♢ Mein geplanter Kaiserschnitt ♢♢ Geburtsbericht ♢


Ich denke gerne an meine Schwangerschaft zurück. Ich hatte glücklicherweise keine {schlimmen} Beschwerden, liebte meinen Bauch und die kleinen Tritte, die Pauline mir verpasste. Mir wurde so viel Aufmerksamkeit geschenkt und wider Erwarten war ich absolut ausgeglichen. Ich hatte keine Stimmungsschwankungen, war total entspannt und blickte optimistisch in unsere gemeinsame Zukunft. Ja, ich habe es geliebt schwanger zu sein! 


Das einzige Problemchen lag darin, dass Pauline ab der 27. Schwangerschaftswoche nur noch in Beckenendlage (BEL) lag, also mit dem Po voran und dem Köpfchen oben liegend. Das bereitete mir jedoch kein Kopfzerbrechen, denn das kann sich ja schnell ändern. Also warteten wir, bis wir uns schließlich in der 36. Ssw im Krankenhaus für die Geburt vorstellten. Ich wurde erneut geschallt und mal wieder mussten wir feststellen, dass klein P. sich nicht drehen wollte. Wir dachten kurz über eine äußere Wendung nach, doch da ich eine Vorderwandplazenta hatte, war das Thema schnell abgehakt. 
Die Chefärztin kam und sprach etwas aus, was ich gar nicht hören wollte: "Frau G., wir müssen ernsthaft über einen Kaiserschnitt nachdenken. Sie haben kaum Fruchtwasser, sodass ihr Kind sich nicht drehen kann." 
Ich nickte und sagte kaum etwas, weil ich wie gelähmt war. Monatelang malte ich mir eine spontane Geburt aus und nun sollte es ein Kaiserschnitt werden und dann auch noch geplant? Für mich brach eine kleine Welt zusammen. Dennoch hatte ich einen funken Hoffnung, denn wenn klein P. sich bis zum nächsten Termin in zwei Wochen drehen würde, dann könnte ich den Kaiserschnitt wohlmöglich umgehen. In diesen zwei Wochen setzte ich mich intensiv mit dem Thema 'geplanter Kaiserschnitt' auseinander und sammelte alle Fragen, die für mich offen blieben. Dann kam der 31. Juli 2015, der Tag der entscheiden würde, wie die Geburt meines Kindes aussehen würde. 
Ich lag auf der Liege und spürte einen dicken Kloß in meinem Hals, weil ich wusste, dass sie sich nicht gedreht hat. Die Ärztin bestätigte dies und begann mich über einen Kaiserschnitt aufzuklären. Ich rang so sehr mit den Tränen, dass ich ihr nicht wirklich zuhören konnte. Sie sagte mir auch, dass ich es natürlich auch so probieren könnte, damit würden aber auch gewisse Risiken verbunden sein. Ich habe mir natürlich schon im Vorhinein Gedanken darüber gemacht, ob ich mein Kind in BEL auch spontan gebären würde und entschied mich dagegen. Die Risiken waren zu angsteinflößend, zumal ich aus dem Bekanntenkreis eine Frau kenne, die genau das versuchte. Es gab unter der Geburt Probleme und das Kind trug lebenslange Schäden davon. Das war es mir nicht wert. 
Wir einigten uns auf einen Termin, den 14, August 2015, um 9 Uhr. Ich weiß nicht, wie ich mich in diesem Moment fühlen sollte. Ich fühlte Vorfreude, Angst und Enttäuschung zugleich, es war ein absolutes Gefühlschaos. 
Mir blieben genau zwei Wochen bis zur Geburt unseres Kindes. Diese Zeit überbrückte ich mit dem Erledigen von Uni-Aufgaben, aufräumen und packen. Moritz und ich verbrachten viel Zeit zusammen. Wir gingen in die Stadt, setzten uns in den Park und versuchten uns unser nun bald neues Leben mit Kind vorzustellen. Einen Abend vor dem angesetzten Termin bekam ich einen Anruf aus dem Krankenhaus. Die Schwester teilte mir mit, dass die Frau, die ihren Kaiserschnitt Termin vor mir gehabt hätte.  ihr Kind schon zur Welt gebracht habe, sodass ich schon um 7 Uhr morgens kommen solle. Die Aufregung an diesem Tag war kaum auszuhalten. 
Um 23 Uhr aß ich das letzte Mal, am nächsten Tag sollte ich schließlich nüchtern sein {und zum Glück der Ärzte und der Anästhesisten war ich das auch}. Alle rieten mir zu einem ausgiebigen Schlaf, denn diesen würde ich schon sehr bald nicht mehr haben können. Der Rat war sicher nett gemeint, aber versucht mal zu schlafen, wenn in wenigen Stunden die größte Veränderung meines Lebens ansteht. Nach 3 Stunden Schlaf klingelte der Wecker. Vorfreude und Angst durchjagten meinen Körper. Wir fuhren ins Krankenhaus und trafen davor noch kurz meine Mutter, die mich drückte und sagte, dass alles gut werden würde. Die Umstände, ihre Worte und meine Angst verschlugen mir die Sprache und mal wieder musste ich weinen.

