Über Freundschaften und das Erwachsenwerden



Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass ich als Kind wissen wollte, wovon die Gespräche der Erwachsenen handeln. Und fast immer bekam ich zu hören: "Das wirst du verstehen, wenn du erwachsen bist." Dieser Spruch hat dazu beigetragen, dass ich es kaum abwarten konnte, erwachsen zu sein. 
Erwachsen zu sein bedeutete für mich damals ein selbstbestimmtes leben zu führen. Dinge zu tun, die mir bis dato verboten worden sind. Alkohol zu trinken und Auto zu fahren {natürlich nicht in Verbindung miteinander}. 
Doch rückblickend wünschte ich mir, dass ich es nicht so eilig gehabt hätte. Ich hätte die Zeit als Kind und Teenager viel mehr genießen müssen. Ohne große Verantwortung die man trägt. Ohne gesellschaftlichen Druck. Ohne Stress. Und vor allem ohne Enttäuschungen. 
Sicher war ich enttäuscht, wenn ich meine Eltern darum bat doch eben kurz beim Mc Donalds anzuhalten, sie stattdessen aber daran vorbei fuhren. Doch diese Art von Enttäuschung meine ich nicht. Nein. 
Ich meine diejenige Enttäuschung, die im Herzen schmerzt und unsere Welt auf den Kopf stellt. Die Enttäuschung die in uns von Menschen hervorgerufen wird, die uns viel bedeuten. Die uns am Herzen liegen. Menschen von denen man denkt, dass sie ein Leben lang ein Teil deines Lebens sein werden. Doch manchmal kommt es eben anders, als man denkt. 
Diese Erfahrung musste ich erstmals nach dem Abitur machen, als der Kontakt zu einer meiner besten Freundinnen immer weniger wurde, weil sie diesen blockierte. Seit der 5. Klasse waren wir unzertrennlich und das sollte sich auch nach der Schulzeit nicht ändern, zumindest nicht für mich. Wir waren Kinder, als wir uns kennenlernten. Wir sangen zusammen Lieder, schauten gemeinsam Filme und verbachten die Nächte beieinander. Wir wurden älter, also veränderten sich die Gespräche und Interessen. Doch unsere Freundschaft blieb bestehen. Wir wurden zusammen erwachsen und haben in all den Jahren vieles erlebt- gemeinsam. Wir haben Städte bereist, die Ferien zusammen verbracht, zusammen gelernt uns die Seele beim jeweils anderen ausgeschüttet und einmal- ich muss ganz doll schlucken, während ich das schreibe- ja einmal, da mussten wir gemeinsam mit ansehen, wie jemand vor unseren Augen starb. Wie er sich vorsätzlich das Leben nahm und uns unfreiwillig diesem Szenario aussetzte. 
Dieses schreckliche Erlebnis schweißte uns noch mehr zusammen. Bis zu dem Tag, an dem ich Deutschland verlassen habe und für 13 Monate in die USA ging. Ich schrieb ihr oft, doch mit der Zeit wurden die Antworten seltener und kürzer. Über Weihnachten kam ich nach Hause und war voller Vorfreude auf sie und meine anderen Mädels. Doch sie kam zu spät und sah bei der Begrüßung regelrecht gelangweilt aus. Schon da hätte ich {hätten wir} es ahnen müssen. Ahnen müssen, dass diese Freundschaft keinen Bestand haben wird. Dass diese Freundschaft eigentlich keine Freundschaft mehr war, sondern viel mehr eine Einbahnstraße. 
Nachdem ich endgültig wieder nach Deutschland kam, sahen wir uns noch einige Male, doch unsere Beziehung war verhalten und distanziert. Bis ich eines Tages mit zwei meiner anderen Freundinnen in der Stadt war und wir sie sahen. Es waren immer wir vier, die ganze Schulzeit über. Doch dieser Moment änderte alles und beendete eine Jahre lange Freundschaft in wenigen Sekunden. Sie sah uns, suchte die nächste Ecke und bog ab. Tat so, als hätte sie uns nicht gesehen, obwohl sie uns wenige Sekunden zuvor ganz erschrocken in die Augen sah. 
Jeder von uns schrieb ihr Nachrichten, doch auf eine Antwort konnten wir vergeblich warten, bis heute. Das hat mich und meine Freunde lange beschäftigt. Wir konnten ihr Verhalten nicht verstehen. Wir waren empört, entsetzt und verständnislos. Und tief in uns, da waren wir verletzt. Sehr sogar. 
Doch man muss das Leben nehmen, wie es kommt. Irgendwann habe ich damit abgeschlossen und es verarbeitet. Immerhin habe ich andere gute Freunde. Freunde die mir aus Schulzeiten erhalten geblieben sind und Freunde, die ich neu dazu gewonnen habe. 

Über die Jahre gab es natürlich zahlreiche Freundschaften, doch nicht alle blieben bestehen. Irgendwann unterhielt ich mich mit jemandem über das Thema 'Freundschaft'. Einige begleiten uns unser Leben lang, einige nur für einen gewissen Abschnitt unseres Lebens. Jede Freundschaft prägt uns und aus jeder kann man etwas fürs Leben mitnehmen, auch wenn es manchmal negative Erfahrungen sind, die wir machen müssen. Zum Schluss dieses Gesprächs sagte die Person mir etwas, dass ich wohl nie vergessen werde: "Naja, ich schätze, dass wir nicht erwachsen werden, wenn wir keine Freunde verlieren!"
Ich musste lange über diesen Satz nachdenken und kam zu dem Entschluss: Genau so ist es! Ohne das wir es merken, verändern wir uns. Jahr für Jahr! Würde das nicht so sein, würden wir festfahren und nicht über den Tellerrand hinaus schauen können. Wenn man Glück hat, entwickeln sich unsere Freunde in eine Richtung, die allen ermöglicht, dass man weiterhin schöne Momente miteinander verbringen darf. Wenn dem nicht so ist, trennen sich die Wege. 

Ich habe gelernt, dass es in Ordnung ist loszulassen. Dass man nach vorne und nicht zurück schauen sollte. Die schönen Momente bleiben, ein Leben lang. Die nicht so schönen und schlechten Momente prägen. Wir lernen aus ihnen. 
Wenn man so will, lernen wir zu optimieren. Bei künftigen Bekanntschaften wissen wir viel schneller, ob die Chemie passt oder nicht. Wir wissen, wer wir sind und was uns gut tut. Wir haben gelernt, das Negative nicht an uns heran zu lassen und wenn es doch mal passiert, wissen wir, wie wir damit umzugehen haben. 

Heute habe ich einen überschaulichen, aber festen Freundeskreis. Mit jedem meiner Freunde verbinde ich etwas anderes, aber letztendlich sind sie mir alle wichtig. Und ich hoffe, dass diese Freundschaften noch viel für uns bereit halten und lange bestand haben. 
Sie alle bedeuten mir viel und haben einen festen Platz in meinem Leben. Und wisst ihr was? Mit einer meiner Freundinnen bin ich sogar 'erwachsen' geworden. 
Das weiß ich sehr zu schätzen. Jetzt morgen und immer. 


xx, Bini 

Meine Freundin L. und ich mit 17 Jahren beim Feiern 

Mein JGA mit meinen liebsten Freundinnen. 
Alle vollkommen verschieden und vielseitig. Ich mag euch. Richtig gern! 




Kommentare:

  1. Some people come and go. Others are meant to stay by your side forever. Things we all have to learn & accept but worth the experience.
    Knowing who wants the best for yourself is priceless!
    Love always,
    xxx L

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