie viel oder wenig Arbeit es beim Arbeitgeber zu erledigen gibt, man hat von 8 bis 16 Uhr da zu sein. 
Das alles schränkt nicht nur die Persönlichkeitsentwicklung ein, sondern auch die Ideenvielfalt, die Produktivität und die Kreativität. Es schränkt eine zukunftsorientierte Entwicklung ein. 

Würde ich die Verantwortung nur für mich tragen, würde mir eine Entscheidung sehr leicht fallen. Ich wäre auf und davon, um die Welt zu erkunden, um zu lernen und zu erleben. Andere Länder, Sitten und Kulturen. Andere Landschaften, Formationen und Tierwelten. Bereicherungen für mich und meine Entwicklung, wie ich finde. 
Nun bin ich allerdings nicht alleine, sondern Mutter und Frau. Mit Moritz habe ich einen Partner an meiner Seite, der vieles ähnlich wie ich sieht. Auch er würde gerne einen Schritt wagen, einen Schritt in Richtung Ungewissheit und Abenteuer. Doch welche Verantwortung tragen wir gegenüber unserem Kind? Das frage ich, fragen wir uns immer wieder. Wir würden ihr gern die Möglichkeit bieten, sich frei zu entwickeln mit all' den Vorzügen, die diese Welt zu bieten hat. Das bedeutet aber gleichzeitig, dass wir sie bewusst aus der Gesellschaft in Deutschland, ihrer Heimat, ausgrenzen. Was für mich am Muttersein also am schwierigsten ist, ist es, schwerwiegende Entscheidungen für Pauline zu treffen. Entscheidungen, die einen großen Einfluss auf sie und ihren Lebensverlauf haben.
Denn letztendlich wissen wir nicht, wo uns diese Entscheidungen eines Tages hinführen. Entweder wir werden enttäuscht oder es erschließen sich uns viele neue Möglichkeiten. Die Möglichkeit nach mehr. Zufriedenheit, Erfüllung, innere Ruhe. Das ist es letztendlich, was ich für mich und meine Familie möchte. 

Also bleibt da in mir die Hoffnung, dass ich in irgendetwas eine vollkommene Erfüllung finde. Eine Erfüllung für die Seele. Wie diese aussehen soll? Ich weiß es noch nicht so recht, doch ich bin auf der Suche nach dieser Antwort. Nein, wir sind gemeinsam auf der Suche. Und früher oder später werden wir sie finden, da bin ich mir sicher. 

xx, Bini 







Kommentare:

  1. Hey Bibi:)
    Ein wirklich schöner Artikel, den ich vollkommen nachvollziehen kann. Sven und ich stellen uns die selben Fragen- zwar sind wir losgezogen, haben uns verändert- aber was passiert danach?
    Ich bin gespannt für welchen Weg ihr euch entscheiden werdet und bin sicher, dass ihr die richtige Entscheidung trefft :)
    Liebe Grüße
    Julia

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  2. Ach Julia, schön, dass gerade du kommentierst!
    Beim Verfassen dieses Artikels musste ich sogar an euch denken! Ich kann mir auch gut vorstellen, dass ihr euer Leben hier in Deutschland nicht wie früher weiter leben wollt. Dafür ist in euren Köpfen einfach zu viel passiert. Ich bin mir sicher, dass ihr an dieser Reise gewachsen seid.
    Ich habe viele Ideen und bin gespannt, welche sich umsetzten lässt.
    Ich sende euch kalte, weihnachtliche Grüße nach Australien! <3

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  3. Hey Bini,
    ich muss schon sagen, dieser Artikel spricht mir zum Teil wirklich aus dem Herzen. Einige Gedankengänge empfinde ich als genauso.
    Allgemein lässt sich wohl sagen, dass jeder den eigenen Weg finden muss. Fragt sich nur so, wie genau ich meinen oder ihr euren findet. Nun, das werden wir wohl noch sehen.
    Einen guten Kompass wünsche ich euch :)
    Liebe Grüße

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