Wir meldeten uns auf der Geburtenstation des Krankenhauses, wo uns eine Hebamme sehr freundlich empfing. Sie gab mir die OP-Kleidung, legte mir einen Zugang und schloss mich an den Tropf an. Moritz und ich verbrachten unsere letzten 30 Minuten in Zweisamkeit. Wir scherzten rum, ich äußerte erneut all' meine Ängste und er fand die richtigen Worte, um mich einigermaßen zu beruhigen. Dann kam die Ärztin und schallte mich ein letztem Mal, um auch sicher zu sein, dass klein P. noch immer in BEL liegt. Das tat sie. Ich wurde in den OP-Raum gebracht, welcher hell und kalt war. Vor Ort waren vier Männer, die ihren Job machten. Sie waren alle freundlich und versuchten die Situation aufzulockern, indem sie mit mir scherzten und versuchten mich abzulenken. Ich war dennoch wie gelähmt, hatte Angst und fühlte mich hilflos. Hilflos und allein, weil Moritz noch nicht bei mir war.
Die Hebamme kam, erklärte mir kurz wie die Spinalanästhesie nun ablaufen würde und nahm mich dann fest in den Arm. Mein Kopf lag auf ihrer Brust und ich machte einen Katzenbuckel, damit die Anästhesistin ihren Job machen konnte. Ich hatte ziemliche Angst vor der Spinalanästhesie, aber es war ein dumpfer Druck, der nicht wehtat. Schnell merkte ich, wie meine Beine schwer wurden und ich keine Kontrolle mehr über sie hatte. Das Personal half mir dabei, die richtige Liegeposition einzunehmen, dann legte die Hebamme den Katheter und einige andere spannten einen Sichtschutz vor mein Gesicht. Nach einer gefühlten Ewigkeit war Moritz endlich da und sobald er neben mir saß, setze die Ärztin auch schon den ersten Schnitt.

Ich spürte, wie die Klinge mich Schicht für Schicht aufschnitt, es fühlte sich nicht gut an, aber es war auszuhalten. Dann begann der unangenehmere Part: die Ärztin reißt und dehnte das Gewebe. Man sagte mir zwar, dass ich keine Schmerzen spüren könne, doch das war definitiv schmerzhaft. Ich war nicht mehr ansprechbar, konnte meine Umgebung nicht wahrnehmen, konzentrierte mich nur auf die Hände, die ihn mir steckten und stöhnte vor Schmerzen. Es wurde auch nicht besser, als zwei Personen von oben auf meinen Bauch drückten, um klein P. nach draußen zu schieben. Dann ging alles ganz schnell. Alle waren hoch konzentriert, keiner Sprach mehr.
Eine Dame sagte mir, dass ich gleich nach oben schauen solle. In diesem Momente hörte ich sie, Pauline. Ein kurzes glucksen und dann schrie sie, ganz laut, ganz ohne Hilfe. Ich weinte, schaute nach oben und konnte nur ein blau, rot verschmiertes Bündel Liebe erkennen, weil ich so viele Tränen in den Augen hatte. Pauline wurde kurz ins Nachbarzimmer zu den Kinderärzten gebracht, doch nach 3 Minuten war sie schon wieder da. Die Hebamme legte sie mir auf die Brust, doch ich musste ihr sagen, dass sie das Kind schnell wieder nehmen müsse. Ich musste mich übergeben. Mir ging es grottenschlecht, ich konnte mich nicht mal mehr an der Geburt meines Kindes erfreuen, geschweige denn daran denken. Moritz und Pauline sollten daraufhin den OP verlassen und im Kreißsaal auf mich warten. Das Personal war bemüht, dass es mir besser ging, doch nichts half. Sie spritzen ein Medikament nach dem anderen in den Zugang hinein, vergeblichst.
Der Würgereiz ließ einfach nicht nach und auch der Spruch der Ärztin, half mir nicht sonderlich: "Frau G., sie müssen jetzt einmal aufhören zu würgen, ich muss sie nähen." Ist ja nicht so, als hätte ich Freude daran gehabt, aber nun gut. Der Chefanästhesist hatte chinesische Wurzeln und was bin ich froh, ihn bei der Geburt dabei gehabt zu haben! Irgendwann hörte ich, wie er hektisch rief: "Wo sind die Nadeln, gebt mir die Nadeln!" Ich bekam eine Akupunktur und mit jeder Nadel, die er mir in den Körper steckte, merkte ich eine so wundervolle Erleichterung. Mir ging es schlagartig besser. Am liebsten hätte ich ihn umarmt!
Ich konnte wieder reden, als ob nie etwas vorgefallen wäre und ich fühlt mich gut und stabil. Ich erzählte von meinem Studium und ehe ich angefangen habe zu erzählen, sagte die Ärztin auch schon, dass sie fertig sei. Das Personal nahm den Sichtschutz herunter und vor mir Stand eine Ärztin, die aussah, als käme sie gerade von einem Massaker. Mir war bis dahin nicht bewusst, wie blutig solch ein Kaiserschnitt sein würde. Es war blutig, wirklich sehr blutig!

Nachdem Pauline und Moritz den OP-Raum verlassen haben, bin ich etwa 15-20 Minuten später zu den beiden gestoßen. Ich wurde mit Hilfe einiger Personen in mein Bett verlegt und in den Kreißsaal geschoben. Ich konnte die beiden nicht sehen, da sie hinter einer Trennwand lagen, aber ich habe sie quietschen gehört. Mein Herz war so erfüllt! Moritz kam strahlend auf mich zu, legte mir Pauline auf die Brust und küsste mich! Pauli suchte sofort nach der Milch, also legte ich sie an und sie trank. Ich habe mir vorab so viele Sorgen um das Stillen nach einem Kaiserschnitt gemacht, aber es hat auf anhieb geklappt, ganz ohne Probleme. 

Pauline hatte mit keinen Beschwerden zu kämpfen, die man bei Kaiserschnitt-Kindern erwarten könnte. Es ging ihr prächtig! Ihre Abgar-Werte betrugen 9/9/10 und als Notiz stand geschrieben: "Sehr vitales Neugeborenes". Sie kam bei 38+4, also in der 39. Ssw zur Welt, aber hätte sich wohl, wenn es nach ihr gegangen wäre, noch etwas Zeit gelassen, da sie noch voller Käseschmiere war. Rückblickend finde ich es noch immer schade, dass ich das Wunder Geburt nicht auf die natürliche Art und Weise erleben durfte, aber ich bin glücklich darüber, ein gesundes Kind zu haben. Das ist schließlich das wichtigste! So lange es ihr gut geht, ist mir egal, wie sie auf die Welt kam und welche Erfahrungen ich machen musste. 
Bereue ich meine Entscheidung eines geplanten Kaiserschnitts? Jein. Ich wollte kein Risiko eingehen, da ich die Folgen einer BEL Geburt an einem anderen Kind sehen musste. Doch ich bereue es, nicht gewartet zu haben, bis die Wehen einsgesetzt haben. Dann wäre schließlich noch immer ein Kaiserschnitt möglich gewesen. 

Für das nächste Kind wünsche ich mir eine spontane Geburt, doch der Kaiserschnitt hat mich auch gelehrt, dass es immer anders kommen kann, als man denkt. Man sollte sich auf nichts versteifen und keine klaren Vorstellungen davon haben, wie alles ablaufen wird. Damit erspart man sich wohlmöglich die ein oder andere Enttäuschung.

Ich möchte niemandem Angst machen, sondern lediglich meine Erfahrungen zu diesem Thema teilen. Geburten sind so einzigartig, wie unsere Kinder. Egal wie viel Leid oder Schmerz wir erfahren müssen, am Ende halten wir unser persönliches Wunder in den Händen und spüren nur noch Liebe und Glück {ok, und ein bisschen Schmerzen, aber das ist in Ordnung}. 

Ich würde mich freuen, wenn ihr von euren Geburtserlebnissen {insbesondere Kaiserschnitten} berichtet!
All' die Frauen, denen die Geburt noch bevorsteht, wünsche ich von Herzen alles Gute! 


Xx, Bini

















Kommentare:

  1. Ein sehr, sehr schöner geburtsbericht!
    Ich habe letztes Jahr im August meinen Sohn ebenfalls per Kaiserschnitt zur Welt gebracht, nachdem die äußere Wendung nicht funktioniert hat (er war eine Fußlage, lag also mit den Füßen im Becken). Also wusste ich auch vorher schon, dass ich einen Kaiserschnitt haben würde, allerdings habe ich auf Wehen gewartet. Während des Kaiserschnitts selber hat die Gynäkologin festgestellt, dass ich eine gebärmutteranormalie habe und eine spontane Geburt somit ein Ding der Unmöglichkeit geworden wäre.
    Deine Bedenken bzgl der spontangeburt bei BEL kann ich sehr gut nachvollziehen. Kaum ein Arzt bzw. kaum eine Hebamme machen das noch, somit fehlt in den meisten Krankenhäusern einfach das fachkundige Personal. Ich hätte auch bei einer BEL eine Sectio gewollt.
    Schade finde ich nur, dass man hinterher belächelt wird, weil man sein Kind nicht "unter Qualen" auf natürlichem Wege herausgepresst hat. Die meisten stellen sich einen Kaiserschnitt als kleinen Spaziergang vor, nachdem man einfach superfit ist und keine Schmerzen hat.
    Danke für den tollen Bericht :)

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  2. Hab vielen Dank für das Teilen deiner Erfahrung!
    Ich wünschte nachträglich auch, dass ich gewartet hätte, bis die Wehen einsetzten. Aber wie sagt man so schön: im Nachhinein ist man immer schlauer.
    Und du hast recht, es ist in der Tat traurig, dass man mit einem KS belächelt wird. Es ist zwar eine ganz andere Art der Geburt, aber sie ist mit ihrer Art und Weise mit Qualen und Schmerzen verbunden und man hat eine Narbe, die ein Leben lang bleibt.
    Für mich zählt im Endeffekt, dass ich ein gesundes Kind habe.

    Alles Liebe für dich und deine Familie!
    xx, Bini

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  3. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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